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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
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Das Wasser.

Das Wasser des Festlandes.

Wir haben in einem früheren Abschnitte gesehen, welcheRolle der tropfbar flüssige Theil der Erdoberfläche in Bezugauf sein räumliches Verhältniss zum Festlande spielt. Eswar aber dort nur vom Meere die Rede, da die unge-heuere Ausdehnung desselben zugleich den Maassstab fürdie Vertheilung und den Umfang des festen Bodens ab-gab. Von den Gewässern des Festlandes konnte abgesehenwerden. Nun, da es sich ausschliesslich um das tropfbarflüssige Element handelt, kommen wir auf dieses ausführlicherzurück.

Das Wasser des Festlandes stellt sich unserer Wahrneh-mung in verschiedenen Formen dar, die als Quellen, Bäche,Flüsse, Ströme, dann als Seen u. s. w. bezeichnet werden.Im Allgemeinen bezeichnet man die Landgewässer im Gegen-sätze zu dem salzhaltigen Meerwasser mit dem Namen Süss-

Di? Fälle des Missouri.

wasser. Eine andere Eintheilung ist die infliessende undstehende Gewässer.

Die ersten Anfänge des fliessenden Wassers oder dieTheile desselben, welche unmittelbar aus der Oberfläche desLandes hervortreten, werden Quellen genannt. Sie verdankenihr Wasser den Wasserdämpfen, welche von der Erdoberflächedurch Verdunstung aufsteigen, sich zu Wolken bilden, aus denensie unter bestimmten Bedingungen in Form von atmosphäri-schen Niederschlägen auf die Erde herabgelangen. Das Wasserrieselt durch das Innere aller Gebirge und tritt endlich da unddort zu Tage.

Mehrere Quellen, die sich vereinigen, bilden einen Bach,mehrere Bäche einen Fluss, mehrere Flüsse einen Strom.Alle fliessenden Gewässer nehmen immer den niedersten Theildes Bodens ein, auf dem sie sich bewegen, furchen diesen ausund bilden sich eine Rinne das Flussbett. DasGefälleeines Flusses heisst der Höhenunterschied zweier Punkte seinerOberfläche an verschiedenen Stellen seines Laufes. Da die meistenFlüsse auf Gebirgen entspringen und nicht immer den Krümmungender Thäler folgen, sondern häufig Bergketten durchbrechen oder überTerrassen sich herabstürzen, so entstehen im ersten Falle Strom-schnellen, in letzterem Falle Wasserfälle oder Katarakte. Die Formen,unter welchen die Wasserstürze auftreten, sind sehr verschieden. Ganzkleine Bäche, welche aus bedeutender Höhe zu Thal gehen und sichhierbei in Wolken von Wasserstaub auf lösen, heissenSchleierfälle.Stufenartig abgetheilte Wasserstürze nennt man, wenn sie nicht sehrmächtig sind,Cascaden.

Allestürzenden Wasser haben die Eigenschaft, ihr Rinnsal im Laufe der Zeit immertiefer auszuwaschen, so dass zuletzt mächtige Schlünde, Abgründe mit mehr oder minder hohenSeitenwänden entstehen. Man nennt solche Vorgänge die Erosionsthätigkeit des Wassers,das Object selbstKlamm,Erosionsschlund, im SalzburgischenOefen, in AmerikaCanonu. s. w. Die Erscheinungen der Erosionsthätigkeit treten auf der ganzen Erde, mitunter in gross-artigen Gestaltungen auf. Die Erosion ist theils noch immer tliätig, wie in den Alpen, theilsbereits vollendet, wie in den Cordilleren und im Kaukasus. Hier ist es besonders die unermesslichtiefe Terekschlucht, welche an Wildheit und Erhabenheit alle ähnlichen Schaustücke auf asiatischemBoden übertrifft. Sie ist dadurch entstanden, dass der Terek die Centralkämme durchbrach, wasbei europäischen Strömen eine Ausnahme, bei asiatischen aber ein Gesetz ist. Ein höchst an-schauliches Bild der Erosion geben dieCanons ab. Man sieht da mächtige Terrassen, welchein Stufen auf beiden Seiten zurücktreten. Jede Stufe die obere immer um ein Erklecklichesbreiter als die untere war in früherer, längst entschwundener Zeit ein Flussbett für sich.Durch die Auswaschung des Wassers, durch dessen Verdunstung und langsamen Ablauf sankder Spiegel des Stromes tiefer und die erste Terrasse lag trocken. So ging es fort, bis derStrom sein letztes Bett, in das er sich selbst ein gezwängt hatte, immer tiefer in die Gesteins-massen grub. Da neue Terrassenbildungen (der Enge halber) nicht mehr möglich waren, gingdie Erosion in die Tiefe, anfangs 50, dann 100, schliesslich mehrere hundert Meter. In demCanon von Ladore ragen die Seitenwände fast IOOO Meter auf, senkrecht und schlangenförmiggewunden.

Flüsse, welche nach kurzem Laufe ins Meer fallen, nennt manKüstenflüsse. Andererseits werden solche Flüsse, die sich im Sande ver-lieren, ohne das Meer zu erreichen,Steppenflüsse genannt. Zu ihnengehören auch die sogenanntenWadis (enge Ihäler oder trockene Betteder Regenströme) im nördlichen Afrika und in Arabien. Die Bächeund Flüsse, deren Gewässer ein und derselbe Strom aufnimmt, machendessen Stromgebiet. Die Linie, welche ein Stromgebiet von einem