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dcutschung und Modernisierung des antiken Stils allüberallSchillers Originalität hervor; zu allermeist im Chor, der zwarin seiner herrlichen naiven Beschaulichkeit an die Alten gemahnt,aber in einzelnen Reden, wie in der ganzen Form seines Auf-tretens dem modernen Bedürfnisse einer ins einzelne gehendendramatischen Motivierung angepaßt erscheint. Der Chor ist nichtwie in der Antike, um uns eines Ausdruckes Wilhelm von Hum-boldts zu bedienen, „der Himmel in der Landschaft", er erscheintvielmehr mit realistischer Bestimmtheit des Krieger-Charaktersauf den Boden aller übrigen handelnden Personen gestellt.
Ob trotzdem die Tragödie mit ihrer aus antiken Grund-lagen erwachsenen Komposition unserer modernen Empfindungs-weise entgegenkommt, ob sie dauernd der heutigen Bühne anzu-gehören vermag, — wer wollte das so rasch zu entscheiden wagen?Uns dünkt, es ist die nicht mehr zu verkennende Signatur unsererZeit, daß wir in der Kunst, wie im Leben, immer mehr der Ent-faltung der Individualität zustreben. Es scheint, daß wir wederdas Typisch-Große, noch in irgend einer Form den Gedankender Erbschuld, wie er der antiken Tragödie zugrunde liegt, er-tragen können. 11ns fehlt jener konservative Zug einer sichfromm bescheidenden Weltanschauung, welche auf dem Wege einerfügsamen Reflexion in dem Schicksal der Großen und Mächtigendas verengerte Spiegelbild der Menschheit, das erweiterte desIndividuums erkennt. Wir wollen den Einzelnen auch auf derBühne in Freiheit handeln, in Freiheit sich sein Schicksal bereitensehen. In diesem Sinne steht Goethe mit seinen im antikenStile gehaltenen Dramen — trotz aller seichten, absprechendenUrteile über deren Bühnenfähigkeit — unserer Empfindung näher,als Schiller mit der „Braut von Mcssina". Goethe hat — fastin geradem Gegensatz zu Schiller — die einfach großartige Formaus der Antike herüber genommen, aber das Wesentliche im mo-dernen Sinne gestaltet. An „Torquato Tasso" tritt dies über-deutlich hervor; aber auch in der „Jphigenie" löst sich der Cha-rakter von der Vorhcrbestimmung los und — die mythischen