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in Folge der schweren Verluste durch die dänische Wegnahme derpreußischen Schiffe, in verschiedenen Theilen Preußens gelähmt,als Erzherzog Johanns Wahl zum Reichsverweser bekannt ward.Ja am 24. Juli ließ sogar der Preußenvercin eine Proklamationanschlagen, worin er zu offener Widersetzlichkeit gegen die deutscheNationalversammlung aufforderte. Bürger und Arbeiter aufregendesatyrische Flugblätter wurden in Berlin in Menge verkauft, beson-ders fand eine Broschüre des Obersten von Griesheim gegen dieZentralgewalt und die Unterordnung Preußens unter dieselbe reißen-den Absatz. Bürgerwehrmänner und Soldaten rissen die deutschenKokarden ab und das Volk machte große Demonstrationen desLokalpatriotiömus und spezifischen Preußenthums zu Berlin, wieauch an verschiedenen andern Orten des Reiches mit preußischenFahnen unter starker Theilnahme der konservativen Partei. Rod-bertus nahm am 4. Juli ganz unerwartet wieder seinen Platz indem Reichstag ein. Jakobi von Königsberg beantragte, den Be-schluß der deutschen Nationalversammlung, einen unverantwort-lichen ReichSvcrwescr aufzustellen, zu mißbilligen, dennoch aberderselben das „Recht" anzuerkennen, einen solchen Beschluß zufassen, ohne daß die preußische Regierung zu einem Vorbehalte da-gegen befugt sei. Nach vielen heftigen Debatten wurde dieser An-trag von dem Reichstage mit 240 gegen 36 Stimmen verworfen.Durch die Anordnung der Huldigungsparade für den Reichsver-weser in ganz Deutschland durch den Reichskriegsminister v. Peuckerwar die Aufregung des konservativen Preußenthums unmittelbar aufdaö preußische Militär übergetragen, das ohnehin zum Theil nochimmer gegen die Bürger gereizt war, wie diese gegen dasselbe. Sowidersetzte sich ein Bataillon Bürgerwehr am 7. Juli dem Einmärscheeines auf Verlangen der Stadtbehörde eingerückten Bataillons Infan-terie, und der Befehlshaber der Bürgerwehr konnte kaum Gewaltthätig-keiten verhüten. Ebenso brach am 9. Juli eine Schlägerei zwischen Sol-daten und Bürgern auf einer Volksversammlung aus. Die Oesterreicher,namentlich Erzherzog Johannes Militärdienste (Hohenlinden und1809) wurden in den Berliner Zeitungen lächerlich gemacht unddie Plakate des Preußenthums appellirten an die Ehrenhaftigkeitdes preußischen Militärs, daß es niemandem als dem Könige vonPreußen huldigen werde. Viele Offiziere hetzten die Soldaten gegendas Volk auf und verlangten, daß sie nur den Befehlen des Königsals treue Unterthanen Folge leisten, keineswegs aber dem Reichs-