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Erster Versuch [Textband]
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der Vollkommenheiten und Unvollkommenheiten überhaupt. 41

Jede Art von Vollkommenheit ist nur Eine, aber die Abweichungen davon sindunzählig. So wie nur Eine Mehrheit ist, aber die ihr entgegenstehenden Irrthümer sind un-zählig. Tausend Irrthümer sind leichter gesagt, als Eine Wahrheit.

Ein mittelmäßiger Zeichner entwirft in einem Tage hundert Gesichter von Thoren undBdscwichter, und der geschickteste zeichnet in dieser Zeit vielleicht kaum Ein rechtschaffen weises,edles, oder erhabenes Gesicht.

Es erfordert also bey der Menge von Unvollkommenheiten, mit denen wir umringt sind,und bey der Leichtigkeit, womit man diese Herzeichnen, beschreiben und entwickeln karrn, undbey dem offnen Felde, das sich dem Witze zu den lustigsten Bemerkungen und unterhaltendsten Ein-fallen darbeut; es erfordert, sage ich, anfangs viel Selbstvcrläugnung, oder ein großes Maasbrüderlicher Menschenliebe das stolze Verlängert, Unvollkommenheiten an andern zu bemerken,und darüber zu triumphiren bey sich.zu unterdrücken und im Zaum zu halten, urrd vornehm-lich nur das viel seltnere Schöne, Edle, Erhabene, Vollkommene, das um so viel schwererwahrzunehmen und zu beschreiben ist, zum näheren und ersten Gegenstände seiner Beobachtungenund Beschreibungen zumachen. Aber diese Verlaugnung führt, je schwerer sie ist, um soviel größere Belohnung mir sich.

c Wer in der Welt Freude genießen und andern Menschen weise Freude machen will, dergeh auf Vollkommenheiten aus, und gewöhne seirr Auge, Schönheiten zu suchen und zu finden,lasse sich den schrecklichen Verfall der schönen menschlichen Natur (die doch ja nur deswegen so tiefgefallen ist, damit sie ihr unerforschlicher Urheber himmelhoch erhebe) nicht abhalten, immerfortSchönheiten zu suchen, so weit er sie immer suchen kann.

Nichts wird geschickter seyn, seinen Verstand, seine Schauenskraft zu üben und zu schar-fen, seinen Geschmack zu verfeinern, und sein Herz zu verbessern und zu erweitern. Nichts istgeschickter den Menschen menschlicher zu machen, als die Entdeckung und Beobach-tung dcr Schönheiten und Vollkommenheiten der menschlichen Natur. Und allent-halben wo er ist, werden sich seinen offenen Augen Schatze darbieten,' die unschätzbar sind --wenn gleich beynahe niemand ihren Werth kennt, wenn gleich unzählige es sich zur Religionmachen, die menschliche Natur, die doch warlich, so sehr wie alle Geschöpfe Gottes, gut undphys. Fragn,. I. Versuch. G

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