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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Der Kreislauf der Luft. Die Passate und Monsune.

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gütig der Baumblätter hervorbringt. Man nennt eine Luft-strömungschwachen Wind, wenn sie Blätter und Zweige,massigen Wind, wenn sie schwächere Baumäste in Bewegungzu setzen vermag. Zur Kategorie der schwachen und mässigenWinde gehören die Brisen, die, je nachdem sie vom Festlandeaus aufs Meer oder umgekehrt wehen,Landr, beziehungsweiseSeebrisen genannt werden.

Die Luftströmungen bei stärkerer BewegungLand- undSeewinde ge-nannt unterliegen während der Tageszeiten einem mit grösster Gesetzmässigkeit auf-tretenden Wechsel. Auf den Inseln und an den Küsten erhebt sich in den erstenMorgenstunden, wenn durch die Sonne die Erwärmung des Landes stattgefunden hat,ein warmer Luftstrom, wodurch eine Verdünnung der Lufthülle stattfindet. Diekältere und dichtere, über der See lagernde Lu ft strömt in die dünneren Schichtender festländischen Atmosphäre ein und erzeugt den Seewind. Eine Luftströmungim umgekehrten Sinne tritt in dem Zeiträume nach Sonnenuntergang (oder früher)ein, während welcher Zeit die Landluft rascher abkiihlt und in die langsamer sichabkühlende Seeluft einströmt. Zwischen diesen beiden Erscheinungen tritt auf kurzeZeit Windstille ein. Die Schwankungen in der Lufthülle aber, die hierbei stattfinden,geben Anlass zu der Existenz sogenannter localer Winde; welche aus einer be-stimmten Richtung und innerhalb eines begrenzten Zeitraumes wehen. Sie gehörensammt und sonders zu den Landwinden.

Die Stärke des Windes hängt mit seiner Geschwindig-keit unmittelbar zusammen. Die Geschwindigkeit ihrerseitswieder wird durch den Grad der gestörten Gleichgewichtsver-hältnisse bedingt. Wenn die Luft an irgend einer Stelle derErdoberfläche stärker erwärmt wird als die angrenzenden Luft-massen, so muss sie, in Folge der Erwärmung und der damitzusammenhängenden Ausdehnung, einen aufsteigenden Luft-strom bilden, der nach den kälteren Gegenden abfliesst, währendunten die Luft von den kälteren Stellen in horizontaler Rich-tung herbeiströmt. Eine erhebliche Störung des atmosphä-rischen Gleichgewichtes kann auch durch eine rasche undmassenhafte Verdichtung des Wasserdampfes in der Lufthüllehervorgerufen werden. Hierbei entstehen luftverdünnte Räume,in welche die umgebende Luft von allen Seiten mit Gewalt

einströmt.

Frühlingssturm (Föhn) in den Alpen.

Hinsichtlich der Geschwindigkeit der Luftströmungenbesteht eine festgesetzte Scala. Ganzleise Luftströmungenlegen in der Secunde kaum mehr als 1 Meter (also etwa 3*6 Kilo-meter in der Stunde) zurück. Man nennt eine Luftströmungleicht, wenn ihre Geschwindigkeit 2 Meter in der Secunde(7 *2 Kilometer in der Stunde) beträgt. Einfrischer Windbesitzt die Geschwindigkeit von 4 bis 6 Meter in der Secunde(14*2 bis 21*4 Kilometer in der Stunde), einstarker die Ge-schwindigkeit von 10 bis 15 Meter (36 bis 54 Kilometer). Bei einerSteigerung der Geschwindigkeit bis auf 20 Meter (72 Kilometer)wird derselbe alssehr stark, bei einer Geschwindigkeit von25 bis 30 Meter (90 bis 108 Kilometer) alsSturm bezeichnet.Bei einer Geschwindigkeit von 40 Meter (144 Kilometer) wirdder Sturm zumOrkan. Es giebt Orkane mit 40 bis 50 Meter(162 bis 180 Kilometer) Geschwindigkeit.

Die Bezeichnungen, welche der Seemann dem "Winde in Bezug auf seineStärke giebt, weichen von denjenigen der Meteorologen theilweise ab. In der See-mannssprache bezeichnet man jeden Wind mit Brise (Kühlte) und nennt ihn jenach dem Grade seiner HeftigkeitFlau,Frisch u. s. w. Das WortWind be-deutet nur die Richtung desselben nach dem Compassstriche und deckt oft den BegriffCurs. Je nachdem die Brise unter einem kleineren oder grösseren Winkel in dieSegel fällt, steuert das Schiff entweder dicht (hart)am Winde (Aufschlag von vorneund seitwärts), oder mitrauhem Winde (von rückwärts und seitwärts), odervordem Winde (von rückwärts). Plötzliche Luftentladungen, die nur bei Gewittern oderin der Nähe der Küste (unter Land) Vorkommen und sich durch ihr vehementes,stossartiges Auftreten bemerklich machen, nennt man Böen.

Die Gesetzmässigkeit im Kleinen wiederholt sich auf derganzen Oberfläche unseres Planeten im Grossen. Die Erwärmungder Erdoberfläche hängt nämlich in erster Linie von der In-tensität der Sonnenwärme ab, und diese ist auf den verschie-denen Punkten nicht gleich. Sie ist am stärksten in der Tropen-zone, nimmt successive gegen die beiden Pole ab und ist hierin der einen Jahreshälfte, wo finstere, eisige Nacht die Poleumfangen hält, gleich Null. Die bedeutende Erhitzung der Luftin der Region der grössten Erwärmung bedingt ein beständigesAufsteigen der warmen Lufttheilchen dortselbst und eine aus-giebige Verdünnung der Lufthülle. Dieser Vorgang be-dingt einen anderen: den des Einströmens kalter Luft.Da der Aufstieg der warmen Luft in der Nähe desAequators und das Nachströmen der kälteren Schichtenvon den beiden Polen her stattfindet, die aufgestiegeneLuft aber nicht spurlos verschwinden kann, so erhellt,dass die letztere auf einem anderen Wege wieder auf dieErdoberfläche herabgelangen muss. In der That findetein solcher Kreislauf im Grossen statt.

Die von der Zone der grössten Erwärmung auf-steigende Luft erzeugt keine fühlbare Strömung. Mannennt sie deshalb die Zone der Windstillen oder dieCalmenzone. Da sich aber ein Theil des warmen auf-steigenden Luftstromes bereits in der Gegend der Wende-kreise wieder zur Erde herabsenkt, nennt man diese Cal-menzone die tropische, zum Unterschiede von jenerder äquatorialen. Den gesetzmässigen permanentenKreislauf der Lufthülle nennt man Passate. Die beidenunteren (directen) Ströme, welche von den Polen nachdem Aequator abströmen, sind die eigentlichen Passate.Der warme obere Luftstrom bildet die Gegenpassate,welche innerhalb der Calmenzone auch Aequatorial-ströme genannt werden. In Bezug auf die Richtung be-nennt man die Passate, je nachdem sie auf der nörd-lichen oder südlichen Halbkugel herrschen: Nordost- undSüdostpassat.

Die Passate wehen mit absoluter Gesetzmässigkeitnur auf den Oceanen. In der Nähe der grossen Continenteerfahren sie wesentliche Modificationen. Am grossartigstentritt diese Erscheinung im nördlichen Indischen Oceanauf. Dort weht im Winterhalbjahr (October bis März)Nordostwind, im Sommerhalbjahr (April bis September)dagegen Südwestwind. Diese regelmässigen Winde werdenMonsune (Mousons) genannt. Zur Erklärung dieser Er-scheinung hat man darauf hingewiesen, dass die Fest-landsmassen des asiatischen Continents durch ihre Erwär-mung im Sommer einen aufsteigenden Luftstrom bewirken,in Folge dessen die kältere Luft über dem Meere nach-strömt. Aus Anlass der Erdrotation von West nach Ostprägt sich die südliche Luftströmung als Südwestwindaus. Zu dieser Gattung periodischer Passatwinde gehörtauch der sogenannteWestmonsun der Linie an derKüste von Oberguinea.

Hinsichtlich der Richtung der Winde unterliegendieselben gleichfalls einem bestimmten Gesetze, dessenEntdecker bekanntlich Dove ist. Dies verhält sich so.

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