Apparate für Tiefseeuntersuchungen,
und nach Zurücklegung eines Weges von 68.930 Seemeilen (circa 17.232 geographischeMeilen) wieder im heimatlichen Hafen an.
Nicht minder ergebnissreich war die Expedition, welche von deutschen Offi-cieren und Gelehrten mit der Kriegscorvette „Gazelle” vom Sommer 1874 bisApril 1876 unternommen wurde. Diese Expedition kreuzte mehrfach die Route des„Challenger”, schlug aber im Uebrigen ihre eigenen Wege ein. Auf der Strecke von
Radiolarien.
Mauritius bis zur Westküste von Australien wurde auf dieser Expedition zum ersten-male mit den Hilfsmitteln der neueren Tiefseeforschungen der Indische Ocean inseinen physikalischen Verhältnissen untersucht.
Als dritte grosse Tiefsee-Expedition der Neuzeit reiht sich an die vorgenanntendie amerikanische Erforschungsfahrt des Dampfers „Tuscarora” an. Das Gebietdieser Forschung erstreckte sich über den nördlichen Stillen Ocean zwischen Cali-fornien und Japan, zu dem Zwecke der Ermittelung der geeigneten Richtung füreine eventuelle Kabellegung zwischenden Vereinigten Staaten und Japan.
Die „Tuscarora” ging noch ein zweites-mal (beide Expeditionen wurden imJahre 1874 ausgeführt) in See, dies-mal zu dem Zwecke einer weiterenKabellegung zwischen den Sandwich-Inseln und Australien.
Bevor wir auf die Er-gebnisse dieser und andererExpeditionen undüberhauptauf den Stand der Kennt-niss von der Tiefsee desNäheren eingehen, möchtenwir einige Bemerkungenüber den Vorgang bei denUntersuchungen voraussen-den. Es handelt sich hierbeium die im Gebrauche ste-henden Apparate. DasWichtigste ist das Tief-seeloth. Wir sehen vonder Beschreibung ältererApparate ab und erwähnenin erster Linie den soge-nannten „Hydrasinker”. Erbesteht im Wesentlichenaus einem Peilstocke, anwelchem, je nach Bedarf,scheibenförmige Gewichteaufgereiht werden (i Ge-wichtsstück für je 1000 Fa-den). Ein Ausschaltungsme-chanismus bewirkt, dass dieGewichtsstücke vom Peil-stocke herabgleiten, wenndas Loth den Meeresbodenerreicht hat. — Bei gerin-geren .Tiefen genügt dieAnwendung des Schalen-lothes, dessen Gestalt ausder beigegebenen Zeich-nung zu ersehen ist. DieSchale hat den Zweck, beimEinsinken in den Meeres-boden eine Quantität seinesSchlammes aufzunehmen.
Beim Aufziehen des Lothes
fällt ein Deckel auf die Schale, um das Wegspülen der Boden-probe zu verhindern.
Andere Tiefseeapparate sind die Wasserschöpfflasche,mittelst welcher Wasserproben aus beliebiger Tiefe beschafftwerden können; dann das Tiefsee-Thermometer (ein selbst-registrirendes Maximum- und Minimum-Thermometer), welchesderart eingerichtet ist, dass es vor dem Zerquetschen (durch
Pic Fernando Oroncha. Inselgruppe im Süd-Atlantischen Ocean.
Diatomeen.
Wasserdruck) in den ungeheueren Oceantiefen geschützt bleibt.— Ein anderer sehr wichtiger Apparat ist das Schleppnetz,welches von den Schiffen nachgezogen wird und durch dasAbstreifen des Meeresbodens allerlei Organismen in einemSacke aus grober Leinwand aufnimmt.
Durch diese reiche Beute, welche den Naturforschern in die Hände gespieltwurde, gelangte man zu der hochwichtigen Thatsache, dass auch in jenen bislang fürunergründlich gehaltenen Tiefen der Oceane das Leben nicht völlig erloschen sei.Die neuen Formen von niederen Organismen, welche man entdeckte, zeigten zur all-gemeinen Ueberraschung eine grosseUebereinstimmung,ja theilweise sogardie Identität mit längst untergegan-genen Organismen, die man bishernur als Petrefacten in den geologi-schen Schichten des Festlandes ge-funden hatte . . . Häckel sagt: „DiePlünderung des Meeresbodens mitdem Schleppnetz ist ein Jagdver-gnügen von ganz eigenem Reize,wenn auch oft Geduld und Kräftehart auf die Probe gestellt werden.Die neugierige Spannung, was wohlfür kostbare Schätze aus der ver-borgenen 'Piefe heraufgebrächt werdenwürden, ist gross, wächst mit denAnstrengungen, welche die schwereArbeit des Dredschens (Schleppnetz= Dredsche) erfordert. Die Auf-regung und der Eifer des dredschen-den Zoologen sind nicht geringer alsdie eines Goldgräbers!” —
Die bei allen diesenAppamten zur Anwendungkommenden Le inen werdenaus bestem italienischenHanf verfertigt. Die Ame-rikaner bedienen sich an-statt der Leine eines sehrstarken Pianodrahtes. Umdie mitunter enorme Längesolcher Leinen regelmässigabspulen zukönnen,befindetsich auf dem Achterdeckeine besondere Vorrichtung(Patenblock).
Die Resultate derTiefseeforschun gen sindzweifacher Natur: 1. in Be-zug auf die bodenplastischenVerhältnisse der oceani-schen Becken, 2. in Bezugauf die Tiefseeorganismen.Letztere, welche der Biolo-gie angehören, werden ineinem späteren Abschnittezu Sprache kommen. Wasnun die Bodenverhältnisseder Tiefsee anbetrifft, pflegtman dieselben unter derBezeichnung „unterseeische