— 117—
den allererſten„Fachmännern“ zählt und von dem die Entſcheidungüber die Tarifentwickelung einer der erſten Eiſenbahnverwaltungen derErde abhängt. Dieſer„Fachmann“ wuſſte noch im Oktober 1890—15 Monate nach dem Inkrafttreten des ungariſchen Zonentarifs!—garnicht, wie er laute, hatte auch in ſeiner Vornehmheit unterlaſſen,ſich Fahrkarten aus Ungarn ſenden zu laſſen, ſondern meinte, in Ungarn gebe es nur Fahrkarten III. Klaſſe, mit deren zwei man in der II.Klaſſe, mit deren drei man in der I. Klaſſe fahre! Wenn jener„Fachmann“ erſter Klaſſe, deſſen Vaterland und Namen ſchonend ver-ſchwiegen werde, ſich nicht durch eine Berührung mit ſeinen ungariſchenFachgenoſſen beflecken wollte, ſo brauchte er ja nur S. 717 des deutſchenReichskursbuches anzuſehen.
Die Einnahmen aus dem Perſonenverkehr in Ungarn hatten ſichfrüher ſo„entwickelt“: 1886: 8394 662,— 1887: 8 629 883,—1888: 8 173409 G. Auch hier genügt ſchon das Verſtändnis der„Fachleute“, um zu begreifen, daſſ, wenn aus dieſer Verſumpfung von8 ⅛, 8, 8 ⅛ Millionen plötzlich ein Aufſchwung auf 11 ½ Mil-lionen G. wird, ein Fortſchritt zu verzeichnen iſt.
Indeſſen, die Eiſenbahnbeherrſcher faſt überall gehören nicht derGattung„Ja— alſo!“ ſondern der andern vom„Ja— aber!“ an.Ihr„Aber“ betrifft die nach ihrer Meinung„ſelbſtverſtändlich“ weitüber das Mehr der Einnahmen geſtiegenen Betriebsausgaben inUngarn . Sie müſſen dieſes Aber vorbringen, denn ſonſt— wäreja bewieſen, daſſ ein billiger Zonentarif im Stande iſt, nicht nur dieVerkehrswohlfahrt und damit die allgemeine Wohlfahrt eines Landeszu heben, ſondern auch die Staatskaſſe um Millionen, in großenStaaten um Dutzende von Millionen zu bereichern. Folglich muſſ andem ungariſchen Zonentarif herumgenörgelt werden. Man hat zu denzweifelhafteſten Mitteln gegriffen, um ihn dem deutſchen Publikum zuverekeln,— unbekannte Hände haben ſogar gefälſchte Ziffern über dieungariſchen Einnahmen verbreitet. Aber Lügen haben kurze Beine,und heute wagt man jene Mittelchen nicht mehr. Der ungariſcheMiniſter aber hat auch dem Geſchwätz von den„ungeheuer geſtiegenenAusgaben“ ein Ende geſetzt durch ſeine Veröffentlichung vom 7. Auguſt1890, worin es u. a. heißt:“
Die Koſten des Inslebentretens des Zonentarifs bilden die Koſten desDruckes der neuen Fahrkarten und Inſtruktionen, beiläufig 40⸗bis 50000 G.Was die Verkehrsmittel betrifft, ſo kann in dieſer Beziehung nichts zuLaſten des Zonentarifs geſchrieben werden. Die ungariſchen Staatsbahnenhaben ſeit 1885 keine neue Perſonenwagen erhalten. Jahre hindurch haben1800 Perſonenwagen den Verkehr auf dem ſich fortwährend vergrößerndenNetze vermittelt, die Zahl der Waggons hätte ſchon im Jahre 1888 vermehrtwerden müſſen und dies iſt blos in Folge Rückſichtnahme auf die finanzielleLage verſchoben worden. Es ſind zwar mehrere hundert Perſonenwagenbeſtellt(noch nicht abgeliefert) worden, doch kann man deren Koſten nicht aufdas Konto des Zonentarifs ſtellen. Der Zonentarif iſt inmitten der imvoraus feſtgeſtellten und unverändert aufrecht gehaltenen Sommer⸗Fahrordnung