Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
120
JPEG-Download
 

120

B. Mitteleuropa. II. Das Deutsche Reich.

schönem grossherzoglichen Schlosse, welches reiche Sammlungenenthält, und hervorragendem Theatergebäude. BemerkenswertheStudienanstalten und Institute. Von grossem Belange ist diegewerbliche Thätigkeit, namentlich Maschinenbau, Bijouterien,Wagen, Tapeten.

Offenbach (32.000 Einwohner), am Main gelegen, wichtigste Fabriksstadtdes Landes (Leder, Blechwaaren, Farben, Buchbinderwaaren). Erbach (2900 Ein-wohner), berühmte Elfenbeinschnitzereien; Dieburg (4300 Einwohner), Blechwaaren;Seligenstadt (3700 Einwohner), Torfstecherei; Michelstadt (3300 Einwohner),Elfenbeinschnitzereien.

Giessen (19.000 Einwohner), Hauptstadt der Provinz OberhesseD, an derLahn schön gelegen, mit altberühmter Universität (125.000 Bände). Durch gewerb-liche Thätigkeit ausgezeichnet sind: Schlitz (Leinen), Schotten (Tuch), Gedern(Strohflechterei), Friedberg (Wolle) u. s. w. Die Badeorte und Gesundbrunnen:Nauheim, Schwalheim, Nidda.

Mainz (66.000 Einwohner), Hauptstadt der Provinz Rheinhessen, am linkenUfer des Rheins und unfern des Main gelegene sehr starke Festung, zu der auch diejenseits des Rheins (590 Meter lange Schiffbrücke) gelegene Stadt Kastei gehört.Mainz ist der wichtigste Waffenplatz Deutschlands (als Moguntia schon für die Römervon Bedeutung). Die Stadt ist winkelig und hat kein freundliches Aussehen. Bemer-kenswerther Dom und schöne Ignatiuskirche, grosses Zeughaus mit Waffensaal,prächtiges grossherzogliches Schloss. Die Stadtbibliothek zählt 100.000 Bände. Guten-bergs Denkmal. Bedeutender Wein- und Getreidehandel, lebhafte Schifffahrt.Worms (22.000 Eimvohner), ein Schatten ihres einstigen Ansehens, von dem nur deruralte (996 gegründete) Dom als Erinnerungszeichen zurückgeblieben ist. Rietschelsgrossartiges Lutherdenkmal. In der Nähe wächst der berühmte 'WeinLiebfrauen-milch. Bingen (7100 Einwohner), am Einflüsse der Nahe in den Rhein,ausserordentlich malerisch gelegen. Auf einem Felsen im Strome der berüchtigteMäusethnrm.

3. Grossherzogthum Oldenburg. Flächeninhalt: 6420 Quadratkilometer;Bewohnerzahl: 340.000, wovon fast 4 / 5 Evangelische, der Rest Katholiken.Das Grossherzogthum besteht aus drei weit auseinanderliegenden Theilen: dem Herzog-thum Oldenburg, an der Nordsee liegend und von hannoverischem Gebiete um-schlossen; dem Fürstenthum Lübeck, von der gleichnamigen freien Stadt, derOstsee und Holstein begrenzt, und dem Fürstenthum Birkenfeld, am Südabhangedes Hunsrück, ganz von preussischem Gebiete umschlossen.

Oldenburg (21.000 Einwohner), Haupt- und Residenzstadt,an der Hunte gelegen und wohl gebaut, mit einigen Fabrikenund lebhaftem Handel. Bedeutende Pferdemärkte. Schönes Re-sidenzschloss mit Park; Promenadeanlagen rings um die Stadt.

Jever (4600 Einwohner), mit bedeutendem Handel. Brake (4100 Ein-wohner), Freihafen an der Weser, Fabriken und Handel. Karel (4500 Einwohner),unweit des Jahdebusens, mit bedeutenden Fabriken und Eisengiesserei. Eutin(4600 Einwohner), Hauptort des Fürstenthums Lübeck, an einem kleinen fischreichenSee gelegen und bemerkenswerth als Aufenthaltsort einer Anzahl berühmter Männer,als: Voss, Stolberg, K. M. v. Weber, Bredow u. A. In der Umgebung mehreremalerische Seen. Birkenfeld (4430 Einwohner), Hauptort des gleichnamigenFürstenthums, an der Nahe gelegen. In einigen Ortschaften des Ländchens be-deutende Steinschleifereien.

4. Grossherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach. Flächeninhalt: 3593 Qua-dratkilometer; Bewohnerzahl: 310.000, fast durchwegs Evangelische (nur circa10.000 Katholiken). Das Land zerfällt in drei Verwaltungsbezirke: Weimar undApolda, Eisenach und Dermbach, Neustadt.

Weimar (22.000 Einwohner), an der Ilm gelegen und un-regelmässig gebaut, eine der culturgeschichtlich denkwürdig-

) sten Städte als Wohnort Goethes und ehemaliger Sitz einerDichtergemeinde, in welcher Namen, wie Schiller, Wieland,Herder u. s. w. vertreten waren. Schiller-Goethe-Denkmal vonRietschel, Wieland-Statue, Standbild des Fürsten Karl August.In der Hauptkirche ein vorzügliches Gemälde von Lucas Cranach.Das grossherzogliche Residenzschloss ist mit Fresken zu denDichtungen Schillert, Goethes, Herders und Wielands ge-schmückt, und enthält berühmte Prachtgemächer. Bemerkens-werth sind auch die Wohnhäuser der obgenannten deutschenDichter.

Jena (12.000 Einwohner), in einem romantischen Thale an der Saale gelegen,mit berühmter Universität. .Schlacht am 14. October 1806. Apolda (18.000 Ein-wohner), industriereiche Stadt in einiger Entfernung von der Ilm (berühmte Würste).

Ilmenau (4600 Einwohner), schön gelegene Bergstadt, Kaltwasserheilanstalt,Porzellanfabrik, Eisenbau.

Eisenach (20.000 Einwohner), Hauptort des gleichnamigen Verwaltungs-bezirkes, am Wege zurThüringischen Pforte gelegen, sehr betriebsame Stadt. Aufdem grossen Marktplatze steht das grossherzogliche .Schloss. Anbei die Wartburg,altes Bergschloss, einst Residenz der Landgrafen von Thüringen und zeitweiligerAufenthalt Martin Luthers. Sammlungen von Alterthiimern, namentlich Rüstungen.Die Burg wurde in neuerer Zeit ausgiebiger Restaurirung unterzogen. Ruhla(2500 Einwohner), Badeort, Rauchrequisitenfabrikation. Wilhelmsthal, gross-herzogliches Lustschloss; dann die Industrieorte Vacha, Geisa, Lengsfeld, Ost-heim, Kaltennordheim.

5. Grossherzogthum Mecklenburg-Schwerin. Flächeninhalt: 13.300 Quadrat-kilometer; Bewohnerzahl: 580.000, fast durchwegs Evangelische, nur etwa 2300Katholiken.

Schwerin (32 200 Einwohner), am Westufer des gleich-namigen Sees reizendgelegen, mit der ganzneu angelegten Pauls-stadt und prachtvollemgrossherzoglichenvSchlosse auf einer Insel,von Parkanlagen umge-ben und durch Brückenmit der Stadt verbun-den, einer der maleri-schesten und grossartig-sten Residenzen aufdeutschem Boden. Herr-liche Domkirche, gross-artiger Marstall undweitläufige Irrenanstalt.Nordisches Alterthums-museum.

Ludwigslust (6300 Ein-wohner), Sommerresidenz mitneuem Schlosse, in welchemsich interessante Sammlungen,darunter altslavische Denkmälerbefinden. Doberan (4000Einwohner), mit grossherzog-lichem Schlosse und unweit derOstsee, wo sich das älteste See-bad Deutschlands befindet.Wöbbelin, Todesort TheodorKörners im Treffen am 26.August 1813. Güstrow

(13.000 Einwohner),Kreishaupt-stadt, an der schiffbaren Nebel,mit Tuchfabriken, Maschinen-bau-, Kerzen- u. Seifenfabriken;lebhafter Binnenhandel. Röbel (3600 Einwohner), unweit des Malchinersees,dem Mittelpunkte der sogenanntenmecklenburgischen Schweiz. Rostock(39.000 Einwohner), die grösste Stadt des Landes, 15 Kilometer von der Ostseeentfernt (Hafen: Warnemünde), von fast mittelalterlichem, aber äusserst vortheil-haftem Aussehen. Herrliche Marienkirche, grossherzoglicher Palast, neues Theater.Bedeutender Gewerbfleiss und ansehnlicher Handel.Wismar (16.300 Einwohner),an einem schönen Hafen der Ostsee, mit einigen wichtigen industriellen Etablisse-ments und ansehnlichem Handel.

6. Grossherzogthum Mecklenburg-Strelitz. Flächeninhalt: 2930 Quadrat-kilometer; Bewohnerzahl: 98.000, ausschliesslich Lutheraner. Das Grossherzog-thum zerfällt in zwei von einander getrennte Theile: das Herzogthum Strelitz(Herrschaft Stargard) und das Fürstenthum Ratzeburg.

Neu-Strelitz (9400 Einwohner), Haupt- und Residenz-stadt, am Zierkersee gelegen und sternförmig gebaut, mitschönem Residenzschloss und reizendem Lustgarten. Ansehn-liche Sammlung altslavischer Alterthümer in der grossherzog-lichen Bibliothek.

Alt-Strelitz (3100 IGnwohner), mit Gewerbfleiss; bedeutende Pferdemärkte.

Neu-Brandenburg (9000 Einwohner), schönste Stadt des Landes, mit pracht-vollen Thoren. Ratzeburg, auf einer Insel des gleichnamigen Sees gelegen.Der grösste Theil der Stadt gehört zu Lauenburg.

Heidelberg.

|§ figj! 111 m.

Ü

RH*' :;i.

Mi