270 Tan. CLXXII. 2. Buch Moſts Cap. 24. vetſ. 8.
von. Daraus entſtehet eine Nothwendigkeitden Abgang durch unentbehrliche Speiſe undCTranck wieder zu erſetzen; dieſe unumſtoͤßli-che Warheit bekraͤfftigen vornehmlich die neu-ern Erfahr⸗ und Anmerckungen der ſo genann-ten Sanctorianiſchen Durchdaͤmpfung und Aus-duͤnſtung, welche uns vergewiſſern wollen,daß wol s. von der eingenommenen Nahrungdurch dermaſſen kleine Loͤchlein unempfindlichdurchwandern, deren 125000. mit einem eini-gen Sandkoͤrnlein bedecket werden konnen,wie der beruͤhmte Leeuwenhoek durch ſeineKunſtreiche VergroͤſſerungsGlaͤſer Entdeckun-gen gemacht hat. Man hat hierbey weder
Zeit noch Ort auszurechnen die unbeſchreibli-
e Anzahl jetztgemelter Hautloͤchlein, noch15 die nbeſchrelbüche Subtilitaͤt und Kleinig-keit der durch⸗ und ausfliegenden Theilgen, in-
gleichem keine Zahl oder Gewicht, wie viel
derſelben auf einen Gran oder Loth kommen;Aus dieſem bißanhero erklaͤrten Grund Satzziehe ich nur dieſe Warheit, daß wir, ohneSpeiß und Tranck zu uns zunehmen, nichtlange beſtehen koͤnnen, ſondern uns gar zeitlichſelbſt verzehren mußten.——
Unſer Alt⸗ und Groß⸗Vater Hippocrateshat Lib. de carn. zu Ende eine Friſt von 7. Ta-gen anberaumet, auch ſtatt eines Grundes
angefuͤhret, daß ſonſten die duͤnne Gedaͤrm zu-
ſammen wachſen, das iſt, ein oder zuſammenſchrumpfen. Plin. L. XI. c. 54. ſteiget biß auf
den eilfften, Ouicius L. 14. Metam. auf den
12. Tag: wo es nicht 6. ſind:
Sex illam notes, totidem redeuntia Solis
Lumina viderunt inopem ſomnique cibique
Per juga, per valles, qua ſors ducebat eun-tem.
Sechs Naͤchte ſahen ſie, ſechs neue Son-5 nenſcheine,Beſtraalten ſie alleine,So lang das Schickſal ſie durch Berg undThal gefuͤhrettVon Speiſe fand ſie nichts, kein Schlaffhat ſie beruͤhret.
Dergleichen 12. Taͤgige Faſten hat Priamusbey Homero ult. Iliad. ausgedauret; Eine weitlaͤngere Faſten erzehlen verſchiedene Legendenund Geſchichten; Manche Juͤdiſche Prieſternehmen 20. Tage auf ſich, wie bey Cluſio Anot.ad cap. 3. Garc. ab Horto und Marco DonatoHiſt. Med. Mirab. c. 12. zu finden. Brafla-uolus Comm. in Hippocr. de rat. Vict. Sect.44. gedencket einiger Krancken, welche 14.Tage ohne alle Speiſe und Tranck gelebet.Gleiche Geſchichte meldet von einem Gefan-genen Plater Quceſt. Paradox. Centur. Poſt-hum. n. 32. Nicht unbekandt wird denenmeiſten ſeyn die Begebenheit mit jener beruͤhm-ten Anna von Roth, einem 12. Jaͤhrigen
Maͤgdlein welche A. 1542. vor Kayſer Ferdi-
nand. I. geſtellet worden, welche in 1 5e
faſt gar nichts gegeſſen; derſelbigen ſtellen wirein Maͤgdlein von faſt gleichem Alter an dieSeite, welches um A. 820. gelebet und glei-cher geſtalten in die 3. Jahr gefaſtet habenſolle in Vincent. L. XXIV. c. 17. Weit hoͤ-her und biß auf 20. Jahr erſtrecket ſich die Ab.ſtinenz, oder Entaͤuſſerung Speiſe und Trancksdes ſeeligen Bruder Clauſen von Fluͤhe ausUnterwalden; In die 22. Jahr eines Spa-niſchen Maͤgdleins bey Coelio Rhodigino An-tid. Leck. L. XIII. c. 24. p. 898. biß auf 30. ei-ner gewiſen Mariaͤ Magdalena bey MarcoMarulio IL. VI. c. 16. p. 274.
Ich vergeſſe hiebey nicht die Anna Keller,
Jacob Kellers Tochter aus dem Dorff
Wuͤlflingen in der Grafſchafft Kyburg, ei-ne Perſon von 30. Jahren, welche 6. Jahrnacheinander erſtlich 10. hernach 14. Tag, ja3. Wochen, und A. 1704. 4. Wochen und 2.Tage lang nichts zu ſich genommen als Brun-nen⸗Waſſer; uͤbrigens hat ſie ſich aller Spei-ſe und Trancks entſchlagen vom 25. Decemb.A. 1705. biß an den 8. Febr. 1706. ohne eini-gen Luſt oder Trieb zum eſſen zu empfinden;von welcher Perſon aber annoch zu behalten,daß ſie zugleich die fallende Sucht gehabt,
folglich auch von ſolcher Diſpoſition und Lei-
bes Beſchaffenheit geweſen, daß ſie wegen zaͤ-her Schleimigkeit, und ſehr langſamen Lauffdes Gebluͤts faſt keine⸗ oder doch ſehr geringeDurchdaͤmpfung und unempfindliche Aus-duͤnſtung erlitten; Geſtalten aus dieſem Grun-de die lange Abſtinenz und Faſten derSchlangen, Schild ⸗Kroten, des Chamæ-leons und Murmel ⸗Thiers aufzuloͤſen und zubeurtheilen; denn in Warheit der Zuſtanddes Leibes hierinn gar ein groſſes austraͤget,denen beyzurechnen das Alter, Geſchlecht, Lan-des⸗Art, Jahrs⸗Zeit ꝛc. bey Hippocrate Aph.13. Seck. I. ſtehet ein Zeugnis, daß alte Leu-te das Faſten am leichteſten ankomme, naͤchſtihnen bequemen ſich hiezu Leuthe von beſtan-denem Alter, weniger die junge in beſterBluͤthe wachſende, am allerwenigſten aberdie Kinder.. aWas iſt endlich von Moſis 40. taͤgiger Fa-ſten zu ſagen? desgleichen Elia 1. Koͤn. 19,8.welcher durch Krafft der Speiſe eines ge-backenen(geroͤſteten) Brodts, und einerKanne mit Waſſer 40. Tag und 40. Nachtgieng biß an den Berge GOL ES Horeb? Was von dem Faſten CHKI8 TI, aufwelches die erſtern Fuͤrbilder geweſen ſind/dergleichermaſſen 40. Tag und 40. Nacht gefa-ſtet hatte, Matth. 4, 2. Luc. 4, 2. dieſedrey Perſonen moͤgen ohne allen Zweifel un-ter denen Krancken keinen Platz finden, ſolaͤſſet ſich auch mit obangefuͤhrten Vernuͤnft-lungen hier nichts ausmachen; ſie waren ge-ſund, eiferig und fertig in ihren Verrichtun-gen;
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