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Vierter Versuch [Textband]
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65
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^ ^ auf unsre eigne und andere Physiognomien. 65

ner Gestalten u. d. gl. sondern das Interesse, das diese Gestalten für uns in gewissen Momentenhaben. Es ist hier wieder nicht sowohl die Einbildungskraft selbst, die wirkt; sondern der Geist!Sie ist nur Organ des Geistes. Es gilt auch hier: Der Geist ists, der .da lebendig.macht.Das Fleisch, und das Bild von: Fleisch, bloß als solches betrachtet, ist gar nichts nütze. EinBlick der Liebe aus dem Allcrheiligstcn der Seele heraus hat da gewiß mehr bildende Kraft,als stundenlange überlegte Beschallungen der schönsten Gestalten. Diese bildenden Blicke, wennich so sagen darf, lassen sich gewiß so wenig selbst geben, als sich eine natürlich andere schönere Ge-stalt durch studierende Beschallungen seiner selbst vor dem Spiegel geben laßt.^ Alles, was schasst,und tief in die innerste Menschheit wirkt, quillt von innen heraus und wird von oben herab gegeben.Es laßt sich, glaube ich, nicht veranstalten, wenigstens nicht mit Vorsatz und Missen und Klü-geln des Subjekts, durch welches solche Wirkungen hervorgebracht werden sollen. WederSchöngeburtcn noch Mißgeburten sind das Werk der Kunst, des Studiums sondern des Zu-falls , der schnell überraschenden Fürsehung des vorherbestimmenden Gottes.

Wirke, tvenn je was gehofft werden soll, weniger bloß auf die Sinne; wirke auf die Lie-be die Liebe, kannst du diese regen? O sie wird dann voll selbst suchen und finden, was sich mitihr zu neuen Schöpfungen vereiniget. Aber selbst diese Liebe muß wieder erst da seyn, ehe siegeweckt, ehe sie aufgeregt werden kann. Doch! vielleicht. .. Nicht einmal die Stunde ihrerErweckung scheint in unserer Gewalt zu stehen und in dieser Absicht möcht' ich auch hier allen,die so was außerordentliches mit Bcdachtlichkeit und methodischem Plan erkünsteln wollten, und,weiß nicht wie weise, wie psychologisch die Sache anzustellen glaubten, wenn sie erst auf die Liebewirkten mit dem hohen Liedsariger zurufen: Ich beschwöre euch, 0 ihr Töchter Jerusalemsbey deil Rehen lind Hindinnen des Feldes daß ihr die Liebe nicht unruhig machet odernicht erwecket, bis sie selbst will -7- Siehe da! der bildende Genius Er kömmt daherüber die Berge und springet über die Hügel wie ein junger Hirsch.

Unvorgesehcne tiefe einschneidende Blitzmomente diese sind's, glaube ich, die schön bil-den und mißbilden. Jede Schöpfung von welcher Art sie immer sey, ist momentan. DieEntwickelung und Nahrung, Veränderung, Verschönerung, Verschlimmerung ist das Werk derZeit, der Kunst, des Fleißes, der Erziehung. Die Schöpfungskraft laßt sich nicht erstu-dieren; Creation nicht veranstalten. Larven allenfalls lassen sich machen. Aber lebendigeKraftwescn von innen und außen sich ähnlich Ebenbilder Gottes werden geschaffengeboren und nicht aus dem Willen des Fleisches, noch aus den; Willen des Mannessondern aus Gott.

Phps. Fragn,. IV Versuch.

Siebentes