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Vierter Versuch [Textband]
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197
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Vermischte Stellen. 197

beym zweyten Anblick ist es wenig mehr, als Spiel der Imagination. Das Ganze hat er schon; und weil dieSeele nicht mehr erschüttert, nicht mehr entzückt noch gequält wird, so halt er sich ruhig an die Theile, und läßts» die Musterung passiren. Der erste Eindruck giebt mir eigentlich das, was die Natur dem Menschen aus-geprägt hat, und das doch eigentlich allen seinen Handlungen, Sentiments w. Farbe, Gestalt und Umriß giebt.Denn Tugend, was ist sie, als Ausbildung dieser individuellen Bestimmung? Ich sehe nicht beym ersten An-blicke, wie gut oder böse der Mensch sey, sondern was für Organe und Instrumente ihm die Natur gegebenhabe es zu seyn; nicht, wie er in allen einzelnen Fallen, sondern wie er in den meisten Fällen handeln werde?Sollte ich mich auch an dem Faunsgesichte eines Sokrates einmal irren, so wird mich sein aufrichtiges Geständ-niß von Bekämpfung des natürlichen Menschen in meiner physiognomischen Wahrnehmungsgabc stärken. 'Alsowir sehen nur einmal; und, wer dieß nicht glauben will, kann es nur bey allen Gegenständen versuchen, ob erzum zwcytenmal sehen kann? Ob ihm das Bildniß in seiner ganzen Fülle, Neuheit, und dunkelm, implizirkemGenuß noch einmal vor die Seele komme? Oder ob nur die zweyten und dritten Eindrücke nicht wahre Gespen--stererstheinungen sind, mit denen die Einbildungskraft machen kann, was sie will.- Sie sind nicht mehr

Erscheinungen! Vielleicht erscheint aber in andern Lagen, in einem andern Medium-etwas neues an dem Alten; und dieß ist dann wieder erster Eindruck.

Rvußeau hak Recht, wenn er von D. sagt: Der Mann gefällt mir nicht, und er hat mir dochmchts zu Leide gethan, aber ich muß mit ihm brechen, eh es dazu kömmt.

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Die Physiognomik ist dem Menschen so nöthig, (und st natürlich) wie Sprachfahigkeit.

Bb z

Achtes