128
B. Mitteleuropa. — IY. Die Oesterreichisch-Ungarische Monarchie.
eingetragen hat. Die Stadtbibliothek enthält 55.000 Bände und 3200 Manuscripte.Zürich ist eine bedeutende Handels- und Industriestadt. Seidenfabrikation, Baum-woll-, Maschinen- und Papierfabriken. — "Winterthur (16.000 Einwohner), mit hervor-ragender Maschinenindustrie und mehreren wissenschaftlichen Anstalten. — AndereIndustrieorte des Cantons sind: Wädenswyl (Tuch), Rüschlikon (Fayencen,Kattun), Horgen (Seidewebereien, Spinnereien), Richterswyl (Kattundruckereien).
8. Freiburg. Freiburg (12.000 Einwohner), an der Saane und einem Felsen-abhange; sehenswerthe Drahtseilbrücke und grossartige Eisenbahnbrücke. Das Rath-haus steht auf der Stelle des ehemaligen Schlosses der Zähringer. — Murten(2400 Einwohner), Sieg der Schweizer über Karl den Kühnen (1476); Obelisk.
9. Luzern. Luzern (19.000 Einwohner), am Vierwaldstättersee und am Aus-flusse der Reuss, mit bemerkenswerthen wissenschaftlichen Anstalten, einer Bibliothek(84.OOO Bände) und einem Zeughaus, in welchem Sempacher Trophäen aufbewahrtwerden. Bedeutende Industrie in Seide, Baumwollen, Wagen, Maschinen und Eisen-waaren. Unweit der Stadt ein kolos-saler Löwe als Erinnerungszeichen fürdie 1792 in Paris im Dienste des Kö-nigs Ludwig XYI. gefallenen SchweizerSoldaten. — Sempach (1200 Ein-wohner), Sieg der Schweizer über denHerzog Leopold von Oesterreich (1386)und Ort des angeblichen HeldentodesArnold Winkelried’s. *
10. Aargau. Aarau (6000 Ein-wohner), sehr gewerbfleissige Stadt ander Aar. — Baden (3700 Einwohner),hervorragender Badeort an der Lim-math. — Zofingen (4500 Einwohner),
Baumwollen- und Seidenfabriken.
11. Uri. Altdorf (oder Uri,
3000 Einwohner), unfern des Eintrittesder Reuss in den Vierwaldstättersee'und an der Gotthardbahn, mit Erinne-rungen an Wilhelm Teil („Teilsplatte”und „Teilscapelle” am See bei Bür-geln, wo auch die Wiese „Rütli”).
— Göschenen am Nordportal desGotthardtunnels.
12. Thurgau. Fr au en fei d (5900Einwohner), Waffenplatz, mehrere Fa-briken. — Romanshorn (3700 Ein-wohner), am Bodensee, grösster Korn-markt der Schweiz. Schloss und Seebad. Unfern das Schloss Arenenberg derFamilie Louis Napoleon.
13. Schwyr. Schwyz (6600 Einwohner), am Fusse des 1903 Meter hohenMythen, mit hübschem Rathhaus. — Brunnen, die Perle des Vierwaldstätterseesund historisch merkwürdig, als der Ort, wo die „Urcantone” den Bund der Eid-genossenschaft schlossen. — Küssnacht (3200 Einwohner), am Fusse des Rigi,angeblich der Ort, wo Teil den Landvogt Gessler erschossen haben soll. — Ger sau(1800 Einwohner), am Fusse des Rigi.
14. Neuenburg. Neuenburg (Neufchätel, 17.000 Einwohner), am gleich-namigen See, mit Akademie, Bibliothek (70.000 Bände), Sternwarte und vielen
wissenschaftlichen Anstalten. Sehr gewerbfleissige Stadt. — Loche (10.500 Ein-wohner) und Chaux de Fonds (24.000 Einwohner), Hauptsitz der Fabrikation vonUhren, physikalischen und mathematischen Instrumenten. Ausserdem Spitzenklöppe-leien, Gold- und Silberarbeiten.
1 5 . Solothurn. Solothurn (8000 Einwohner), mit der schönsten Kirche derSchweiz — das St. Ursusmünster. Bemerkenswerthe öffentliche Sammlungen. DieStadt wird von der Aar durchflossen und ist gewerbfleissig. — Olten (4000 Ein-wohner), unfern des Hauensteintunneis, welcher in der Geschichte des Eisenbahn-wesens durch die Schwierigkeiten, die seine Herstellung bereitete, eine gewisse Rollespielt. Eisenwerke und Glashütte.
16. Unterwalden. Stanz (2200 Einwohner), Hauptort von Nid dem Walde.Zeughaus. — Hauptort von Ob dem Walde ist Sarnen (4000 Einwohner). — ImKloster Engelberg (1010 Meter hoch) reiche Münzensammlung.
17. Glarus. Glarus (5300 Einwohner), an der Linth und am Fusse des
Glärnisch, mit grosser gothischer Kir-che. — Ennoda und Emnetbühls(2800 Einwohner), mit bedeutendenFabriken.
18. Basel. Basel (69.400 Ein-wohner), nächst Genf die volkreichsteStadt der Schweiz, mit der ältestenUniversität des Landes und einerBuchdruckerei, die grossen Ruf ge-niesst. Zahlreiche Sammlungen undwissenschaftliche Institute. Die Univer-sitätsbibliothek enthält 55.000 Bände.Hervorragende Gebäude sind: der Mis-sionspalast, Rathhaus, Zeughaus, derDom, die Stermvarte und das neueMuseum. Mittelpunkt der Seidenindu-strie, in dieser Thätigkeit eine derersten Städte Europas. Ausserdemviele andere Fabriken. — Liestal(4700 Einwohner), Hauptort des Halb-cantons Basel-Landschaft.
19. Appenzell. Appenzell(43ooEinwohner), Hauptort des HalbcantonsInnerrhoden. BemerkenswerthesRathhaus. — Herisau, grösster Ort(12.000 Einwohner) von Ausser-rhoden, hat mehrere Fabriken. —Heiden und Gais, Curorte.
20. Schaffhausen. Schaffhausen (12.800 Einwohner), sehr malerisch amrechten Ufer des Rheins gelegen. Bedeutende Gussstahlfabrik. — Bei Laufen der29 Meter hohe Rheinfall.
21. Genf (siehe Seite 127).
22. Zug. Zug (5000 Einwohner), am gleichnamigen See, mit einem Zeughausund mehreren Fabriken. Auf dem Zuger Berg die Molkencuranstalt Felsenegg.—Zug ist der kleinste der Cantone. — Cham (3000 Einwohner), mit Papierfabrik undEisenhammer. — Baar (3900 Einwohner), Spinnerei und Papierfabrik. — Bei Mor-garten Sieg der Schweizer über die Oesterreicher 1315.
Luzern und der Vierwaldstättersee.
4. Die Oesterreichisch-Ungarische Monarchie.
Lage und Grösse. Die österreichisch-ungarische Monarchie(fortan kurzweg Oesterreich-Ungarn genannt) ist in Bezug aufihre räumliche Ausdehnung nächst Russland der grösste Staatin Europa. Im Herzen von Mitteleuropa gelegen und fast inseiner ganzen Längenausdehnung von dem mächtigsten euro-päischen Strome (von der entlegenen Wolga abgesehen) durch-zogen, im Süden ans Meer reichend und mit seinen natürlichenGrenzen an die zwei grossen Halbinselländer Südeuropas —der italienischen und illyrischen — herantretend: durch diesebedeutsame geographische Lage ist die grosse Wichtigkeitdieses Staates gekennzeichnet. Er verknüpft den europäischenNorden mit dem Süden, den Westen mit Osten; in ihm strömendie grossen europäischen Völkerfamilien zusammen und findeninnerhalb der gemeinsamen Gemarkung ein gemeinsames Vater-land: Deutsche und Italiener, Slaven und Magyaren.
Oesterreich-Ungarn nimmt einen Flächenraum von 624.230Quadratkilometern ein.
Küsten und Inseln. Oesterreich-Ungarn hat unter allenGrossstaaten Europas den continentalsten Charakter; nur amAdriatischen Meere — dem grössten Golfe des Mittelmeeres —nimmt es theil, indem die Nord- und Ostküste desselben ineiner Entwickelungslänge von 2234 Kilometern zu diesem Staategehört. Die nördlichsten Theile der Adria, der Meerbusenvon Triest und jener von Fiume (auch „Quarnero” genannt)begrenzen die nach Süden zugespitzte Halbinsel Istrien. DasKüstenland von Kroatien und Dalmatien ist reich gegliedertund besitzt zahlreiche vortreffliche natürliche Häfen, von denendie vielgestaltigen Buchten (Bocche) von Cattaro die bedeutend-sten sind. Auch die Halbinsel Istrien ist von vielen fjordartigenBuchten durchrissen. Eine derselben bildet den starken Kriegs-
hafen der Monarchie, Pola, fast an der Südspitze der Halbinselgelegen. Von den dalmatinischen Halbinseln ist nur eine vonBelang — Sabbioncello.
Von den kleinen vor der Westküste Istriens gelegenenEilanden abgesehen, unterscheidet man zwei kleine Archipele,den kroatischen (zwischen Fiume und Zengg) und den dalma-tinischen (zwischen Zengg und Cattaro). Die Eilande des erst-genannten Archipels fasst man auch unter der Bezeichnung„Quarnerische Inseln” zusammen. Es sind dies: Veglia, Cherso,Lussin, Pernichio, Unie und mehrere kleinere Eilande. Zuden dalmatinischen Inseln zählen: Arbe, Pago, Selve, Pre-muda, weiter Pasman, Isola Lunga, Solta, Brazza, Lesina,Lissa, die grosse Insel Curzola, Lagosta, Meleda und vielekleinere (darunter das herrliche Lacroma bei Ragusa) undunzählige Felseilande, „Scoglien” genannt.
Bodengestalt. Oesterreich-Ungarn ist unter allen StaatenEuropas nächst der Schweiz der gebirgigste, denn von den624.230 Quadratkilometern seines Flächenraumes sind über446.000 Quadratkilometer (oder circa 72%) von Gebirgen be-deckt, oder überhaupt Bergland. — Die Gebirge gehören viergrösseren Gebirgssystemen an: 1. den Alpen, 2. dem Böhmisch-mährischen Mittelgebirge, 3. dem Karpathensysteme,und 4. den Dinarischen Alpen.
Die Alpen. Ueber die Entwickelung, Gestaltung und Ein-theilung des gesammten Alpensystems war im vorangegangenenAbschnitte ausführlich die Rede. An den Centralalpen parti-cipirt Oesterreich-Ungarn nur in seinen westlichsten Grenz-strichen, und zwar auf einer Linie, welche auf Seite 124 an-geführt ist. Dagegen ist die Monarchie, mit Ausnahme einigerGlieder der nördlichen Kalkalpen, welche auf deutschen Boden