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Geschichte des modernen Dramas in Umrissen / von Alfred Klaar
Entstehung
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174
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Grillparzer den spielenden Zeitgedanken des geistreichen Franzosenin den Worten des Massud:Was du gesehen,war vielleicht die dunkle Warnungeiner unbekannten Macht,der die Stunden sind wie Jahreund das Jahr wie eine Nacht."

Aber in vollen Rhythmen läßt der erwachte Rustan denGrundgedanken der ganzen Dichtung ausströmen:

Senk es tief in jede Brust:

Eines nur ist Glück hiemeden,

Eins: des Innern stiller FriedenUnd die schuldbefreite Brust!

Und die Größe ist gefährlich,

Und der Ruhm ist eitel Spiel;

Was er giebt, sind nicht'ge Schatten,

Was er nimmt, es ist so viel!"

Grillparzer hatte anfänglich kein großes Glück mit seinemdramaturgisch so absonderlichen Traumgedanken. Als er imJahre 1819 den Entwurf des Stückes vollendet hatte, vermochteer nur den Schauspieler Küstner, den die Rolle des Zanga lockte,für das Stück zu interessieren. Aber Küstner verlangte nachdrück-lichst, daß aus dem Mohren ein Weißer gemacht werde, weilsonst die Wirkung seines ausgezeichneten Mienenspieles verlorengehe. Nun ist es bekanntlich eben so schwer, einen eitlen Schau-spieler zu bekehren, als einen Mohren weiß zu waschen. Grill-parzer unterließ beides. Er kam erst zu Beginn der dreißigerJahre auf den lange vernachlässigten Stoff zurück, und fünfzehnJahre nach Vollendung des ersten Aktes wurde derTraum einLeben" natürlich mit dem schwarzen Zanga zum erstenMale im Wiener Burgtheater aufgeführt. Laube berichtet überdie ungemein charakteristische Haltung des Publikums, das denbunten Begebenheiten anfänglich mit kühler Teilnahme folgte,aber in jenem Momente des vierten Aktes, in dem eine kühn-geniale Wendung die Wirklichkeit mitten in den Traum hinein-