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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
Entstehung
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Anleitung.

Unter allen gesellig vorkommenden Pflanzenarten vermochte'jene Vegetationsform, die wir Wald nennen, sich in dem vielenJahrtausende langen, ungestörten Wirken der Natur die ausge-dehntesten Territorien auf der festen Erdoberfläche zu erobern,weil die Waldbäumc durch ihre lange Lebensdauer, ihre Wider-standsfähigkeit gegen klimatische Einflüsse und ihren bedeutendenHöhenwuchs bei dichtem Stande die meisten andern Gewächseverdrängten. Wie überhaupt in der Natur das Unvollkom-menere dem Vollendeteren und höher Organisirten weichen mußte,so repräsentiren auch die in ausgedehnten Waldmassen ver-breiteten Baumarten das Endprodukt einer langen Entwicklungs-reihe von Pflanzenformen, deren Uranfänge noch in den fossilenResten vorweltlicher Wälder als baumartige Kryptogamen (Moose,Farne und Schachtelhalme) aufbewahrt sind. Das Menschen-geschlecht fand also bei seiner Ausbreitung über die Erde dievorherrschende Vegetation gebildet durch Wald, der als freieGabe der Natur, ohne menschliches Zuthun, die Höhen der Ge-birge wie die weiten Ebenen des Tieflandes erfüllte.

Insbesondere die Wälder Mitteleuropas und speciell Deutsch­ lands erhielten sich noch lange Zeiträume während der histori-schen Zeit fast in gleichem Zustande, wie sie aus der Hand derNatur hervorgegangen waren. Die Schilderungen der Römer(z. B. Tacitus) zeichnen Germanien als ein Landauf uner-meßliche Strecken starrend von Wald und unwirthlich durchWeber, Der Wald. 1