150 Das vierte Capitel,
gleich. Sie ſind Roggenkoͤrnern vor allen andern am aͤhnlichſten. Man ſiehet auf das deut-lichſte, daß jedes Korn in einer Spalze oder Huͤlſe ſteckt, und daß dieſe kein bloſer Anflug ei—nes ocherartigen Weſens iſt. Die Staͤrke dieſer Huͤlſe gegen den Kern, iſt eben dieſelbe, wiebey einem naturlichen Korn. Der Stein ſelbſt iſt dabey ſo vortheilhaft zerſtuffet, daß manauf ſolchem etliche ganze Körner, etliche die in die Laͤnge und Quere geſpalten ſind, und nochauſſerdem eine leere Huͤlſe, aus welcher der Kern ausgeſprungen, anſichtig wird.
Num. 6. iſt eine, allem Vermuthen nach, vegetabiliſche Verſteinerung, von welcherman noch zur Zeit nicht poſitiv beſtimmen kan, was das Original derſelben ſey. Das gegen—waͤrtige Stuͤck iſt uns von dem verſtorbenen Herrn Bergrath Borlach zu Koͤſen bey Naum—burg zum Abzeichnen communiciret worden, ein weit groͤſers aber, uͤber einen Centner ſchwer/von der nehmlichen Art, hat eben derſelbe in die Churfuͤrſtl. Naturalien-Cammer nach Dres—den geliefert. Herr Rath Eulenburg hat in ſeiner ſchoͤnen Beſchreibung dieſer praͤchtigenNaturalien-Cammer es vorzuͤglich vor werth gehalten, deſſelben als eines hoͤchſt ſeltenen Stuͤckszu gedenken, und zwar unter den verſteinten Corallen und Seegewaͤchſen, weil ihm einsweilendaſelbſt ein Platz angewieſen worden. Dieſes Stuͤck hat man in Pohlen nicht weit vom Dor-fe Lednica nahe bey Wieliczka 175 1. in einem Sumpfe gefunden. Das Dresdner iſt rund,an beyden Enden abgebrochen, ohngefehr einer Elle hoch, ganz ſchwarz durch und durch,von einem harten und dabey zart koͤrnigtem Geſtein, der mit dem Probierſtein viele Aenlichkeithat. Man bemerket auf ihm zweyerley Arten von Figuren, groͤſſere und kleinere, an denenman deutlich ſiehet, es muͤſſe ein fremder Korper geweſen ſeyn, welcher in eine ſchwarze zuStein verhaͤrtere Matrip eingehuͤllet und eingeſchloſſen worden. Die kleinen Figuren ſindlinſenförmige meiſt ausgefuͤllte Locher, die ſchiefwaͤrts bis zum Mittelpunct gehen, und bey nahedie Figur haben, wie die Flaͤche eines quer durch geſchnittenen Narciſſenſtengels, der in der Mit—te der Flaͤche am dickſten iſt, an beyden Seiten aber allmaͤhlig duͤnner wird. Die groͤſſernFiguren ſehen aus, wie runde, aber etwas eckigt gedruckte, und in der Mitte von einandergeſchnittene Saamen⸗Capſeln, und haben inwendig etwas körnigtes eingeſchloſſen. Dieſer groͤſ-ſere Koͤrper, der hin und wieder zwiſchen den kleinern linſenfoͤrmigen Geſtalten ſichtbar iſt,hat auch eine ſolche Lage, daß er nach dem Centro zu gerichtet iſt, wie Herr Bergrath Vor-lach an dem groſſen Stuͤck in Dresden deutlich will bemerket haben. Herr Rath Eulen—burg halt in ſeiner Beſchreibung der Dresdner Naturalien-Cammer S. 24. dieſes Stuͤckfuͤr Hippuriten oder verſteinte Corallenbecher, woran ich aber deswegen zu zweifeln Urſachefinde, weil ich an dem Borlachiſchen Cremplar weder Streifen und Lamellen, noch auch eineconiſche Geſtalt ſo den Hippuriten eigen iſt, wahrnehmen kan. Andere ſind auf die Gedan—ken gekommen, ob es nicht vielleicht ein petrificirter Gipfel eines Palmbaums ſeyn moͤgte,welche Meynung gleichfals vielen Schwierigkeiten unterworfen iſt. Iſt es vielleicht ein Ge—waͤchs, ſo aus vielen Stengeln beſteht, die ſich obenher ausbreiten und unten zuſammen ausder Wurzel wie aus einem Mittelpunct hervorwachſen, da ja eben dieſe linſenfoͤrmigen Geſtal,ten nach Hrn. Borlachs Zeugniß ſchiefwaͤrts nach einem Centro zu gehen ſollen? Sind da—her vielleicht eben dieſe linſenförmigen Geſtalten die Stengel, und die groͤſſern koͤrnigten Koͤrperetwa die Frucht- oder die Saamenhuͤlſe? Wir uͤberlaſſen die Beurtheilung dieſer Muthmaſungdem Kenner, und werden uns freuen, wenn wir in Zukunft eines beſſern belehret werden.
Die Beſchreibung, welche ich von dieſem ſonderbaren Petrefact gemacht, habe ich von demhier mitgetheilten kleinen Stuͤck, das ich aus Herrn Bergrath Borlachs Cabinet in Haͤnden gehabt, gemacht. Durch die Guͤtigkeit Herrn Rath Eulenburgs und Herrn LicentiatSchulzens zu Dresden, bin ich nun auch im Stande, eine Beſchreibung zweyer groſſen Stu,
cke
— ¼—-1