dachte kaum Einer. Deßhalb sah man auch keine schmerzlichen Tren-nungen von Verwandten und Befreundeten. Die Hauptaufgabe desganzen Dienstes war natürlich die Grenzen zu bewachen und die In-tegrität des schweizerischen Gebietes zu schützen, und diese Aufgabewurde auf's Beste gelöst. Willig folgten auch diesmal unsere Wehr-männer dem Aufgebote, welches freilich gerade in die Erntezeit fiel.Das Vaterland vor Allem ist des Schweizers Losung. Die Schweizer-truppen wurden von den Reichstruppen besonders respektirt. Vonunserer Militärorganisation hatten die Letztem aber durchaus keinenBegriff, es war ihnen geradezu nicht beizubringen, wie es möglichsei, die Leute Vorn Pfluge weg plötzlich in Soldaten umzuwandeln, siewollten es gar nicht glauben, daß diese im Jahre kaum 8 Tage Uebun-gen haben, daß kein beständiger General an der Spitze stehe, daß dieTruppen für jeden Feldzug besonders beeidigt werden. In der Thatdürfen wir Schweizer auf diese uns allein angehörende Militärorga-nisation stolz sei» und es bleibt nur zu wünschen übrig, daß stetsmit gehörigem Eifer, mit Einsicht und Gleichmäßigkeit weiter gear-beitet werde.
Ueber die Zusammenkunft von Schweizer- und Reichstruppen be-merkt die eidgenössische Zeitung, Nv. 234, in einem lescnswerthen Auf-satz, betitelt: „Fünf Wochen Felddienst", Folgendes:
„Wenn unsere Leute mit den Hessen zusammen kamen, so war esimmer ein Hauptspaß, denselben zuzuhören. Da den Soldaten dasUeberschreiten der Grenze untersagt war, so wurde in dem schaffhau-sischen Orte Sch. auf das Verlangen der Hessen, welche ein hart ander Grenze stehendes schweizerisches Wirthshaus unbeguem Vor Augenhatten, zu den beiden Grenzpfählen ein Tisch hingestellt, und demWirth gestattet. Wein dahin zu bringen. Hier kamen nun unsere Leuteoft mit den Hessen zusammen, diese zogen aber puneto Trinkens undAusschneidens jedesmal den Kürzern, obwohl sie in Beiden keine Lehr-linge mehr waren, und der Wetteifer reizte, das Möglichste zu thun.Ein Beispiel: Die Hessen fragten einmal mit großer Neugierde, wasauch die Zahl 71 bedeute, welche das Schaffhauser Bataillon Seilerauf dem Tschako trage. Unsere Leute antworteten, das sei die Num-mer des Regiments. „Was", fragten die Hessen verwundert, „Ihrhabt so viele Regimenter?" — „Ja, noch weit mehr", Versicherte derSchweizer, „die No. 71 ist gerade in der Mitte." — „Wie stark istaber ein solches Regiment?" — „1300 Mann" rc. In dieser Weiseging es noch lange fort. Ob die Hessen wirklich so „blind" gewesensind, die Aufschneiderei nicht zu merken, wissen wir nicht; jedenfallssah man es ihnen nicht an."