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Asien. Allgemeine Uebersicht. — Küstenumrisse und Inseln.
Teifun.
lukken ein, dessen grösste Insel — Gilolo — zwischen Celebesund der grossen, in den Bereich des Grossen Oceans gehörendenInsel Neuguinea liegt.
Nördlich der Molukken, der Insel Celebes und nordöstlichvon Borneo, dehnt sich der reich gegliederte, aus vielen grossenund unzähligen kleinen Inseln und Eilanden bestehende Archipelder Philippinen aus. Die grössten Inseln sind Mindanaoim Süden und Luzon im Norden. In den vielen Canälen zeigensich ausgedehnte Korallenbildungen. An die Ostküsten derPhilippinen-Inseln brandet der Grosse Ocean, an die Westküstendas durch seine Stürme und Wirbelorkane berüchtigte Süd-chinesische Meer, das ein Seitenbecken des PacifischenOceans ist.
Wenn wir alle die erwähnten Inseln zusammenfassen, unterscheiden wirmehrere Gruppen: die Grossen Sunda-Inseln (Sumatra, Java, Borneo und Celebes),die Kleinen Sunda-Inseln (die obgenannte Inselschnur östlich von Java), denArchipel der Molukken und jenen der Philippinen. — Die Natur dieser Inselnist fast durchwegs vulcanisch; in Flora und Fauna aber machen sich merklicheUnterschiede geltend, welche darauf hinweisen, dass ein Theil dieser Inseln (dienördlichen) in früherer Zeit zu Asien, ein anderer (die südlichen) zu Australien ge-hörte. Als Scheidelinie lässt sich die tiefe Depression des Meeresbodens annehmen,welche sich zwischen den Inseln Bali und Lombok, Celebes und Borneo, den Phi-lippinen und Molukken hinzieht.
Was die klimatischen Verhältnissealler ostindischen Inseln anbetrifft, zeigendieselben eine gewisse Gleichartigkeit.
Das heisse, tropische Klima wird durchdie Seewinde gemildert. Wälder vonunschätzbaren Holzarten bedecken dieAbhänge der Gebirge; die reich be-wässerten Tieflandsstrecken und Gestade-ebenen liefern in Fülle die kostbarstentropischen Erzeugnisse. Aber die Be-wohner sind auf einer niedrigen Cultur-stufe stehen geblieben; Fremde, welchedie Eingeborenen unterworfen haben,sind jetzt die Besitzer aller dieser Reich-thümer. Nur das Innere von Borneo undSumatra ist den Fremden noch unzugäng-lich, und jedes Eindringen wird seitensder Wilden, welche zum Theil noch demKannibalismus ergeben sind, mit Schläch-tereien abgewiesen.
Der Grosse Ocean. Die
pacifische Küste Asiens besitzteine reiche Gliederung. Unge-heure Golfe, förmliche Meerebildend, sind in die Festlands-masse eingeschnitten und wer-den von mächtigen, breitenHalbinseln zangenförmig um-
klammert. Dazu gesellen sich zahlreiche grosse Inseln und Archipele,welche, an der Schwelle zwischen dem Indischen und dem Grossen Oceangelegen, eine reiche Mannigfaltigkeit in den dortigen Land- und Insel-umrissen bedingen. Nur die Küste des eigentlichen China von der Mündungdes Jang-tse-kiang bis in den Winkel von Canton macht hiervon eine Aus-nahme. Es ist ein Gestade mit vielen tiefen und buchtenreichen Einschnitten,Alluvialbildungen an den Flussmündungen, seeseits von kahlen Eilandenund gefährlichen Riffen gesäumt.
Das pacifische Küstenland Asiens reicht von ’der Beringsstrasse(durch welche Asien von Amerika getrennt ist) bis zu dem Seethorezwischen den Philippinen und der Insel Formosa, wo es mit dem Süd-chinesischen Meere — einem Abschnitte des Hinterindischen Mittelmeeres —zusammenhängt. Den nördlichsten Abschnitt zwischen der Tschuktschen-halbinsel und Kamtschatka nennt man das Beringsmeer; den hieranschliessenden, zwischen Kamtschatka, Ostsibirien, der Insel Sachalin undden Kurilen, das Ochotskische Meer. Von besonderem Interesse ist dieHalbinsel Kamtschatka. Ihr 4804 Meter hoher Kegelberg KljutschewskajaSopka ist der höchste Vulcan Asiens. Die gewaltigen, meist in Schneeund Eis starrenden Berggipfel liegen allesammt an der steilen Ostküste,während die Westküste ziemlich flach ist. Hauptort der Halbinsel istPetropawlowsk, einer der schönsten Häfen der Welt, aber so einsamgelegen, dass jährlich nur viermal die Post dorthin gelangt.
Mit der Insel Sachalin, deren Nordspitze unfern der Amurmündungliegt, beginnt die von Nord nach Süd und Südwest streichende Inselschnurdes Japanischen Archipels — aus den Inseln Jesso, Hondo (Nippon),Sikok und Kiusiu bestehend. Zwischen Jesso und der Südspitze vonKamtschatka erstreckt sich in fast gerader Richtung die Inselreihe derKurilen, mit vielen erloschenen und thätigen Vulcanen. Jenseits dieserdas Ochotskische Meer vom Grossen Ocean abschliessenden Barriere sinktletzterer zu seiner grössten Tiefe herab.
Diese Tiefe heisst die „Tuscaroratiefe”, mit der grössten gemessenen Depression von4655 Faden. Wollte man einen Erklärungsgrund für diese so bedeutende Tiefe im nordwestlichstenTheile des Grossen Oceans suchen, so würde man kaum fehl gehen, wenn man denselben mit demVulcanismus in Beziehung bringt. Sowohl die Kurilen als die Aleuten (die Inselschnur südlichdes Beringsmeeres) sind langgestreckte Ketten von theils thätigen, theils erloschenen Vulcanen. Auf denAleuten zählt man 48 thätige Vulcane, auf den Kurilen 10 (und 10 erloschene). Andie Vulcanreihe der Kurilen schliessen nordwärts die 12 thätigen und 26 erloschenenVulcane von Kamtschatka, südwärts die Vulcane der Japanischen Inseln. Auch dieHalbinsel Alaska (nordwestliches Amerika), deren insulare Fortsetzung eben dieAleuten sind, weist mehrere Vulcane auf. Der Ring vulcanischen Bodens ist aberdamit nicht geschlossen. Von den Japanischen Inseln setzt derselbe südwestlich überden Archipel der Liu-Kiu-(oder Lu-Tschu-)Inseln, die Philippinen und die Molukkenbis Neuguinea fort und nimmt hier den isolirten Zweig der grossartigen Vulcanreiheder Sundainseln auf.
In Berücksichtigung der Thatsache von der bedeutenden vulcanischen Thätig-keit im nordwestlichen Abschnitte des Grossen Oceans dürfen wir mit fast apodik-tischer Gewissheit annehmen, dass die grosse Depression des Meeresbodens dortselbstauf vulcanische Vorgänge zurückzuführen ist. Nach der Hunt’schen Theorie desVulcanismus kämen Vulcane vorwiegend im Bereiche der Continente oder aufsinkendem oder gesunkenem Meeresboden vor; also überall dort, wo eine Senkungmächtiger sedimentärer Ablagerungen stattgefunden hat oder noch stattfindet. Darnachwären also die Vulcane der Bodensenkungen wegen entstanden und nicht um-gekehrt: die Bodensenkungen aus Anlass des in jenem Bereiche thätigen Vulcanismus.Dazu bemerken wir ohne Commentar, dass der ganze Bereich des oberwähntenVulcangürtels — aufsteigender Boden ist.
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Peterpaulshafen in Kamtschatka.
Zwischen dem Archipel der japanischen Inseln und demasiatischen Festlande — im Norden durch die Insel Sachalin, imSüden durch die Halbinsel Korea fast gänzlich abgeschlossen— breitet sich das Japanische Meer aus. Durch die breiteStrasse zwischen Korea und Kiusiu hängt dieser Meeresabschnitt
mit der südlicheren, sogenann-ten Chinesischen Ostsee zu-sammen. Zwischen Korea undder reich gegliederten KüsteMittelchinas erstreckt sich dasGelbe Meer, mit mehrerengolfartigen Einbuchtungen, de-ren grösste und wichtigste derGolf von Petschili ist. — DieChinesische Ostsee wird nachder Seite des Grossen Oceansdurch die Inselkette des Liu-Kiu-Archipels begrenzt undendet im Süden an der Strassevon Pormosa, welche von dergleichnamigen Insel und vomasiatischen Eestlande gebildetwird.
Man hat die Insel Formosa ein„Bollwerk Ostasiens” genannt. DiesenNamen verdient sie mindestens in Bezugauf ihre schützende Lage im Bereicheder verderblichen Wirbelstürme (Teifune),die von den mächtigen Felsen der Inselzurückprallcn und so die Küste Chinasvon Amoy nordwärts vor ähnlichen Eie-