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B. Mitteleuropa. — II. Das Deutsche Reich.
Der Münster in Ulm.
wohner), Mineralbad und Mittelpunkt der wegen ihrer Natur Schönheiten berühmten„Sächsischen Schweiz” mit dem vielbesuchten „Kuhstall”; Pillnitz, mit könig-lichem Lustschloss (Sommerresidenz); Loschwitz (3400 Einwohner), an der Elbemit vielen prächtigen Weinbergsvillen; Moritzburg, mit berühmtem, auf einer Inseldes Teiches gelegenem Jagdschloss und neuem Schloss; Wachwitz, am rechtenElbeufer, mit königlichem Weinberge, Villa und schönen Gartenanlagen; Blase witz(„Gustel von Blasewitz”) u. s. w.
Andere Städte sind:
Freiberg (27.000 Einwohner), mit der besten Bergakademie Europas, unfernder Mulde, Berg- und Hüttenort, Manufacturen und Perlmutter- und Meerschaum-waarenfabrikation. Prachtvoller Dom mit „güldener Pforte”. Ausgezeichnete mine-ralogische Sammlungen in der Bergakademie. Die im Jahre 1879 gewonnenen Mengenvon Edelmetall repräsentirten einen Werth von fast 4 Millionen Mark. In der Nähedas berühmte Amalgamirwerk „Halsbrücke”. — Meissen (15.OOO Einwohner), amEinflüsse der Meisse in die Elbe, merkwürdig wegen ihrer Porzellanfabrik, wohl derberühmtesten in Europa. Grossartige Fabriksgebäude an der Triebisch. In der ausdem Jahre 968 stammenden Domkirche die Gräber der meisten sächsischen Herrscher.Bedeutender, seit Jahrhunderten betriebener Weinbau.
Leipzig (177.000 Einwohner, mit den Vorstadtortschaften217.000 Einwohner), die volkreichste Stadt des Königreichesund einer der wichtigsten Binnenhandelsplätze Deutschlands,Mittelpunkt des literarischen Verkehrs mit der gesammtencivilisirten Welt. Die Stadt liegt am Südrande der grossennorddeutschen Tiefebene und an der Parthe, welche sich dichtdabei in die Pleisse (einen Nebenfluss der Elster) ergiesst.Ausgezeichnete, sehr stark besuchte Universität (300.000 Bände).Leipzig nimmt derzeit bereits grossstädtisches Gepräge an undist eine Stadt, von grosser Wohlhabenheit. Sehr hübsche Alleentrennen die kleine eigentliche Stadt von den gartengeschmücktenweitläufigen Vorstädten. DiebemerkenswerthestenGebäu-de sind: die Nikolaikirche,das königliche Palais, dasneue Theater, Sternwarte,
Buchhändlerbörse,Rathhaus,
Auerbachshof (mit berühm-tem Keller), Ort der gross-artigen Jahresmessen u. s. w.
Die Stadt hat fünf Bahnhöfeund viele Fabriken. Sitz einerReichsbankhauptstelle (1880bei 1700 Millionen Mark Geld-umsatz; der Umsatz der an-deren grossen Banken circa4 Millionen Mark). Leipzigist der Hauptsitz des deut-schen Buchhandels, nament-lich des Commissionsgeschäf-Jahre 18866000 auswärtige Fir-men zu besorgen hatte. Zahl-
kunde, dann literarische, päda-gogische, Kunst- und Fachver-eine). Die königliche Bibliothek(im japanischen Palaste) enthält420.000 Bände, 3000 Handschrif-ten, 2000 Incunabeln, 183.000 Dis-sertationen und 21.000 Land-karten.
Kunst- und Gewerbfleissstehen in hoher Blüthe: Strohhut-,
Kunstblumen-, Federschmuckwaa-ren-, Nähmaschinen-, Pianoforte-fabrikation, Thon und Fayence.
Der Handel ist im steten Wachsenbegriffen, bedeutenderWollmarkt.
Angenehme Spaziergänge undGartenanlagen: grosser Garten,
Palaisgarten, Orangengarten,
Brühl’sche Terrasse, Findlater-scher Weinberg (mit Albrechts-burg), Schillerschlösschen, Wald-schlösschen u. s. w.
Die Umgebungen von Dresden sindbesonders anmuthig. Wir nennen: Plauen(4300 Einwohner), am Eingänge des wegenseiner landschaftlichen Reize berühmten„Plauen’schen Grundes” (mit grossem Eisen-hüttenwerk); Pirna (11.700 Einwohner), mitviel Gewerbfleiss und Schloss Sonnenstein,an der Elbe gelegen; Königstein (3800Einwohner), gleichfalls an der Elbe mit dergleichnamigen berühmten Bergfestung; aufdem entgegengesetzten Ufer der prachtvolleFelsen „Lilienstein”; Schandau (3300 Ein-
reiche Buchdruckereien und einschlägige Hilfsanstalten. Esbestehen viele vorzügliche Unterrichtsanstalten, wissenschaft-liche Institute, Sammlungen und Bibliotheken. Die Zahl derVereine ist aussergewöhnlich gross. — Leipzig ist Hauptstadtder gleichnamigen Kreishauptmannschaft.
Die Umgebung von Leipzig war zu wiederholtenmalen der Schauplatz blutigerSchlachten: bei Breitenfeld 1631 (Gustav Adolf und Tilly), bei Lützen 1632(Wallenstein), bei Gross-Görschen und Nachbarschaft 1813 (die grosse „Völker-schlacht” vom 16. bis 17. October).
Grimma (8050 Einwohner), an der Mulde, mit berühmter Fürstenschule undbedeutender Buchdruckerei. — Bei Mügeln das Schloss Hubertsburg, wo 1763der Friede, welcher den siebenjährigen Krieg beendete, geschlossen wurde. —Rochlitz (5800 Einwohner), an der Mulde, mit uralter Kunigundenkirche, hoch-gelegenem Schlosse und viel Gewerbfleiss. — Wurzen (9800 Einwohner), an deröstlichen Mulde (prachtvolle neue, 440 Meter lange Eisenbahnbrücke), mit der zweit-grössten Getreidemühle Deutschlands. — Leisnig (7300 Einwohner), in reizenderGegend auf einem Felsenberge, mit lebhafter Tuchfabrikation und Getreidehandel.— Industriestädte sind ferner: Waldheim (7800 Einwohner), grosse Harmonika-fabrik; Döbeln (11.900 Einwohner), Tuch, Leder, Productenhandel; Ros sw ein(6700 Einwohner), Tuch, Wolle; Osch atz (7900 Einwohner), Tuch, Schönfärbereien,Gerbereien u. s. w.
Keplerdenkmal in Weilderstadt.
tes, welches imcirca
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Wildbad.
Zwickau (39.000Einwohner), Hauptstadt der gleichnamigenKreishauptmannschaft, an der nach ihr benannten Mulde imMittelpunkte bedeutender Steinkohlengruben gelegen. Die In-dustrie ist sehr ansehnlich, namentlich in der Textilbranche;ausserdem bedeutende Bierbrauerei, viele Gerbereien, Porzellan-und chemische Fabrik und Maschinenfabriken. Eisenwerk„Königin Mariahütte”.
Plauen (43.000 Einwohner), an der Elster, früher Hauptstadt des Voigtlandes,
mit blühender Baumwollfabrikation,namentlich Strickereien. HochragendesSchloss „Hradschin” und grosses Rath-haus mit kunstreicher Uhr.— Anna-her g (15.000 Einwohner), Bergstadt,mit grossen Seidenwaarenfabriken,Spitzenklöppeleien und Bandfabrika-tion. Schöne St. Annenkirche undgrosses Rathhaus. In der Nähe Silber-gruben. — Chemnitz (m.ooo Ein-wohner), das „sächsische Manchester”,die grösste Fabriksstadt des Landes,besonders in der Erzeugung halbwol-lener Stoffe; ausserdem Maschinenbau.Alterthiimliches grosses Rathhaus. —Glauchau(22.000Einwohner), Haupt-ort für sächsische Merinos, halbseideneund halbw ollene W aaren; Eisengiessereiund Maschinenbau-Anstalten. Zweigrosse, durch eine Brücke miteinanderverbundene Residenzschlösser. — An-dere blühende Industrieorte sind:Meerane (22.300Einwohner), Wolle,Tuch, Kaschmir; Crimmitschau(19.000 Einwohner), Wolle; Werdau(15.000 Einwohner), Streichgarn, Ma-schinen; Reichenbach (18.000 Ein-