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Vierter Versuch [Textband]
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HO II. Abschnitt. I. Fragment.

eben die entsprechenden Geistesdispositionen werden ihm natürlich und geläufig seyn. Nämlich dieGesichter find ursprünglich so gebildet, daß dem einen die, dem andern jene Miene leichter wird.Einens Dummkopf wird es platterdings unmöglich seyn, eine scharfsinnige Miene zu machen.Könnte ers; er wäre scharfsinnig. Einem offenen Menschen unmöglich, eine diebische Miene zumachen. Könnte ers; er würde ein Dieb werden." Alles vortrefflich, bis auf die letzte dieserBehauptungen Es ist keilt Mensch so gut, daß er nicht unter gewissen Umständen ein Dieb wer-den könnte. Wenigstens ist keine physische Unmöglichkeit da, es zu werden. Er ist so organisirt, daßihn die Lust anwandeln, die Versuchung reizen kann, zu stehlen Die Möglichkeit zur Diebsmie-ne muß also da seyn, wie die Möglichkeit der Dieberey. Er muß also diese Diebsmiene, wenn er siean einem Diebe bemerkt, nachmachen können ohne daß er deswegen ein Dieb wird. Ganzungleich verhält es sich, meines Bcdünkens, mit der Möglichkeit, gute Mienen anzunehmen. Dieschlechten Mienen sind vom guten Menschen immer eher anzunehmen, als die guten Mienen von demschlechten Menschen angenommen werden können. So wic's offenbar viel leichter ist böse zu wer-den, wenn man gut ist; als gut zu werden, wenn man böse ist. Verstand, Empfindung, Talent, Ge-nie, Tugend, Religion kann viel leichter verloren, als gewonnen werden. HcrabsteigM kannder beste Mensch so tief als er will aber nicht heraufsteigen so hoch er will. Der Weise kannphysisch ohne Wunder ein Narr, und der Tugendhcld ein Bösewicht werden aber ohne Wunderkamt der geborne Dummkopf kein Philosoph der krumme Böftwicht nicht edel und reines Her-zens werden. Die alabasterweiße Schönheit kann schwarz werden und verschrumpfcn aber derMohr kann sich nicht weiß waschen. Ich werde auch nicht deswegen ein Mohr, weil ich mich 26Imimrionem schwarz färbe und so nicht deswegen eilt Diebweil ich allenfalls eine Diebsmie-ne einem Diebe abentlehne.

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Der Physiognomiker darf nur untersuchen: welche Metten werden diesem Gesichteam leichtesten? Hat er diese gefunden; so weiß er auch schon, was für Geistesdispositionen die-sem Menschen gewöhnlich sind. Nicht, daß das Physiognomisiren deswegen eine leichte Sache sey!Im Gegentheil-dieß zeigt vielmehr, wie viel Genie, wie viel Einbildungskraft und Talente sich ineinem Physiognomiker vereinigen müssen. Der Mann muß nicht nur auf das achten, was er sieht;

sondern