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Vierter Versuch [Textband]
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94 I- Abschnitt. X. Fragment. Genie. I. Zugabe.

scheu Gemüthsart. Alle seine Gefühle und alle seine Neigungen sind feurig, lebhaft und aus-nehmend."

Dieß ist durchaus nicht allgemein wahr. Das phlegmatische Temperament ist dem Genieso unentbehrlich, als das cholerische immer. Das cholerische allein ist vielleicht an sich so weniggenialisch, als das phlegmatische; und der Zusatz von Phlegma ist zur Temperatur des Genies sowesentlich, als es eine Dosis von Cholera zu seyn scheint. Feuer und Wasser bestimmen beydegleich mit die Reizbarkeit der Nerven, von denen alles abhängt. Die feurigsten Leute sindoft die gefühllosesten; die genieloscstcn. Ja ein bloß Feuriger ist gewiß keiner wahren Be-geisterung fähig. Freylich auch der bloß Phlegmatische nicht. Doch zeigt die Erfahrung, daßKälte und Phlegma für tausend Dinge, die andre rühren, oft Wärme und Theilnehmung für Ei-nes zeugen können, was niemand rührt. Und dieß Eine kann auch den kältesten, phlcgmatifchtenMann zum Genie machen; das ist, ihn cjuali inspiriren. Ich kenne sehr kalte Leute, die unerschöpf-lich sind an unlernbaren Originalgedanken. Mail muß also nie schlechterdings von kaltfcheinendenMenschen sagen: Ohne Genie. So wenig sich von allen feurigen Köpfen sagen läßt: Genie!Kalte an sich ist so wenig Ungenie, als Wanne an sich Genie ist. Vielleicht macht beydes zu-stimmen noch nicht Genie, sondern eine glückliche Mischung, oder vielmehr eine solche Mischung, dasich alle die sogenannten vier Temperamente Wechselsweife stoßen und reizen, läßt erst dar Funken ent-springen , der Genie heißt.

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Weder die Ergötzungen noch die Leiden des Genies sind von der gemeinen Art. Es giebtin seiner Empfindlichkeit für beyde eine gewisse Feinheit, die dem gemeinen Haufen völlig unbe-kannt und unbegreiflich ist."

Alles, was eigentlich ins Gebiete des Genies gehört, ist schlechterdings unbegreiflich. DerEffekt ist da, ist gewiß, ist spürbar. Aber unerkennbar, undenkbar die'Urfache. So wenig Rclisgion, die, als solche, nichts als Genie ist gottesgeistig sich lernen oder lehren läßt, ichspreche von unmittelbaren; Gottesgefühle, nicht vorr Theologie: vom weltüberwindendenGlaubet; an die Zukunft; nicht von einem symbolischen auswendig gelernten Glaubensbe-kenntnisse So wenig irgend etwas wahrhaft göttliches sich lernen oder lehren läßt, ohne daß

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