I. Abschnitt. XII. Fragment. Eine Fabel. ivz
etwas fetter geschmiert, und garstige Schönfärbereyeit drüber hingekleckt, und also fcllcht der Fir-niß drüber gepinselt. Das Stück war so helle und gleißend geworden, daß man's kaum mehrkannte. Bald genug ward alles wieder eingesteckt, dem Vater ein Wink gegeben, der sich deswohlgelungencn Streichs herzinniglich freute — dem aber doch in der Gallerie keinen Augenblickmehr wohl war.
Verloren gegangen war die edle Einfalt des Gesichts! der Ausdruck naiver Empfindsam-keit war in sinnliche Lust — die größte Kraft in hoch sich aufblähenden Stolz, und das ganze Far-benspiel unter einen gelben Firniß versunken.
Nur wie die Sonne durch Wolken scheint, schreit hin und wieder noch ein Zug des erstenGesichtes durch.
Dem Vater ward die Nachricht gebracht, daß etwas an seinem Licblingsstücke verändertund verdorben worden sey — — Hineilte der wieder gegenwärtige Sohn, der's an des VatersSeite vernahm, in sein Cabinet, das er sein HeillgthUM nannte, und sah — und stand, lind sahund weinte — „Das hat ein feindlicher Mensch gethan!" — O Unschuld! Unschuld! — du bistLaster gewordeu! So sollte meines Vaters Arbeit aussehen! und weitn ich mein Lebeit drüberverlieren und mich blind arbeiten müßte — so soll's mein Vater nicht wieder sehen! — Verruchter,der das that. — und meines Vaters Meisterstück so verdarb — aus Neid und Eigennutz! Nein!sterben wollt' ich, eh du's haben sollst — sterben, eh es also bleiben soll. Der edle Sohn, voll vomGenie seines Vaters, hatte das Geheimniß, den Firniß aufzulösen, und den aufgedeckten Quarkvon Farben wieder wegzubringen — Allein man kamt denken, wie viel vom ersten Originale sichmit wegriß — Doch der Wust war weggearbeitet — traurig stand der Sohn vor der verwüste-ten Unschuld — aber im Vollgefühle seines Schmerzes und seines Genies, nahm er Pinsel undFarbe — und arbeitete mir unbeschreiblicher Begeisterung, neue Kraft, neues Leben ins Ganzehineilt — Die ersten Grundzügc waren ihm immer noch sichtbar, waren ihm heilig — er schwitztebey der Arbeit — Unschuld — Unschuld — du bist uicht mehr zurückzubringen — aber ich willthun, was ich kann — und es gelang ihm, daß er sich königlich freute seiner Arbeit — Umvider-
bringlich