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Geschichte des modernen Dramas in Umrissen / von Alfred Klaar
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nähern. Grillparzers schlichter, stolzer Bescheidenheit stand eswohl an, uns von den Verhältnissen, die ihn bis zu einem ge-wissen Grade von außen her bestimmten, die treueste Nachricht zugeben, dagegen widerstrebte es ihm, sich selbst auseinander zusetzen, und mit einer gewissen Schamhaftigkeit verhüllt er in dermeisterhaft geschriebenen Lebensgeschichte die inneren Bewegkräfteseines Dichterlebens. Es ist höchst charakteristisch, daß er geradein der Erwähnung seiner Meisterwerke, ähnlich wie Goethe undRichard Wagner, bei den äußeren Veranlassungen und Schicksalenderselben ausführlich verweilt, über den inneren Wert, über dieBedeutung, und den ideellen Gehalt dieser Dramen aber nurganz gelegentlich und wie ohne tiefere Anteilnahme ein Wortfallen läßt. Seine ästhetischen Aphorismen gewähren einen weittieferen Einblick in die innere Werkstatt seines Kunstverstandesund diese hat er wiederum nun bezeichnenderweise nur fürsich und nicht über sich geschrieben. Sie tragen überdies dassehr denkwürdige Motto:Ich nehme mir vor, ohne Rücksichtauf ein System, dasjenige niederzuschreiben, was mir ausseinem eigenen Wesen zu fließen scheint. Die entstehendenWidersprüche werden sich am Ende von selbst heben, oder indemsie nicht wegzuschaffen sind, mir die Unmöglichkeit eines Systemsbelueisen." Was aus seinem eigenen Wesen zu fließen scheint!Das ist die Sachdenklichkeit Goethes, die wir denn auch in deneinzelnen Aussprüchen gespiegelt finden. Grillparzer nähert sichliebevoll dem Einzelnen, das er in der Natürlichkeit, in der Be-sonderheit zu erfassen sucht, und wehrt sich gegen das System.Also auch im Gedankenlebcn die künstlerische Betrachtungsweise,die ganz und gar in ihm vorherrscht und die sich eben so theo-retisch in seinen Studien, wie praktisch in seinen Werken bewährt.Halten wir dagegen, was wir an Hebbel und an Schiller wahr-genommen haben, so springt der tiefgreifende Unterschied sofortin die Augen. Auch Hebbel und Schiller sind künstlerisch bewußtgenug, um die Anschaulichkeit zu suchen, aber sie nähernsich ihr auf dem analytischen, Wege während Grillparzer

Klaar, Das moderne Drama. 11