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Geschichte des modernen Dramas in Umrissen / von Alfred Klaar
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unseren Tagen lebendig geworden und der deutschen Nation zumvollen Bewußtsein gekommen. Gleichgiltig gegen die Gunst desTages, unnachgiebig gegen jede flüchtige Tendenz, entfernt vmdem lärmenden Litteraturleben der Journale, in der Zeit seineskräftigsten Wirkens von einer reaktionären Regierung beengt undbedrückt und umgeben von einem Volke, das man gegen denfrischen Luftzug der Gedanken ängstlich abschloß, zog sich Grill-parzer viele Jahre lang ganz in sein inneres Leben zurück, dichteteDramen, um seinem inneren Bedürfnis zu genügen, und unterliefnicht nur das Bemühen und die Sorge um deren Aufführung,sondern fürchtete sogar die Berührung mit einem Theater, dessenVerwilderung und Verdichtung ihn anwiderte, dessen Leitungdurch idcenfeindliche Regierungen gehemmt wurde und dessenPublikum allmählich entwöhnt worden war, auf die zartesten undtiefsten Intentionen des Dichters hinzuhören. Die ungeineinwahrhaftige Selbstbiographie Grillparzers, die uns in jedem Zugemit der schlichtesten Treuherzigkeit anmutet, macht uns mit Fden Einwirkungen, welche den Dichter für lange Zeit vereinsamten,vertraut. Mit den Gestalten einerSappho", einerMedea",einesOttokar" im Gemüte, durch viele Jahre in die Beamten-sphäre der österreichischen Reaktionszeit gebannt zu sein in eineSphäre, in der zwar unter der Asche die Josephinischen Befreiungs-und Aufklärungsgedanken fortglommen, die aber abgeschlossengegen das unmittelbare Litteraturleben Deutschlands, abgeschlossenüberhaupt gegen jede Würdigung poetischer Thätigkeit von höhere»und freieren Gesichtspunkten, den Dichter und den Denker alseinen Fremden bald verständnislos anstaunt, bald zurücksetzt undverbittert das ist fürwahr ein seltenes Dichtermartyri»Aus der einseitigen Betonung dieser Verhältnisse ist indes auchmanches tiefgreifende, in der Litteraturgeschichte noch fortwirkend!Mißverständnis entstanden. Man vergißt, daß die Wahrheit, dieGrillparzcr in seiner Selbstbiographie giebt, subjektiv ist und seinmuß und daß man seine gesamten Werke, poetische und prosaisch,mit zu Hilfe rufen muß, um sich der objektiven Wahrheit z«