Asien. Allgemeine Uebersicht.
Küstenumrisse und Inseln,
198
Djidda.
durchschiffte, heutedürre Steppe, zurRegenzeit Laguneund nur zeitweisenoch vomMeere über-fluthet ist. Seeseits istdieses Gebiet durcheine Reihe von In-seln geschützt, derenbedeutendste dieKatschinsel ist. Hö-herer und fester Bo-den ist nur im äusser-sten Westen zu fin-den, wo die heutigeHauptstadt Karat-schi steht, bereitsim Angesichte desgelben zackigen Ge-birges von Belud-schistan.
Der Westen und Süd-westen von Südindien istvon Inseln umlagert,welchedurchwegs Korallenbildun-gen sind. Man unterscheidetzwei Gruppen: den Archipelder Malediven und jenender Lakkadiven. Manschätzt die Gesammtzahl derEilande und Klippen aufungefähr 30.000. Es sindzumeist sehr ausgedehnte,aber flache und niedrigeLagunenriffe. Die beständigüber dem Wasser liegenden Eilande haben bei den Malediven eine so grosseFlächenausdehnung, dass sie etwa 200.000 Menschen Raum zu Wohnstätten ge-währen, während auf den Lakkadiven nur für 10.OOO Bewohner Platz ist.
Etwas östlich von der Südspitze von Vorderindien — dem Cap Comorin —liegt das herrliche Ceylon, dessen Schätze des Pflanzenreiches von keiner anderenInsel der Erde übertroffen werden. Ceylon ist nur durch einen schmalen und seichtenSund vom asiatischen Festlande getrennt, hing aber mit diesem niemals zusammen.Südindien ist selber eine uralte Insel, welche durch Hebung — wobei das Meerabfloss, welches das heutige Ganges- und Industiefland einnahm — an das Himalaya-system angegliedert wurde. Da Südindien aufsteigendes Land ist, erklärt sich dieVerseichtung des Canals zwischen jenem und der Insel Ceylon. Darnach stünde alsonach Ablauf langer Zeiträume die Verwachsung Ceylons mit dem asiatischen Con-tinent bevor.
Die Kette von Bänken und Eilanden, welche zwischen Ceylon und dem Fest-lande (Golf von Manar) liegen und welche die sogenannte „Adamsbrücke” bilden (dieBezeichnung rührt von den Mohammedanern her, welche in Ceylon das Paradies derBibel erblicken), sind durchwegs Korallenbildungen, welche in Folge der Strömung,die längs der Coromandelküste herrscht, noch wesentlich durch Anspülungenvergrössert werden. An der Westküste der Insel kommen Massen von Perlausternvor, deren Stöcke auf Korallen- und Sandbänken in 25—30 Meter Tiefe liegen.
Oestlich von Vorderindien, zwischen der südindischen undder hinterindischen Halbinsel, erstreckt sich der Golf vonBengalen. Er bildet das Vorbecken zu dem zweiten, östlichenAbschnitt des Indischen Oceans. Das Ufer des Golfes vonBengalen ist meist flach, häufig sandig, im Norden auch sumpfig.Hier ist es das gewaltige Delta des Ganges-Brahmaputra,welches unsere Aufmerksamkeit fesselt. Zwei Stromriesen,denen gegenüber die grossen europäischen Ströme sich wie
Mündung des Hughli (Ganges).
Bäche ausnehmen, finden, wenn auch nur indirect, durch viel-fache Abzweigungen und Verästungen der Hauptrinnsale indem weitläufigen Tief lande von Bengalen ihre Vereinigung.Ihr Deltaland ist das weitläufigste auf dem ganzen Erdenrund.Gleichwohl ist dieses Gebiet, in welchem sich zahlreiche Ort-schaften befinden und die Hindubevölkerung aussergewöhnlichdicht siedelt, nur ein Bruchtheil des riesigen Ueberschwem-mungsgebietes der Zwillingsströme.
Etwa 450 Kilometer oberhalb seiner Mündung ist die gewöhnliche Ausbruchs-stelle der Hochfluthen des Brahmaputra; jene des Ganges liegt nur etwa 230 Kilo-meter oberhalb des Küstenrandes. Denkt man sich beide Durchbruchsstellen mit-einander verbunden, einschliesslich aller Sumpflandschaften, so erhält man ein Ueber-schwemmungsgebiet von circa 100.000 Quadratkilometern, also einen Flächenraum, derso gross ist, wie jener der Länder Böhmen, Mähren, Schlesien und Niederösterreichzusammengenommen. Und diese Bodenfläche ist besäet mit Dörfern, deren gefähr-lichster Feind keineswegs die Hochfluthen allein sind. Alljährlich rast nämlich eineCyklone über das Tiefland, oder es fällt eine Tigerschaar in das eine oder andereDorf ein, um es binnen wenigen Minuten zu entvölkern. (Nach H. Beveridge.)
Das ganze Landgebiet besteht aus Alluvialboden, ist fast eben und nur un-merklich gegen das Meer geneigt. Die Höhe über dem letzteren beträgt durch-schnittlich nur 6—7 Meter. H. Beveridge, dem wir eine interessante Schilderungdieses Gebietes verdanken, sagt, es sei kaum möglich, sich eine richtige Vorstellungvon dem ungeheuren Maassstab des Ueberschwemmungsvorganges zu machen. Ueberdrei Millionen Tonnen Sedimente führt der Ganges zur Zeit der Hochfluthstündlich dem Meere zu. Diese Zeit fällt in die vier Regenmonate. Dann ist dasganze weite Gebiet von vielen tausenden Booten aller Grössen und aller Gestaltenwie besäet; selbst Dampfer vermitteln im Inundationsraume den Verkehr. Auf denErhöhungen, welche das Schlammmeer überragen, siedeln Hindu, die vom Fange derFische und des Wassergeflügels leben. Die Anbauschichte aber ist nichts Anderesals eine schwimmende Sumpfkruste, in welche man bei einigem Körpergewichte bisüber den Kopf einsinkt. In den Erdhütten wimmelt es von giftigen Schlangen,welche auf dem Trockenen Schutz suchen.
Im Osten wird der Bengalische Golf von der lang-gestreckten, von Nord nach Süd verlaufenden hinterindischenHalbinsel begrenzt. Im Norden breitet sich das riesige Deltades Irawaddi aus, dessen Hauptarm — der „Fluss vonRangun” — an der Mündung eine Breite von mehr als 3 Kilo-meter hat. Da das Irawaddidelta eine 225 Kilometer breiteHalbinsel bildet, erkennt man auf den ersten Blick, dass diesegewaltige Landbildung ein Werk des grossen Stromes ist.Diese Halbinsel schliesst im Osten mit dem Nordende desKüstenlandes Tenasserim den geräumigen Golf von Mar-taban ein.
Dieses Tenasserim hat malerisch gelegene Uferstädte und vor dem Gestade-saum breitet sich ein wirrer Archipel von mehr als 4000 Eilanden, die Mergui-gruppe, aus. Viele derselben bestehen freilich nur aus nackten, zerklüfteten Felsen,die Mehrzahl aber prangt in üppigem Baumwuchs. Der ganze Archipel ist einLabyrinth von engen Durchfahrten, Klüften, Höhlen und Schluchten, früher Zu-fluchtsstätten malayischer Seeräuber, welche vor der britischen Besitznahme dieseGewässer so unsicher machten. Die wenigsten der Eilande sind bewohnt.
Im südlichsten Theile greift das Tenasserim auf die Halb-| insei Malakka über, jenes keulenförmige, langgestreckte Land,