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3 (1872) Die Belagerung, der Waffenstillstand und Friedensschluss / G. Schneider
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XII
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XII

Vorwort.

sich bemerkbar machten, da war Panik überall, wie selbst die regu-lären Truppen unter Vinoh's und Dncrol's Führung in derSchlacht bei Chatillon und Clamart am 19. September zumTheil erwiesen, welche schaarenweise, Zuaven und Artillerie, durchdie Porte Monlrouge in die Stadt hereingeflüchtet kamen.

Allerdings hatten die Marinesoldaten die letzten acht Tagein den Forts nicht ungenützt verstreichen lassen; was jedoch dieWalle betraf, so sah es noch kläglich aus. Die wichtigen National-garden, deren Zahl und letzthin auch Equipirung so imponirendwurde, waren damals erst im Entstehen begriffen, und derStraßenkampf wäre trotz Rochefort und seiner Barricadenheldenwohl nicht so schlimm geworden. Drei Voraussetzungen jedoch:vollständige Terrainkenntniß, entsprechende Artillerie und einetraurige Rücksichtslosigkeit, die Gott sei Dank den deutschen Heer-führern und Soldaten nicht eigen, wären nöthig gewesen, undmit einiger Kühnheit, wäre die Stadt durch Handstreich zunehmen gewesen; weder Paris noch der Süden wäre zur Ent-faltung seiner improvisirten Truppen und Briganten gekommen.

Der geehrte Leser wolle dieses nicht als eine unziemlicheKritik meinerseits ansehen; weit entfernt davon, bin ich vielmehrder Ueberzeugung, daß die Belagerung von Paris geradezu einstrategisches und militärisches Meisterwerk des deutschen Geistesohne geschichtliches Beispiel ist, dessen moralische Folgen sich erstfür die Zukunft zur Geltung bringen werden.

Welche Lichtparthien hat wohl Frankreich in der ganzenEpoche und besonders während der letzten Episode aufgezeigt?Mußte es Einem doch vorkommen, als ob die Pariser, dasheißt die Majorität derselben, einzig fähig ihrer Thorheit Opferzu bringen, dem Verstände jedoch die Freiheit zu wehren,und geht nicht schon wieder das Exerciren der alten Knabenvor sich, trotzdem alle Welt selbst hier so dringend das Friedens-bedürfniß empfindet!

Die Sieger vor den Thoren haben sich klug, würdevoll und