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Vierter Versuch [Textband]
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II. Abschnitt, m. Fragment.

auch ohne alle Namen eben so verstanden oder vielmehr empfunden werden, wie angenehmer Kitzelund Peitschenschläge, unmittelbar, ohne Räsonnement, und ohne Verstand empfunden werden.Hierüber also weiter kein Wort. Wer hieran zweifelt, zweifelt am Daseyn menschlicher Gesichter,und an seinem eigenen Daseyn.

II.

Es giebt aber auch einen allgemeinen pathognomischen Sinn für den leiden-schaftlichen Charakter überhaupt.

So wie ein zürnendes Gesicht von einem gesunden und ordentlich organisirten Menschenschwerlich nicht verstanden werden, und denselben Eindruck, als wenn es sanft wäre, machen wird,so hat das zornmüthige ebenfalls seine allem Rasonnement vorgehende Erkennbarkeit. So dassanftmüthige. So das stolze. So das grausame. So das edle, offne, heitere, gefällige. Eine Armeein Schlachtordnung vor dem Angriffe ist dieselbe Armee im Sturme des Angriffs; ist dem Augedes Feindes auf den ersten Blick furchtbar oder nicht; nachdem sie stark oder schwach, so oder sogestellt, so oder so bewaffnet ist. Der Angriff einer Armee ist wie die Armee, das heißt, hat eilt be-stimmtes Verhältniß zu der Größe und Stärke und Fertigkeit kurz, zu der Natur der Armee.So ist der Zorn eines Zürnenden wie seine Zornmüthigkeit. Zvrnmüthigkeit ist stehenderZorn ; feiner freylich gezeichnet; uncolorirt, unschattirt. So wie das natürlich sanftmüthige Ge-sicht stehender Ausdruck sanftmüthiger Bewegung ist. Ist also Zorn und Sanftmuth z. E. in Be-wegung allgemein erkennbar und empfindbar sind wir überhaupt so gebaut, daß das eine unsdrückt und reizt, das andre uns wohl macht und anzieht, ohne Rasonnement, ohne Rücksicht aufNutzen oder Schaden so sollten, däucht mir, auch die, obgleich lcisern, Züge des stehenden Zornsund der stehenden Sanftmuth durchs bloße Gefühl erkennbar seyn.

Auch wird, so viel ich weiß, die Physiognomik der leidenschaftlichen Charaktere, oder diePathognomik im weitesten Sinne, noch so ziemlich allgemeilt zugestanden.

Warum aber überhaupt die Pathognomik mehr erkannt und anerkannt werde, ist sehr be-greiflich, weil die Bewegung und Beweglichkeit, mithin das Leidenschaftliche eines Gesichtes, dieunmittelbarste, treffendste Beziehung auf uns hat; weil sie entweder das Verhältniß des Momentsausdrückt, in welchem eine Person mit lins steht; weil sie gewissermaßen ein Brennpunkt der To-

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