236
B. Südasien. — I. Iran.
sich die Ruinen von Pasargadä und Persepolis. Die Stadt Abuschehr istder wichtigste Seehafen Persiens.
6. Laristan:
Hormus, an der gleichnamigen Meerenge, auf einer Insel gelegen,einst eine starke portugiesische Festung, jetzt ein elendes Fischerdorf.
7. Kerman (Carmania):
Kerman, mit lebhafter Teppichindustrie.
8. Khorassan:
Meschhed (70.000 Einwohner), grosser Pilgerort der Schiiten, mitder Grabmoschee des Imam Ali, welcher Schutzpatron der ersteren ist. VielGewerbfleiss. In der Nähe die Türkisgruben von Nischapur.
9. Gilan und 10. Masanderan:
Küstenprovinzen am Kaspisee, mit den Gewerbs- und HandelsplätzenBarfurusch, Amol und Asterabad und dem wichtigen HafenorteRescht-Enzeli.
2. Afghanistan.
Lage und Grenzen. Afghanistan, das uralte Durch-zugsland zwischen Mittelasien und Indien, von zahlreichenEroberern betreten und gegenwärtig von grösster poli-tischer Bedeutung, nimmt (im Verein mit Beludschistan)die östliche Hälfte des iranischen Hochlandes ein. Die natür-lichen Grenzen des Gebietes sind im Osten die Sulejman-kette, welche mauerartig aus der Tiefebene des Indus aufragt,und die Kettengebirge, welche auf der Süd- und Westseitedas Pamirplateau umranden. Afghanistan grenzt also nachdieser Seite an das indobritische und chinesische Reich. ImSüden ist die Grenze nur theilweise verlässlich bestimmt, undzwar im Bereiche der Hochgebirge zwischen Quetta und derindischen Grenze. Im äussersten Westen wird der Unterlauf desHilmend als Scheidelinie zwischen Afghanistan und Belud-schistan angenommen. Die afghanische Westgrenze (gegenPersien) verläuft in einer nahezu geraden Linie von Nord nachSüd zwischen dem Zulfikarpasse und dem grossen Hamun-sumpfe.
Die Nordgrenze ist erst allerjüngsten Datums und durch eine englisch-russischeCommission festgestellt worden. Durch die . freiwillige Unterwerfung der Merw-turkmenen unter die Herrschaft der Russen (1884) fiel ein grosses Gebiet südlichder Merwoase, welches früher zum sogenannten afghanischen Turkestan gehörte, inden Machtbereich Russlands. Da diesem die frühere „ideale Grenze” nicht taugte,beanspruchte es, um nicht mitten in der Turkmenenwüste stehen bleiben zu müssen,eine Grenzabrundung auf Grund örtlicher Anpassung. Nach langwierigen Studien unddiplomatischen Verhandlungen wurde ein Einverständniss der betheiligten Mächte(England, Russland und Afghanistan) erzielt. Die neue Nordgrenze Afghanistansbeginnt am Zulfikarpasse im Thale des Heri Rud, verläuft von hier in genauöstlicher Richtung nach Bala-Murghab am Murghabflusse, von wo sie in nord-östlicher Richtung zum Amu Dar ja abschwenkt, der bei dem (vormals) buchare-sischen Grenzposten Kodscha-Saleh erreicht wird. Von da ab bildet der Oberlaufdes Amu die Grenze zwischen Afghanistan und dem Khanate Buchara, die östlichsteStrecke abgerechnet, wo an Stelle der nassen Grenze die trockene Grenze dessüdlichen Randgebirges vonKarategin tritt. — Afghani-stan ist daher von nicht wenigerals sechs Reichen und selbst-ständigen Staaten umschlossen:von Russland, Buchara, China,
Britisch-Indien, Beludschistanund Persien, was die Bedeutungdieses Landes am besten kenn-zeichnet. Ueber Afghanistanhinweg können sich Russlandund England die Hände zufriedlichem Bunde reichen, oderaber —was allgemein befürchtetwird — es könnte Afghanistanzum Schauplatze des grossenrussisch - englischen Entschei-dungskampfes um die Herrschaftin Asien werden.
Persisches Karawansarai.
des Indus herabsenkt, desgleichen nach Süden, hier indessenweniger scharf ausgeprägt. Nach Westen, insbesondere nachSüdwesten, senkt sich das afghanische Hochland in auffallenderWeise und erreicht im Becken des Hamunsumpfes seine grössteDepression. Nach Norden endlich fällt das Hochland in steilemAbfalle zu der tief eingeschnittenen Thalebene des Amu Dar ja(Oxus). Ueber dem Gesammtplateau ragen in der nördlichenHälfte die Riesenmauern des Hindukuh, Kuhi Baba undSijah Kuh und anderer Gebirgsglieder empor, mit Pässen,welche die Höhe der höchsten Alpengipfel in Europa erreichen.Die höchsten Gipfel des Hindukuh steigen mehrfach bis 6000Meter an. Der culminirende Gipfel — Puschtikur — an derdreifachen Grenze zwischen Afghanistan, Kohistan und Tag-dumkusch ist 7000 Meter hoch. Von ihm zieht, als Verbindungs-glied zur Karakorumkette des Himälayasystems, der Hindu-kuh in nordöstlicher Richtung. Vom Centralstocke des Pusch-tikur zweigt sich nach Süden ein zweiter mächtiger Gebirgs-kamm ab, der das Thal des Indus von jenem des Kunartrennt und mit der Hauptkette des Hindukuh das merkwürdige,schwer zugängliche Alpenland Kafiristan rahmenartig um-schliesst. — In das Industhal hinab führen (über die Sulejman-kette) eine grössere Zahl meist beschwerlicher Pässe, welchevon grosser militärischer Bedeutung sind.
Flüsse und Seen. Afghanistan hat nur zwei grössere Flüsse:den Kabulstrom (300 Kilometer Lauf länge, circa 1600 MeterGefälle), welcher durch tiefe Durchklüftungen und wilde Engen
Grösse. Nach plani-metrischen Berechnun-gen bedeckt Afghani-stan eine Bodenflächevon annähernd 700.000Quadratkilometern.
Bodengestalt. In sei-ner Gesammtheit be-trachtet, kann man Af-ghanistan als ein voneinzelnen Bergkettenund Massiven durchzo-genes Hochplateau be-zeichnen, das sich nachOsten in mehreren Ter-rassen zur Tiefebene
au:
—■ÜX
*
Palast des Schah in Teheran.