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Geschichte des modernen Dramas in Umrissen / von Alfred Klaar
Entstehung
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155
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entgegen, welche Zustände hervorruft, duldet und wachsen läßt,in denen sittliche Verwahrlosungen und sittliche Opferungen, wiesie in dieser Tragödie dargestellt werden, möglich sind. Abernicht nur in Anklage und Verurteilung, sondern auch positiv demWerdenden, sich Vollendenden zugewandt, kündigt sich der aktuelleZug in Ludwigs und Hebbels Dichtungen an. In denMakka-bäern" (1854) ist der heroische Aufruf zur kraftvollen Einigungunverkennbar und die Nibelungentragödie ist gesättigt vonnationalem Gehalt, freilich mehr deutsch in der That als in derPhrase.

Zwei Dichter, deren Gestalten, wenn auch zurücktretendneben denen der Charakterisüker, im Mittelgrunde unseres Bildesstehen, sollen hier noch genannt sein, weil es vielleicht dochnoch fraglich ist, ob ihre verblaßten Gestalten nicht für denlebendigen Besitz der Bühne wiedergewonnen werden können:Robert Griepenkerl (17821868) und Georg Büchner(l8131837). Die bedeutendsten Werke dieser beiden, des frühdahingeschiedenen Büchners TragödieDantons Tod" und Gricpen-kerlsRobespierre", lehnen sich unverkennbar an den Stil derCharakteristiker. Scharfe und großartige Charakterzüge sind diesenbeiden Revolutionsdramen gemeinsam, aber die Konzcntrierungfehlt hier und dort. Vielleicht ist das Problem nicht auf dieBühne zu zwingen. Die große französische Revolution, in derdie aufgewühlte Flut über alle Häupter, die sich zeitweilig er-heben, dahinrast, hat als ungeheuere That des Volkstums ihrenEpiker noch nicht gefunden; ob sie überhaupt ihren Dramatikerfinden kann das ist eine offene Frage. Es scheint, daß dieseungeheuere Bewegung, deren Geist in aller Dichtung, also auchselbstverständlich in der charaktervollsten Dichtung, im Dramafortlebt, der unmittelbaren dramatischen Behandlung widerstrebt,daß die furchtbare Allgemeinheit, die sich hier mächtiger zeigt alsirgend ein Mächtiger, welche die Treibenden als die Getriebenen er-scheinen laßt und alle Einzelcharaktere im Sturme vernichtet,nicht zu faßbarer Gestalt auf der Bühne werden kann. Wenig-