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Die neuesten Weltereignisse im Jahre 1848 / von J.J. Leuthy
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Wittgenstein nur einen hessischen Generallieutenant und Verlangte, daßBaden unmittelbar und ausschließlich die preußische Unterstützung an-ruse. Dies geschah, und somit traten die Dinge in ein neues Sta-dium. Preußen ließ seine am Niederrhein, an der Nahe, in Mittel-deutschland bereit stehenden Truppenkorps vorrücken, und der Prinzvon Preußen übernahm selbst den Oberbefehl, um so faktisch auch dasKorps, das sich an oer hessischen Grenze alsReichsarmee" unterPeucker's Obersehl sammelte, der Autorität des Reichsministeriums zuentziehen und die ganze Leitung der Dinge in der Hand des preußischenThronfolgers zu vereinigen. Dieses alles bereitete sich in den letztenTagen des Monats Mai vor. Der Großherzog von Baden, welchersich nun in Lauterburg befand, reiste daselbst ab und kam am 23. Mainach Koblenz; wenige Tage nachher begab er sich nach Frankfurt, wosich seine Minister versammelt hatten. In den letzten Tagen des Maiund Anfangs Juni kam die Sache zur Entscheidung. Der Großherzogging nach Ehrenbreitenstein zurück, wo die Unterhandlungen mitPreußen zum Abschluß gelangten. Baden trat in ein enges Bündnis?mit Preußen, anerkannte den oktroirtenDreikönigsentwurs" der Reichs-verfassung , und der Großherzog bildete ein neues Ministerium. Dieseswaren die Bedingungen, »reiche Preußen an seine Hülfe knüpfte.Schon am 4. Juni erhielt das badische Ministerium die Nachricht vonseiner Entlassung. Die Politik Brandenburg-Manteuffel hatte gegendas konstitutionelle Ministerium Bekk eine eben so große Abneigungwie die badischen Radikalen. Von den Mitgliedern des Kabinetessollten nur von Stengel und General Hoffmann bleiben; Letztererbestand aber auf seinem Abgänge. Gleichzeitig wurden von Marschall,Klüber, Stabel, entschiedene Legitimisten nach Ehreubreitenstei» be-schieden, um dort das neue Ministerium zu bilden, welches PreußenmehrGarantie" geben sollte als ras abgetretene. So war der öster-reichischen Politik ihr Plan mißlungen; die preußische hatte den Siegdavon getragen, weil sie rasch über Mittel und Kräfte dtsponirenkonnte. Sie hatte jetzt den Triumph, Baden und die Pfalz zu pacifi-ziren (den Bayern war innerlich so ohnmächtig, daß es nicht einmaldie eigene Provinz rasch wieder zu besetzen wagte) und das schon starkerschütterte Bünvniß der 29 verfassungsgetreuen (?) Staaten zu sprengen.Die preußische Oktroirung erhielt jetzt Aussicht bis an den Bodenseeund die Schweizergrenze vorzudringen. Alle diese Dinge, die denJammer deutscher Zustande besser als alles Andere charakterisiren,hatten die Entscheidung verzögert und der aufständischen Regierung nocheine kurze Frist gegeben; aber diese Frist eilte ihrem Ende zu.

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