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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Mitteleuropa. IV. Die Oesterreichisch-Ungarische Monarchie.

Pertisau am Achensee.

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von Toblino, Molveno, Idro, Ledro, Caldonazzo u. s. w.Merkwürdig ist der Zirknitzersee durch sein periodi-sches Zu- und Abfliessen und der Neusiedlersee inUngarn, welcher im Jahre 1865 völlig verschwunden warund seit Ende 1870 allmählich sich wieder zu füllen begann.

Die höchsten Alpenseen in Oesterreich sind der kleineZirmsee (2499 Meter) in den Goldbergtauern und derGurgier Eissee (2383 Meter) in der Oetzthalergruppe.

Zu erwähnen sind ferner: der Schwarze See (1185Meter hoch, 90 Meter tief) und der Plöckensteinersee(1058 Meter hoch, 58 Meter tief), beide im Böhmerwalde;die kleinen GebirgsseenMeeraugen der Karpathen,deren bekannteste der Grosse Fischsee (Bild S. 58) ist,und mehrere Hochlandsseen in Siebenbürgen.

Canäle. Die bedeutendsten Anlagen dieser Art be-finden sich im ungarischen Tief lande. Wir erwähnen: denFranzenscanal, welcher die Donau mit der Theiss ver-bindet; den Begacanal zwischen Bega und Temes; derSävizcanal (345 Kilometer lang) dient vorzugsweise zurAustrocknung der Sümpfe zwischen Stuhlweissenburg undSzegszärd; den Siöcanal welcher den vorgenannten Canalmit dem Plattensee verbindet. In Böhmen ist der Schwar-zenberg'sche Schwemmcanal zu erwähnen, welcher dieMoldau mit der Mühl (Nebenfluss der Donau) verbindet.

Klima. Die bedeutende Ausdehnung der österreichisch-ungarischen Monarchie, die Mannigfaltigkeit der Bodengestalt,die continentale Lage des grössten Theiles ihres Landgebietesim Gegensätze zu der marinen Begrenzung der südlichstenProvinzen, und verschiedene andere Factoren bedingen einegrosse Verschiedenheit in den klimatischen Verhältnissen. Manunterscheidet zwei klimatische Hauptgebiete: das der Aequa-torialregen, wozu die adriatischen Küstenländer und die Süd-alpen gehören, und das Gebiet der Sommerregen, zu welchendie übrigen Länder der Monarchie gehören. Innerhalb desletzteren bestehen aber noch mancherlei Unterabtheilungen.Das Klima des Alpengebietes weist andere Merkmale aufals das derpontischen Provinz, zu welcher die ganzeOsthälfte der Monarchie gehört. Im Grossen und Ganzen istdas Küstenklima charakterisirt durch vorherrschende Nieder-schläge im Spätherbst und Frühling, ohne dass jedoch Winter-regen ausgeschlossen wären. Nach dem Aufhören des Früh-lingregens tritt meist schon Ende April vollständiges Sommer-wetter mit monatelanger Dürre ein. Ein kurzer Herbst bildetden Uebergang zum Winter, der milde und fast schneefrei ist.

Das Alpenklima hat kein einheitliches Gepräge. Im All-gemeinen unterliegen die Nordalpen den Einflüssen der Polar-strömungen, die Südalpen denen der Aequatorialströmungen.Die Nordseite der Alpen hat vorwiegend Sommerregen, dieSüdseite Herbst- und Frühlingsregen. Die westlichen Abschnitte

der Monarchie sind niederschlagsreicher als die östlichen. Dorttritt der Föhn als periodischer warmer Wind auf, während inden Südalpen sich die äquatoriale Luftströmung, welche manScirocco nennt, geltend macht. Der östliche Theil der Alpenist dem westlichen gegenüber durch das Fehlen des Föhn,sowie durch geringere Regenmenge charakterisirt. Die öst-lichsten Alpenvorlagen bilden ein Uebergangsgebiet zwischendem Alpenlande, der oceanischen und pontischen Provinz.Letztere zeichnet sich besonders durch den continentalen Cha-rakter ihres Klimas aus. Die Temperaturextreme sind bedeutend,namentlich im ungarischen Tieflande, wo sarmatische Kälte imWinter und italienische Hitze im Sommer herrscht. Damit ver-bunden ist auch eine grosse Trockenheit. In Siebenbürgenmacht sich das Bergklima geltend, desgleichen, aber in ge-ringerem Grade, in dem von verhältnissmässig niedrigen Berg-zügen eingeschlossenen böhmischen Becken. Der nordöst-liche Theil von Oesterreich-Ungarn (Galizien etc.) gehört zumsarmatischen Bezirke der pontischen Provinz. Für das Klimadieses Abschnittes sind charakteristisch: lange, schneereicheWinter, Spätfröste, kühle Sommer mit wechselnden Windenund Niederschlägen, frühzeitiger Eintritt des Herbstes.

Die wärmsten Striche der Monarchie sind die Küstenländer der Adria, diekältesten Galizien, Niederungarn und Theile in den Alpen. Die mittlere Jahreswärmevon Lesina beträgt 16-6° C., jene von Wien nur noch 9*8° C., von Tarnopol6° C. Im oberen Murthal (Tamsweg) sinkt das Thermometer im Winter häufigbis 30 0 C., in Niederungarn bis 25 0 C. Die regenreichsten Striche liegenin den nördlichen und südlichen Kalkalpen (Salzburg 116, Aussee 147, Ischl 163,Pontafel 187, Raibl 218 Millimeter). Die herrschenden Luftströmungen sind die

westlichen in der Westhälfte,die Ost- und Nordwinde in deröstlichen, die Südwinde in densüdlichen Theilen der Monarchie.In den letzteren wüthet häufigdie Bora, ein trockener, biszur Sinnesverwirrung erstarrenderNordostwind mit explosionsarti-gen Stössen (Refoli). Er wirdbesonders im Quarnero und aufden Plateauflächen des nördlichenKarst, wo es vorgekommen ist,dass er Eisenbahnzüge aus denSchienen hob (bei St. Peter), ge-fürchtet. Das südliche Dalmatienhat die mildesten Winter undtropische Pflanzen, vereinzeltsogar die Palme, erhalten sichim Freien. Bevorzugt durchmildes Klima und als Winter-curorte sind: Görz (mittlereJanuartemperatur -f- 3*3° C.), Le-sina (-4- 8*2° C.), Ragusa(-f-8*9° C.), Abbazia-Fiume(4-5*2° C.), Riva und Arco(circa -)- 3° C.).

Bewohner. Oesterreich-Ungarn ist nächst Russ-land das mit Völkern ver-schiedener Stämme undsogar verschiedener Ras-sen am reichsten be-dachte Land Europas.Die ethnographischenVerhältnisse sind sogarcomplicirter als jene auf

Ennsdurchbruch (Gesäuse).

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