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Die neuesten Weltereignisse im Jahre 1848 / von J.J. Leuthy
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und den zum Heile der Menschheit zertrümmerten päbstlichen Stuhlzu ihrem Unheile aus brandbeflecktem, blutigem Grunde wieder erhob.

1». Die Einnahme von Malghera und Kapitulation vonVenedig.

Im zweiten Hefte dieses Werkes, Seite 115, sind wir bis zurEinnahme Malghera's (28. Mai) und des Forts Giuliano, durch dirOesterreicher, gelangt. Hierüber folgen einige kurze nähere Detailsund dann die endliche Kapitulation Venedig's.

Nachdem Graf von Thurn, an Baron Haynau's Stelle, denOberbefehl der Oesterreicher Vor Venedig übernommen hatte, wurdemit Verdoppelter Thätigkeit aus den Festungen ringsumher mit Post-pferden und Eisenbahnen frische Munition dem Belagerungsheere zu-geführt. Am 23. Mai waren 19 Batterien erbaut und 88 Geschützenebst 24flündigem Schießbedarf in dieselben eingeführt. Das Feuer begannam 2t. Mai früh, um 5(fl Uhr wieder. Aber auch der Feind war vor-bereitet und erwiederte es mit solcher Heftigkeit, daß in den erstenStunden beiderseits 40 Schüsse auf die Minute gezählt wurden. Schonnach einer Stunde war eine der österreichischen Batterien zerstört undgefechtsunfähig, wurde aber in der folgenden Nacht wieder hergestellt,so daß sie mit Tagesanbruch wieder in Thätigkeit trat. Noch zweiandere Batterien wurden ebenfalls beschädigt. Alles Uebrige arbeitetebeinahe ohne Unterbrechung fort. Bereits bemerkte man am 25. eineAbnahme des feindlichen Feuers. Das Forr Rizzardi und die Stern-schanze waren bis zum 26. ganz demontirt und zum Schweigen ge-bracht. In der Festung selbst waren schon viele Werke verlassen, zweiMunitionsmagazine aufgeflogen und wenige Artilleristen bedientenmehrere Geschütze nebeneinander. Von der tapfer» Besatzung waren100 gelödtet, 300 meist schwer verwundet, keine Möglichkeit der Ab-lösung und eben so wenig eines Ersatzes der Munition, weil jedes mitdergleichen sich nähernde Schiff Gefahr lief aufzufliegen. Nach 10 UhrAbends (26. Mai) stellte sie ihr Feuer ein, worauf auch das öster-reichische während der Nacht ermäßigt wurde. Graf Thurn traf nundie nöthigen Verfügungen zu Ausführung eines Sturmes. In dernämlichen Zeit aber, nämlich zwischen 10 Uhr Nachts und 3 Uhrfrüh, räumte die Besatzung in aller Stille die Festung, so daß um4 Uhr früh am 27. Mai, als eine Patrouille den Werken sich näherte,sie dieselben verlassen fand. Nun ging sie in die Festung hinein, erstiegdie Brustwehr, winkte und rief ihren Kameraden in den Laufgrabenund Batterien. Alles, was in der Nähe hielt, mit oder ohne Waffen,