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Zweyter Versuch [Textband]
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287
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28?

Religiöse, Schwärmer, Thcosophen, Seher.

Fünfte Tafel.

Johannes nach Vandyk. Ein Umriß.

Äuch in der bloß erträglichen Copie wie viel Geist, Innigkeit, Salbung? Salbung? was istdas? O wie gut und lieblich ist's, wenn Bruder einträchtig bey einander wohnen wie der köst-liche Balstrm,ausgegossen aufs Haupt, herabfließt in den Bart, ja in den VartAarons, herab-

fließt bis zum Saume seiner Kleider-- Verstehen wir nun, was Salbung ist Ein Gesicht

voll Salbung? Ein Gesicht gut und lieblich aber noch mehr, als dieß Ein Gesicht, das Geist,Kraft, Leben, Erquickung ausduftet, das anzieht, wie der lieblichsten Salbe alldurchdringenderWohlgeruch! Man kann die Lieblichkeit des Gesichtes sehen, empfinden die Huste Macht der An-ziehung aber wer kann sie beschreiben? Wer beschreiben den Wohlgeruch des Salböls ausgegos-sen aufs Haupt, Hust herabtriefend bis zum Saume des Kleides Aarons? Es ist dem kalten, geist-und kraftleercn Gesichte, voll dem sich alles jagen, der kleinste Zug beschreiben und bestimmen läßt,entgegen. So das Gesicht, das wir vor uns haben, wenigstens zum Theil.

Zuerst das Ganze welche ruhige, einfache, denkende Stellung! wie würdig einesMitgenossm an der Trübsal und an dem Reiche Christus der eben den Giftbecher trin-ken sollwie kunstlos! wie wahr, und wie erhaben! keine Befrcmdung! kein Zurückbcben! keinseufzendes Fragenund bessers hab' ich nicht verdienet? " Das Staunen der ticffühlendenEinfalt voll großer Gedanken wer bemerkt's nicht? Ich lobe das Auge nicht ganz. DieFalten überm obern Augenliede die Entfernung der sehr gemein und ohne Gefühl oder Studiumgezeichneten Augenbraunen kann ich nicht billigen, geschweige loben. Dennoch hat der Blickein unbeschreiblich schickliches Staunenwenn sie etwas tödtliches trinken werden, wird es sienicht schädigen."Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke und mit der Taufe, womitich getauft werden soll, getauft werden."So ich will, daß er bleibe, bis daß ich komme? "Doch sagte Jesus nicht: Er stirbt nicht, sondern, so ich will, daß er bleibe, bis daß ich komme;

was geht's dich an?-Mir scheint's diese Gedanken, diese Worte des Meisters, die so viel

mehr in sich fasten, als sie beym ersten Anhören in sich zu fassen scheinen bcschäffugen die ganzeedle, ruhige Seele des erhabenen warum bloß Mannes, und nicht Greises?

Die