Band 
Vierter Versuch [Textband]
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106
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lo6 II. Abschnitt, i. Fragment.

Erstes Fragment.

Einige physiognomische Gedanken aus einer Abhandlung im zehntel;Stücke des deutschen Musaums, mit ulld ohne Anmer-kungen des Verfassers.

^^as Ganze der Abhandlung berühre ich vielleicht kaum. Ich hebe mehr nur einzelne, oft nurNebengedanken aus, die ich für wichtig wahr, wichtig falsch, oder unbestimmt halte.

1.

Man sagt: Leute mit gewölbten zugespitzten Nasen sind witzig: Leute mit Stumpfnaseneben nicht."

Nähere Bestimmung ist hier sehr nöthig. Ohne Zeichnung ist die Bestimmung fast unmög-lich. Gewölbte Nasen gewölbt in der Lange? oder Breite?

Gewölbte Nasen wie gewölbt? Das ist beynahe so unbestimmt, als wenn man vongewölbten Stirnen spricht. Alle Stirnen sind gewölbt. Unzählige Nasen sind gewölbt der Wi-tzigsten, der Dümmsten wo ist der höchste Punkt der Wölbung? wo hebt sie sich an? woläuft sie aus? wie stark ist sie?

Wahr ist's, Leute mit zarten, feinen, scharf gezeichneten, eckigten, unten spitzen, etwas ge-gen die Lippen niederhängenden Nasen sind witzreich wo sonst nichts widersprechendes, aufheben-des da ist. Aber nicht umgekehrt durchaus wahrLeute mit Stumpfnasen eben nicht" Mitgewissen Stumpfnasen wohl Es giebt äußerst witzrciche Stumpfnasen, deren Witz freylich vonganz anderer Art ist, als der Spitznafen. Ich kenne ein allerliebstes Männchen mit einem unver-gleichbaren Stumpfnäschen das witzeln muß, sobald es die Feder ergreift; durch den Witz em-pfindet; durch den Witz liebt und haßt und unerträglich trocken und witzlos im Reden ist.

2.

Es fragt sich: Ist die gewölbte Nase (vorausgesetzt nun einen Augenblick, daß sie Witz,und die Stumpfnase Unwitz bedeute?) ein bloßes Zeichen, daß der Mensch witzig sey, so daß feinWitz in andern uns unbekannten Ursachen seinen Grund habe: oder ist die Nase die Ursache seinesWitzes?"-

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