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tritt die innere psychologische Wahrheit der Wunderwelt an unserGefühl heran. Geist von dem Geiste, der die Hexen im Macbethund die übernatürlichen Erscheinungen im Hamlet und Richardgeschaffen, lebt in der herrlichen Nibelungenwelt dieses deutschenDichters auf. Das Gedicht ist in der Schönheit seines Baues,in der Kühnheit seiner Phantasie, in der Großartigkeit seinerCharaktere nicht mehr und nicht weniger als verdichtete Natur.
Wir haben uns hier den Charakteristikern von der Seite desKunstprinzips genähert, eines Prinzips, woran die moderne Ent-wicklung des Dramas vielfach anknüpft und worauf wir nochdeS öftern werden verweisen müssen. Aber ganz von selbst sinduns dabei auch die kulturellen und aktuellen Bedingungen derWerke, die wir besprachen, ins Auge gesprungen. Das Kunst-prinzip selbst wurzelt ja, wie wir in der Einleitung nachzuweisenversuchten, in einer neuen, modernen Weltanschauung und auf alleEntfaltungen desselben nehmen die Erschütterungen des historischenBodens, die durch diese Weltanschauung hervorgerufen werden,naturgemäß ihren Einfluß. Retrospektiv erkennen wir immer,daß der Dichter im Zuge seiner Zeit gestanden, daß er vorahnend,mitergrissen oder Resultate verkündend, im Individuellsten zugleichdas Tiefste der Volksseele ausgesprochen hat. Vom Übel ist nurdas Eine: der Gegenwart und der Zukunft der Poeten, insbesondereder Dramatiker, diesen Zug vorzeichnen zu wollen, wie es in derMethode vieler Kritiker und Litterar-Historiker liegt. Vom Übeldeswegen, weil unsere getrübte, mangelhafte Erkenntnis des Zeit-geschichtlichen in tausend Fällen gar nicht bis zu jenem springen-den Punkte vorzudringen vermag, wo die Intuition des Dichtersansetzt, und weil uns doch der Rückblick auf die Litteratur, ins-besondere des Dramas belehren sollte, daß die bewegenden Mächteder Zeit nicht zugleich auch immer ihre bewegenden Gedanken sindund daß wir unter dem unmittelbaren Dränge der Verhältnisse oftvollständig irre gehen in der Bezeichnung der ideellen Faktoren,die in den Gestalten des Dichters als die wahrhaft entscheidendenlebendig werden.