Buch 
Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
Entstehung
Seite
11
JPEG-Download
 

I. Die Rolle des Waldes im Kreisläufe des Kohlenstoffs.

11

Diese Naturgesetze wirken zwar in gleicher Weise in allengrünen Pflanzen, in der einzelligen Alge so gut wie in den ent-wickeltsten Phanerogamen, doch finden sie ihren gewaltigsten Aus-druck im Leben der Waldbämne, weil hier das Endprodukt derAssimilation und des Wachsthums, die Holzfaser, sich massenhaftund in der dauerhaftesten Weise ansammelt, weil uns in denhundertjährigen Stämmen des Waldbestandes die verkörperteSonnenkraft von hundert Sommern aus einmal entgegentritt.Holz war daher seitdem der Mensch den Gebrauch des Feuerskannte, das wichtigste Brennmaterial; ihm allein verdankendie außerhalb der Wendekreise liegenden Zonen der Erde ihreBewohnbarkeit, indem durch diese künstliche Wärmequelle die un-gleiche Wärmevertheilung der Jahreszeiten gewissermassen aus-geglichen wird. Und nicht blos die leibliche Existenz durch Er-wärmung der Wohnungsräume und Kochen der Speisen, sondernauch die geistige Entwicklung der Menschheit in der Cultur be-ruht zum großen Theil aufdes Feuers Macht", indem dieBeherrschung der Materie dadurch außerordentlich gefördert unddie Macht des Menschen ausgedehnt wurde. Z. B. die Ge-winnung und Verarbeitung der Metalle aus ihren Erzen,welche für den Forscher in der Culturgeschichte die Marksteineder großen Entwicklungsphasen der Menschheit (Stein-, Bronze-und Eisenzeit) bildet wie wäre sie denkbar gewesen ohnedie gewaltige Wärmequelle, welche in den ausgedehnten Wald-massen als freie Naturgabe schlummerte? Wie wäre das Brennender Ziegel und des Kalkes möglich geworden, die das Materialfür Stein-Bauten liefern mußten, nachdem das Zelt der No-maden der Cultur gewichen war?

Geben uns nun schon diese allgemeinen Betrachtungen einenBegriff von der großen Wichtigkeit des Hauptproduktes derWälder, so muß um so mehr eine Berechnung der Wärme-vorräthe, die auf solche Weise erzeugt werden, unser Interesseerregen. Die Menge der durch Verbrennung eines KilogrammsKohlenstoffs erhaltenen Wärme ist im Stande, die Temperaturvon 8080 Kilogrammen Wasser um einen Grad Lslsiss zuerhöhen, ebenso liefert ein Kilogr. Wasserstoff so viel Wärme,daß 34,462 Kilo Wasser um 1° 6. erwärmt werden können;für ein Kilo Holz von der Zusammensetzung 50 °/g Kohlenstoff,