14 Das erſte Capitel
Was wir bis anhero geſagt, ſind nur die erſten Zuͤge eines Lehr⸗Gebaͤudes von der Con-chyliologie im Reiche der Verſteinerung. Jeder Liebhaber wird nun das, was wir insgemeinund uͤberhaupt geſagt, auf die ihm vorkommenden Conchylien⸗Petrefacten mit leichter Muͤheanzuwenden wiſſen. Will er ſich eine vollkommene Kenntnis ſeiner verſteinten Muſchel oderSchnecke erwerben, ſo muß er zu erſt ſich um das Original bekuͤmmern, ob daſſelbe vorhan-den ſey oder nicht. Iſt es zur Zeit noch nicht entdeckt, ſo muß er aus der Aehnlichkeit deſſel-ben mit andern Geſchlechts⸗Arten das Haupt⸗Geſchlecht, worunter es zu rechnen, ausfuͤn-dig zu machen, und mit ſolchen die ſo wundervolle Stufenfolge, die ſich auch bey der Con-chyllologie deutlich offenbahret, zu ergänzen ſuchen. Iſt das Original bereits, wie bey denmeiſten entdeckt, ſo muß er deſſelben Geſchlecht und Gattung kennen, und anzugeben wiſſen,was das Petrefact für eine Gattungs⸗Art ſey, was ſie vor einen Nahmen habe, durch wasfuͤr Character ſich das Geſchlecht von den andern die Gattung von den uͤbrigen Neben⸗Gat-tungen unterſcheide, ob das Original zu den gemeinen oder ſeltenen Conchylien gehöre. Beydem Petrefact ſelbſt kommen in der Anwendung desjenigen, ſo wir bis anhero geſagt, ſonder-lich folgende Puncte zu unterſuchen fuͤr: Findet ſich das Petrefact haͤufig oder nicht? Denn,wie wir oben gehoͤret, ſo darf man von der Seltenheit des Originals auf die Seltenheit des Pe-trefaets keinen Schluß machen: Was vor Gattungen. und Neben⸗Gattungen ſind bis daher
im Reiche der Verſteinerung entdeckt und bekannt worden? wie und worinnen ſind ſie von ein-
ander unterſchieden? iſt es eine wahre Verſteinerung, oder nur eine Calcination„ein Stein-Kern, ein Spurenſtein, und ſo weiter? Wenn eine wuͤrcklche Verſteinerung vorgegangen,was fuͤr ſteinigtes Weſen hat der Cörper angenommen, wie verhalt ſich ſeine Verſteinerungzu der Stein⸗Art der Matricis, wo und in welchen Gegenden findet ſich dieſe PetrefactenArt und wie iſt jede von der andern ſowohl in Anſehung der Geſchlechts⸗-Gattung, als derVerſteinerung und der Erhaltung im Stein⸗Reiche unterſchieden? i
Es erhellet hieraus von ſelbſt, daß ein Liebhaber verſteinter Muſchel⸗ und Schnecken⸗Scha-len eine gute Kenntniß in der Lithologie ſowohl als Conchyllologie haben muͤſſe. Die lezte iſt man-cherley Schwierigkeiten, zumal in unſerm Deutſchland, unterworfen ſowohl an ſich, weil diewenigſten Gelegenheit und Vermoͤgen haben, ſich ſelbſt Conchylien⸗ Sammlungen anzulegen,als auch in Betracht der Anwendung dieſer Wiſſenſchafft auf die Conchyliologie des Stein-Reichs. Denn diejenigen, welche ſich bemuͤhet haben, die natuͤrlichen Conchylien zu claßifici-
ren, und ſich noch gegenwaͤrtig bemuͤhen, ſind in Beſtimmung der ſo mancherley Geſchlechter,
Gattungen und Gattungs⸗Arten ſebſt untereinander nicht einig, und wer ihre ſo mancherleyClaßificationen unter ſich vergleicht, wird am Ende ſelbſt nicht wiſſen, wenn er und worinnener dieſem und jenem folgen ſoll. Es ſind auch dergleichen Claßificationen, wenn ſie zumal ſichvon der Natur ſelbſt und ihrer ſchoͤnen Stufenfolge nicht gar zu weit entfernen und in dasallzugekuͤnſtellte fallen ſollen, keine gar zu leichte Sache. Der Schoͤpfer hat auch bey demConchylien⸗Geſchlecht alle moͤgliche Grade der Vollkommenheit beobachtet, und die dahin ge-hörigen Coͤrper ſo manigfaltig gemacht, daß jede beſondere Gattungs⸗Art auf allen Seiten aneine andere angraͤnzet, und ein ihr etwas aͤhnliches ſo gut als unaͤhnliches beſitzt. Wie ſchwehriſt es hier nicht, zumal in Ruͤckſicht auf die Stufenfolge, die Aehnlichkeiten aus dem rechtenGeſichtspuncte zu beurtheilen, Claſſen, Ordnungen, Geſch lechter⸗Gattungen zu beſtimmen?Zumal da die Graͤnzen offt ſo unmercklich ſind, daß wir ſolche offt nicht mit Gewißheit be-ſtimmen können. Doch dies iſt nicht die einzige Schwierigkeit. Die Kenntnis der natüͤrli-chen Muſcheln und Schnecken, ihrer Geſchlechter und Gattungen erleichtert um ein groſes dieConchyliologie im Stein⸗ Reiche, wir entlehnen aus jener viele Geſchlechter und tragen ſie her-
uͤber