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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Das Meer. — Niveau und Meeresboden.

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Der Comosee.

EMIE

SÜSSES

mm

voll ist und der Ruhe-zustand besteht, hat dasWasser an der Ober-fläche eine Temperaturvon 76 bis 89° C., wäh-rend es in den erreich-baren Tiefen der RöhreeineTemperatur von 122bis 127 0 C. zeigt. VonZeit zu Zeit, jedoch ohnegenaue Periode, hatdieser Geysir Eruptio-nen: zuerst mit Deto-nationen verbundenekleine Ausbrüche, diesich in Zwischenräumenvon 1 y 2 Stunden wieder-holen, wobei das Wasserüber 3 Meter hoch auf-wallt, dann die grosseEruption, bei welchereine mächtige Dampf-und Wassersäule von 3Meter Dicke und circa30 Meter Höhe emporge-schleudert wird. Diesegrossen Eruptionen tre-ten alle24bis30 Stundenein. Das Spiel dauertetwa 10 Minuten; nachdemselben ist dasBecken und ein grosserTheil der Röhre leer, und nur ganz allmählich steigt dasWasser wieder und eine neue Eruption bereitet sich vor.

Der Geysir ist also eine sogenannte „intermittirende” Springquelle. Die Erup-tionserscheinungen erklären sich nach Bunsen folgendermassen: Denken wir unseine cylindrische Wassersäule, welche bis zu einer gewissen Tiefe in die Erde hinab-reicht. Wird nun diese Säule von unten her durch eindringendes Wasser von hoherTemperatur erhitzt, so werden allmählich verschiedene Schichten der Säule dieTemperatur des Siedepunktes erhalten. Die von innen sich entwickelnden Dampf-

blasen werden freilich, sobald sie zu Schichten gelangen, die noch weiter vomSiedepunkte entfernt sind, wieder zu Wasser verdichtet. Allmählich aber kommt eineimmer grössere Anzahl von Schichten dem Siedepunkte nahe, und den von untenaufsteigenden Dampfblasen wird es immer leichter, sich in ihrem Zustande zu be-haupten und selbst zu vergrössern. Durch das Aufwallen des Dampfes wird ein Theilder flüssigen Säule gehoben und entfernt. Dadurch vermindert sich der Druck vonoben, die Dampfbildung nimmt rasch zu und endlich wird Wasser, gemischt mitDampf, in der Form eines mächtigen Strahles emporgeschleudert. Ist die Eruptionvorüber, so wiederholt sich der vorbeschriebene Vorgang.

Das

Meeresspiegel und Meeresboden.

Soweit wir das Meer seiner Oberflächengestalt nach be-trachten, tritt ein wesentliches Moment hervor. Auf Grund derhydrostatischen Gesetze müssten die verschiedenen Theile desWeltmeeres, da sie unter sich Zusammenhängen, in Bezug aufihre Oberflächen einander entsprechen, d. h. alle in einersphärisch gekrümmten Fläche zusammenfallen. Diese Flächebezeichnet man in der Theorie als den Meeresspiegel oderdas allgemeine Niveau des Meeres. Bemerkenswerthe Aus-nahmen sind das Rothe Meer und das Mittelländische Meer,sowie die Ost- und Nordsee. Eine wesentliche Störung derNiveaudifferenz der Oceane untereinander bewirkt die Flieh-kraft, welche verursacht, dass die dem Aequator näher liegendenWassermassen höher emporsteigen als die nach den beidenPolen hin. Nach G. Bischof steht das durch die Umdrehungs-geschwindigkeit (beziehungsweise Fliehkraft) gehobene Meeram Aequator 33mal höher über dem durchschnittlichen Niveauals in 8o° Nord- oder Südbreite.

Eine andere Ursache localer Niveauunterschiede der Oceanebilden die Festlandsmassen. Diese bewirken nämlich durch dieAnziehungskraft, welche die dichtere Materie gegenüber derweniger dichten ausübt, dass das Meeresniveau in der Näheder Küsten, ganz besonders der grossen Continente, höher liegtals auf hoher See. So hat eine Berechnung ergeben, dass inFolge der Anziehung des südamerikanischen Festlandes an derKüste von Peru der Spiegel der Südsee dortselbst fast 140 Meterhöher steht als etliche hundert Meilen weit vom Ufer, d. h. mitanderen Worten: wenn diese Anziehung nicht bestünde, müssteder heutige Uferrand der peruanischen Küste um das gleicheMass höher liegen als es thatsächlich der Fall ist.

Das Meerwasser zeichnet sich durch einen eigenthümlichensalzig-bitteren Geschmack aus, welcher auf die chemischeBeschaffenheit des erstercn zurückzuführen ist. Das Meer-

Meer.

wasser enthält nämlich folgende Salze: Chlornatrium, Chlor-magnesium, schwefelsaure Bittererde, kohlensaure Magnesia,kohlensauren Kalk, Chlorkalium, Brom- und Jodmagnesium.Das gewöhnliche Verhältniss des Salzgehaltes zur Wassermengestellt sich wie 3 :100. Würde das Weltmeer verdunsten, so bliebeeine im Mittel 850 Fuss mächtige Schicht von Salzen zurück.Der Salzgehalt der einzelnen Meeresabschnitte ist indess nichtgleich. Den geringsten Salzgehalt haben das Schwarze Meer(17%) und die Ostsee (r6%), den meisten das Rothe Meer (5%).

Was das vielgerühmte Farbenspiel des Meeres anbelangt,leuchtet ein, dass dasselbe nicht vom Wasser selbst herrührt,sondern durch die Einwirkungen des Lichtes hervorgerufenwird. Das Meerwasser an sich ist farblos und krystallhell wiedas süsse Wasser. Die Grundfarbe wird in der Regel durch dieTiefe des Meeres, Nähe des Landes, geognostische Beschaffen-heit des Meeresgrundes und andere Factoren bedingt. Auchder grössere Salzgehalt und die mehr oder minder starke Bei-mengung unorganischer Stoffe dürften auf die Farbe des MeeresEinfluss haben. Den grössten Einfluss auf den Farbenwechselhat aber das Sonnenlicht. — In dem Nächten nimmt das Wasserdes Meeres eine tief blauschwarze oder grünschwarze Farbe an.Das Mondlicht hat keinen Einfluss auf die Färbung; es giesstSilber über die Oberfläche der See und erzeugt jenes wahrhaftmagische Geflimmer von Lichtschuppen und flüssigen Funken,welche die Wellenlinien säumen.

Das nächtliche Meer birgt aber noch einen anderen Zauber: Das phos-phorische Leuchten, gemeinhin „Meeresleuchten” genannt. Es ist ein Wunder,von dessen Grossartigkeit Jedermann mächtig ergriffen wird. Unter allen Zonenphosphorescirt das Meer; wer aber das Phänomen nicht unter den Wendekreisengesehen, hat nur eine unvollständige Vorstellung von der Majestät dieses seltenenSchauspieles. In den europäischen Meeren kommt das Phänomen in bescheidenemMasse zur Geltung. Wohl leuchtet die See allerorten, aber der Effect beschränkt sichauf einen milchigen oder phosphorfahlen Schimmer. Diese „Phosphorescenz” ist vomeigentlichen Meeresleuchten wohl zu unterscheiden, denn sie rührt von Verwesungs-stoffen her, also nicht, wie das letztere, von Infusorien und anderen Thieren. In