Band 
Vierter Versuch [Textband]
Seite
28
JPEG-Download
 

28

I. Abschnitt. I. Fragment.

aus für die Physiognomik ohne nähere Bestimmung nichts; da eben dieses Lesen auf der Oberflächedie Quelle aller unserer Irrthümer und in manchen Dingen unserer gänzlichen Unwissenheit ist."

Es ist nun einmal unsere Natur, schlechterdings nur auf der Oberflache lesen zu können.Dieß Lesen auf der Oberflache, die doch immer in einer Welt ohne Wunder, ein bestimmtesVerhältniß zu ihrem Innwendigen, wovon sie die Gränze ist, haben muß, dieß Lesen aus der Ober-fläche verdächtig machen was heißt das anders, als: alles Wissen, Lernen, Sehen, Erkennendurchaus verdächtig machen? Sogar alle Zergliederungen geben uns weiter nichts als neueOberflächen Alle unsere Wahrheit Miß Wahrheit der Oberflache seyn. Nicht das Le-sen auf der Oberfläche ist die Quelle unserer Irrthümer sonst müßte es gar keine Wahrheitfür uns geben. Sondern das Nichtlesen, oder welches eben so viel ist: das Nichtrechtlesen.Denn wenn eine Erbse ins mittelländische Meer hingeworfen, auch auf die Oberfläche desselbeneine Aenderung bewirkt, die bis an die chinesische Küste fortgeht;" so ist die Schuld aller Fehl-schlüsse, die wir in Ansehung der Wirkung dieser Erbse machen, nicht, daß wir nur auf der Ober-fläche lesen, sondern, daß wir nicht darauf lesen können.

Besonders Tröstliches, sagt der Verfasser, folgt daraus, daß wir nur auf der Oberflächelesen können, nichts für die Physiognomik ohne nähere Bestimmung." Solche nähereBestimmung aber suchen wir allfallen Blättern zu geben und Widerlegung von diesen wünsch-ten wir voll scharfsinnigen Beobachtern Aber Thatsachen gegen Thatsachen.Wenn das In-nere auf dem Aeußern abgedruckt ist" < fährt unser Verfasser fort, und scheint also die Mög-lichkeit dessen zuzugeben, und wenn er's zugiebt: Ist dann die Oberfläche nicht Buchstabe des In-nern? Giebt es dann keine Physiognomik der festen Theile?

Aber wenn das Innere auf dem Aeußern abgedruckt ist, sagt er steht es deswegen fürunsere Augen da?"

Darf ich meinen Augen trauen, diese Worte von einem Philosophen zu lesen?

Was wir sehen, sehen wir, steh es nun da zum Sehen, oder nicht. Die Hauptfrage wirdimmer seyn Schell wir? Und daß wir sehen daß der Versager sehe, wo er sehen will, zeugtdiese Abhandlung, zeugen gedruckte und ungedruckte Schriften des Verfassers Doch dem sey,wie ihm wolle Ich weiß nicht, wie es allen unsern Philosophen, und aller unserer Philosophie

gehen