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Der Wald im Haushalte der Natur und des Menschen / von Rudolf Weber
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I. Die Rolle des Waldes im Kreisläufe des Kohlenstoffs.

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ten Wärmemenge enthalten ist, verbinden. Holz repräsentirtalso nicht nur einen Vorrath von Wärme, sondernauch von Kraft, welcher jederzeit zur Erscheinung gebrachtwerden kann.

Die Quelle dieser mechanischen Kraft ist ebenfalls^ dasSonnenlicht, welches die Zerlegung der Kohlensäure in dergrünen Pflanzenzelle bewirkt und so seine lebendige Kraft inchemische Spannkraft verwandelt hatte. Führen wir das obigeBeispiel von der Heizkraft eines Kilogramms Buchenholz( 3600 Kilo Wasser um 1" 0.) nach dieser Richtung weiter,so berechnet sich unter der Voraussetzung,*) daß eine Wärme-zufuhr von 1" 6. in 1 Kilo Wasser gleich ist einer Kraft-leistung, durch welche 436 Kilogramm 1 Meter hoch gehobenwerden, die theoretische Arbeitskraft dieser Verbrennungswärmeauf 436 X 3600 1567600 Kilogramme, welche auf dieHöhe von 1 Meter gehoben werden. In den gewöhnlichenMaschinen kommt jedoch nur etwa dieser theoretischenArbeitskraft zum Nutzeffekt, so daß also obige Kraft eineDampfmaschine von 1 Pferdekraft nahezu 20 Minuten langtreiben könnte. Die oben berechnete Heizkraft des jährlichenErtrages der deutschen Wälder könnte also circa 2 MillionenPferdekräfte ein ganzes Jahr lang in Betrieb setzen.

Die Neuzeit hat außer den im Holze der Wälder gebotenenBrennstoffen bekanntlich durch Erschließung ausgedehnter Stein-und Braunkohlenlager sich außerordentliche, früher unge-ahnte Vorräthe an Wärme und Arbeitskraft dienstbar gemacht.Auch hier ist es die Spannkraft der chemischen Differenz, welchein den, nicht mit Unrecht alsschwarze Edelsteine" bezeichnetenKohlen ruht; auch sie war einstens lebendige Kraft des Sonnen-lichtes, welche viele Millionen von Jahren in den Resten vor-weltlicher Wälder begraben lag, um jetzt als Zuwachs an Kraftsich der menschlichen Thätigkeit hülfreich zuzugesellen. So er-wünscht nun auch die Ausbeutung der fossilen Kohlen, wie derBrennholzsurrogate überhaupt im allgemeinen Interesse sein

*) Diese Gleichung zwischen einer Wärmeeinheit und dem Kraft-maaß der Mechanik nennt man dasmechanische Aequivalent derWärme".