Band 
Vierter Versuch [Textband]
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32
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ZL I.Abschnitt. I.Fragment.

wesen, als das von einem Wachsbilds) an jeder Statue bemerkt ein. mittelmäßiger Kenner dasAbgeschlagene, Abgefeilte, Angeflickte, Abgeschliffene spaterer Hand Warum sollt' es am Men-schen unerkennbar seyn? Warum die Urform des Menschen nicht mehr durch alle Zufalle durchschei-nen können, als die Schönheit und Größe einer herrlichen Statue auch noch in der stumpfen Trüm-mer sichtbar ist?

-H- -H- -K-

Füllt die Seele den Körper, wie ein elastisches Flüssige, das allezeit die Form des Gefaß-tes annimmt; so daß, wenn eine platte Nase Schadenfreude bedeutet, der schadenfroh wird, demman die Nase platt drückt? (Seite 6.)

Man mag die Frage mit Ja oder Nein beantworten; der Frager gewinnt wenig dabey.

Sagt man Ja die Seele füllt den Körper, wie ein elastisches Flüssiges, das allezeit dieForm des Gefäßes annimmt Was ist denn gewonnen? Würde denn daraus folgen daßdurch eine Stümpfung der Nase so viel von ihrer innern Elastizität verloren gienge, als erfor-dert wurde, diese Nase herauszutreiben?

Sagt man Nein Alle diese Gleichnisse sind nur für gewisse Falle zur Erläuterung be-quem; mit Nichten soll daraus, als aus Factis, gefolgert werden, was ist dann wieder gewonnen?

Was aber hätte man dennoch auf eine weniger witzelnde auf die ganz simple Frage zuantworten?Hat man keine Beyspiele daß Verstümmelung des Körpers die Seele verstüm-melt? daß Verletzung, Verdrückung des Hirnfchädels den Verstand raubt? daß Castration auseiuem Manue ein halbes Weib macht?" Aber Witz mit Vernunft beantworten sagt einwitziger Schriftsteller, heißteinen Aal beym Schwänze festhalten wollen."

-H- -H- -H- .

Wir unterschreiben den Gedanken von Herzen, daß es unsinnig sey zu behaupten:Dieschönste Seele bewohne den schönsten Körper, und die häßlichste den häßlichsten." Wir habenuns hierüber in vorigen Fragmenten so hinlänglich erklärt, daß es unbegreiflich scheint, wie manuns diesen so hingeworfenen Gedanken noch aufbürden könne wir sagen nur: Es giebt eine Pro-Portion und Schönheit der Körper, die der schönsten Tugenden und großer Empfindungen und Tha-ten empfänglicher ist, als gewisse schlechte. Wir sagen nur mit dem Verfasser Tugend macht

schöner,