von der Conchyliologie im Reiche der Verſteinerung. 11ſolche Schalen, weil ſie kalckartiger Natur ſind, von dem in dem Alabaſter befindlich geweſenenAtido gaͤnzlich aufgelößt und wie der Kalch, in Gyps, noch ehe ſie verſteinern können, verwandelt.
Allein warum finden ſich denn in den Feuerſteinen Petrefacten, da ſie doch congelirteSteine ſind? Warum im Gegentheil keine im Granit und Porphyr, da beyde doch Sedi-mentſteine ſind? Ich glaube, die erſte Frage laͤßt ſich leichter aufloͤſen, als die zweyte. Manweiß, daß Kreide und Feuerſtein faſt immer mit einander vergeſellſchafftet gefunden werden.Es iſt auch glaublich, daß diejenige Art von Feuerſteinen, die man in den Kreidebergen antrifft,von einem in ſolchen Bergen eingeſchloſſenem und damit aufgelöſeter ſehr feiner, dem Thonein der Feinheit ganz aͤhnlichen, Kreide⸗Erde ſtark geſaͤttigtem Fluido, ſo zur Congelation ge-ſchickt iſt, ihren Urſprung haben. Da nun die Kreide Berge offt voll von Conchylien⸗Schalenſind, ſo iſt es leicht möglich, daß in ein ſolches eingeſchloſſenes Fluidum Muſchel⸗Schalengerathen, und, da daſſelbe mit zarter Erde ſtark geſaͤttigt, folglich zaͤhe und dicklich iſt, inſoſchem Fluido getragen werden könne. Der Granit und Porphyr iſt noch lange nicht ſounterſucht, als es billig ſeyn ſollte und da man daher von ſeiner Entſtehung noch nichts poſtti—ves zu ſagen weis, ſo laßt ſich natürlicher Weiſe der wahre Grund mit Zuverlaͤßigkeit nicht ange-ben, warum in ſolchen keine Petrefacten angetroffen werden. Diehenigen, welche alle Petre-
facten von der allgemeinen Suͤndfluth ableiten und dabey vorgeben, Jaſpis und Prophyr waͤ,
ren die von GOtt erſchaffenen Felſenſteine, die daher ſchon vor der Suͤndfluth da geweſeßkommen hier freylich am leichteſten weg. Nur Schade, daß es bloſe Muthma ſſungen ſind,die apodictiſch nicht erwieſen werden können. Dergleichen verſteinte Conchylien finden ſich faſtin der ganzen Welt, dabey aber wird man gleichwohl finden, daß faſt eine jede Provinz ih-ren beſondern Verſteinerungs-Character habe; oder die Verſteinerungen einer Provinz habengemeiniglich etwas an ſich, wodurch man ſie von der Verſteinerung einer andern ſicher unddeutlich unterſcheiden kan. Man mache die Probe und vergleiche mit einander die Verſteine,rung aus Ungarn, aus Pohlen, bey Bochnien und Wieliczka, ferner die von Turin, vonMaltha, von Algier, ſo wird das Auge auch bey einerley Muſchel- und SchneckenArtenallemal etwas entdecken, ſo ſich offt beſſer empfinden, als beſchreiben laͤßt, und wodurch manſogleich im Stande iſt, die petrificirten Conchylien der einen Provinz von eben denselben auseiner andern gehörig zu unterſcheiden. Der! Grund davon liegt vornehmlich in der Beſchaffen-heit der Erde, worinnen die Conchylie bey ihrer Ankunſſt im Steinreich verſchloſſen wird und inder Beſchaffenheit der Gegend, wo ſolches geſchiehet. Die Natur weis ſowohl durch die Vermi-ſchung des Thons, Kalchs, Sandes, Mergels, Gypſes, durch den Beytritt flüßiger, ſulphuri,ſcher, oͤhligter, ſaliniſcher und metalliſcher Weſen, ſowohl an ſich, als vermittelt des ſo verſchie;denen Miſchungs⸗Grads eine bey nahe unendliche Menge von Stein Arten hervor zu bringen,ſo daß bey nahe jede Provinz einen unterſcheidenden Character in ihren Stein⸗ Arten hat.
Man nehme nur Z. E. die ſo mancherley Marmorarten. Sie ſind insgeſamt Marmor und
gleichwohl hat jede Gegend in den Marmorn etwas, wodurch ſich die ihrige von den andernunterſcheiden. Wer ſollte nun wohl zweifeln, daß die ſo groſſe Verſchiedenheit ſowohl derMiſchung von Erdtheilgen an ſich, als des Miſchungs⸗Erads einen groſen Einftuß indie Beſchaffenheit der petreficirten Muſcheln und Schnecken haben muͤſſe? Die Gegend, wodas Petrefact liegt, traͤgt in Anſehung des Grads der WMaͤrme und Kalte, des trockenen undflüßigen, des hohen und tiefen Lagers, auch nicht wenig zu dem Unterſchied der Conchylien-Verſteinerung bey. 5
Wir haben oben bemercket, daß nicht alle Conchylien im Steinreiche zu einer wahren und
aͤchten Verſteinerung gelanget. Einige haben nur eine Calcination erlitten und ſind ohne Im,C 2 praͤgna-