Band 
Erste Abtheilung.
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42 TAB. XXX.

ben: Auf deinem Bauch ſolt du gehen;gibt denen Juͤdiſchen Lehrern zu mancherley

10 e Gelegenheit; Einige derſelben haben tzich eingebildet 5 es waͤre die Schlange vor

dem Fall aufre einhergetretten, auf derenRuͤcken Samael, welcher Evam beruͤcket, gleichals einem Camel geritten? Andern be-duͤncket, daß ſie wenigſt 2. oder vielleicht 4.Fuͤſſe gehabt, und dann als der 25 allerzweyfuͤſſigen Schelmen derſelben! eraubetworden; Aber, warum ſetzet man nicht auchdie Sprache hinzu, die ſie vor dem Fall ge-habt hatte? Und wie kommt es, daß nichtvielmehr der vernuͤnfftige⸗ nach der Freyheitſeines willens lebende Menſche der Haͤnden,Fuͤſſen, Ohren, Sprache, ꝛc⸗ beraubet wor-den, inmaſſen er mit denen Fuͤſſen zum verbot-tenen Baum gegangen, mit. denen Haͤndendie Fruͤchte abgepflücket, mit denen Ohrender verfuͤhriſchen Stimme gehorchet, und milder Zungen in ein verwerffliches Geſprache ſicheingeiaſſen? Wohingegen die natuͤrlicheSchlange, als ein bloſſer Werckzeuge dem Sa-tan nicht haͤtte widerſtehen koͤnnen. Waswuͤrde die auf Fuͤſſen gehende Drachen ſoderen zu finden, von obbemeldter Fuß-Stuͤmmlung frey behalten haben? Was be-wegt uns zu ſagen, daß nach vollendetemSchoͤpffungs⸗Werck ein Geſchöpff gaͤntzlichgeaͤndert⸗ und das auf Fuͤſſen gehende, in einFuͤſſe⸗loſes Kriechendes ſeye verwandelt wor-den? Siehe die Natur des Thiers ſelbſten ein,und vermercke, daß zu einem langen biegſa-men Leib, als der Schlangen iſt, die Fuͤſſenicht taugen, auch weder 2. und 4. noch gar

20. derſelben bey jenen 30. Elligen Schlangendes Philoſtrati hinlaͤnglich waͤren. DenenSchlangen fehlet nichts was zu ihrer LebensBeguemlichkeit dienen mag, wenn ſie ſchon kei-

ne Fuͤſſe haben, gleichwie denen vierfuͤſſigenThieren nichts abgehet, ob ſie gleich ohne Fluͤ-gel ſind; Sie kriechen hin, wo es beliebet,und koͤnnen in zimlicher Behendigkeit ihrerNahrung nachkommen und durchkriechen uͤberMauren, auf die hoͤchſte Baͤume ſteigen, undſo dann in ihre Hoͤlen zuruͤck eilen. Und ſoman endlich begierig iſt zu wiſſen, welcherGattung die Verfuͤhrungs⸗ Schlange geweſen,haben Bonfrere und Delrio die Nater; Eu-gubinus den Baſilisk, Majus den Drachene B das gewiſſeſte iſt, daß es keinerweißt.

Noch eine beſondere Meynung iſt uͤbrig beyDidymo, welche vorgibt daß Satan der oh-ne Fuͤſſe erſchaffenen Schlangen uͤſſe ange-ſetzet, die aber das Goͤttliche Urtheil wiederabgeſprochen; wozu dienten aber die Fuͤſſe inder Verfuͤhrung? Warum ſolte GOT ab-nehmen, da ſie von ſelbſten wieder verſchwun-den waͤren; Worinn beſtuͤnde die auferlegteSchlangen ⸗Straffe, wenn ſie in ihren erſtenStand durch dieſe Worte waͤre wieder herge-

Maulwuͤrffe, Staub und Erden, wo

dern Pf. 44, 26.

I. Buch Moſis Cap. 3. verſ. 14.

ſtellet worden? Wer ertheilte dem Teufel Gewalt Fuſſe zu machen, und an den Leib zu ſe-en?

Das Grund⸗Wort unn Gachon heiſſet nichtnur einen Bauch, oder ſo genandten UnternBauch, ſondern auch die Bruſt, dahero mannach Maßgeben der Griechiſchen Dolmetſcherden Tert: auf der Bruſt und auf demBauch leſen muͤßte, Keines aber iſt unrecht;der Schlangen Bruſt iſt auch der Bauch, undder Bauch die Bruſt, indeme kein Diaphragmaoder Zwerch⸗Fell vorhanden, deßhalben mangar füͤglich die gantze Hoͤle der Schlangen vomKopffe biß zum Schwantz einen Bauch, aBruſt und Bauch nennen mag.

Schreiten damit zum zweyten Theil derverhaͤngten Schlangen⸗Straffe: Du wirſtErden eſſen/ und weiſen, daß auch dieſe faſtgaͤntzlich verſchwindet, ſo man der natuͤrlichenSchlangen zueignet; Anerwogen die Natur-fündiger wol wiſſen, daß die Schlangen fastalles freſſen was ihnen fuͤkommt, Fruͤchte/Brodt, Kleyen, Fleiſch und dergleichen, womit ſie zwar auch öffters Erden einſchlingenjedoch darinn von andern Thieren nicht großunterſchieden ſind; Und wenn wir die Erdenſich ſelbſten betrachten, iſt zwar der Stannicht nahrhafft, die darinn enthaltene Theileaber machen die Erde zu einer reichen Mutund Ernährerin, wenn nun die Schlange Erdeneinſchlinget, ſo gewinnet ſie zu gleich den lost.lichen Nahrungs⸗ Schleim, der die Pflanzenſpeiſet; uͤberdiß allerhand in der Erden ve,borgene Saamen, Wurzeln und ThierleinSchließlich eſſen nebſt der Schlangen auch deWuͤrmer, Scorpionen, Schaͤrmaͤuſebleibetſodann die Straffe? f

Faſſen wir nun alles, was von der Schlau,gen Liſtigkeit, Unterredung, Gerichts Forderung und auferlegtem Fluch, Meldung geghen, zusammen, läſſet ſichs ohnſchwehr schlieſen, daß dieſe Sachen der naturlichen Sch igen nicht gemäß, weit fuͤglicher aber der Glichen alten Schlange zukommen, welweil ſie Eva verfuͤhret, verflucht worteiſt vor allem Vieh, und vor allen fren auf dem Felde, ſolte auf ihremgehen, von ihrem zuvor Himmliſchen Sin die Holle geſtuͤrtzet werden; es ſolle derbigher Heilige Stand und Wilſe an ſtatt dBeluſtigung an Göttlichen Dingen, jetzo eznichtswuͤrdigen irꝛdiſchen Sachen umgehenbei der unſeelige Geiſt nach eingebuͤßter am

eit, Weisheit, Heiligkeit, ꝛe. ſüc im Schlzg,aller Suͤnden und Laſtern waͤltzen, und f,nebens ſeiner Macht beraubet werden ſolfenb. Joh. 129. Die Schrift erlautert nches mit bedencklichen Redens⸗Arten, untenUnſere Seele iſt biß andas Roth getruckt/ unſer Bauch klebt

dem Erdboden. Oder: Unſere Self uget