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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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B. Südasien. — 1 Y. Der ostindische Archipel.

IV. Der ostindische Archipel.

Die Inselwelt, welche sich zwischen Südostasien undAustralien erstreckt und gewöhnlich der ostindischeArchipel— auch der malayische Archipel oder „Malesien” — ge-nannt wird, besitzt die reichste Mannigfaltigkeit sowohl inBezug auf ihre geophysikalischen Gestaltungen, als hinsichtlich

ihrer natürlichen Reichthümer und ihres Völkergemenges. Dieseganze reiche Gruppe hing in früheren Entwickelungsperiodender Erde theils mit Asien, theils mit Australien zu-sammen.

Bodengestalt. In ihrer Gesammtheit bilden die ost-indischen Inseln mehrere Gruppen, durch welche einevulcanische Zone streicht, welche von den Andamanenund Nikobaren her die Insel Sumatra betritt und überJava, die kleinen Sundainseln und die Molukken bis nachden Philippinen zieht. Auf Java erreicht der Vulcanis-mus die grossartigste Entwickelung. Es ist „ein Paradiesmit 45 Höllenschlünden von trachytischen Vulcankratern”,die in einer Kette über die ganze Insel verbreitet sindund meist über 3000 Meter (der Sameru 3730 Meter) an-steigen. Auch das Innere von Borneo ist theilweise vonmächtigen, bis zu 3000 Meter ansteigenden Gebirgenerfüllt. Rings um die Küste herum aber erstreckt sichein mehrere Kilometer breiter Gürtel von sumpfigemSchwemmland, welches grosse und wasserreiche Strömedurchziehen. Desgleichen wird Sumatra, die dritte dergrossen Inseln des Archipels, von einer mächtigen undmehreren kleineren Parallelketten durchzogen.

Zu den reichgegliedertsten Inselbildungen des Archi-pels zählt die Gruppe der Philippinen, welche ausmehreren Hauptinseln und vielen Eilanden besteht, vonreichster Küstengliederung ist, im Inneren der * HauptinselnBerggipfel bis zu 2750 Metern aufweist, von Flüssen und Bächendurchfurcht und in den Ebenen von Seen bedeckt ist. — Auch

Bangkok.

die .Molukken, im Südosten von den Philippinen liegend, sind(wenigstens die Halbinseln) von hohen Vulcankegeln erfüllt undbesitzen eine reiche Küstenentwickelung. Oestlich von Borneoerstreckt sich die durch ihre vier armartigen Halbinseln auf-fällige Insel Celebes, gleichfalls durchaus gebirgig, vulcanisch,reich an kurzen Flüssen und theilweise hochgelegenenSeen. Zwischen den Hauptinseln breiten sich ganzeSchwärme von kleinen und kleinsten Eilanden aus, dieansehnlicheren noch der vulcanischen Zone angehörig,die meisten anderen aber Korallenbildungen von gross-artiger Ausdehnung in Bezug auf die gemeinschaftlicheBasis, auf welcher sie aufgebaut sind.

Naturreichthum. Unmittelbar am Aequator gelegen und umgeben vonausgedehnten Oceanen kann es (nach Wallace) nicht überraschen, dass dieostindischen Inseln vom Spiegel der See bis zu den Spitzen der höchstenBerge mit Waldvegetation bekleidet sind, stellenweise von beispielloserUeppigkeit. Zu den Culturpflanzen der heissen Zone treten noch die hier ein-heimischen kostbaren Gewürze, der Kampferbaum, die überaus fruchtreicheArekapalme, Pfeffer, Zimmt, Kaffee, Thee, Reis, Indigo, Tabak. DieWälder bergen kostbare Holzarten, Gummi, Harze, Kautschuk (besondersGuttapercha). Rotangpalme und Bambusen liefern vielfach das Material fürWohnungen und Geräthe. Borneo besitzt eine Menge von Oel-, Gewürz-und Faserpflanzen, liefert Sago, Benzoeharz, Balsame. Die Molukken sinddie berühmte Heimat der Gewürznelken. Mit überwältigender Pracht entfaltetsich die Vegetation auf den Philippinen: „der Reichthum an Farben, mitdenen sich die Pflanzen und Thiere, wie auch die Menschen schmücken,steht in vollster Harmonie zu der Fülle des Lichtes, welche eine tropischeSonne selbst durch Wolken hindurch ihrer geliebten Erde zusendet”.

Auch das Thierreich zeigt, namentlich in der Classe der Säugethiere,einen erstaunlichen Reichthum. Allenthalben giebt es Tiger, Panther, Ele-phanten, Büffel, Wildschweine, den Orang-Utan. (Borneo eigenthümlich),mehrere eigenthiimliche Stachelschweine, den Nasenaffen, die Bartotter und mehrereprachtvoll gefiederte Vogelarten. Die. meisten Inseln wimmeln von Fischen;

Schildkröten kommen in Menge auf die flachen Ufer, das Meer ist reich anHolothurien und Perlenaustern.

Auch die Mineralschätze sind bedeutend. Diamanten findet man auf Borneo,ebenda Kupfer, Eisenerze, Zinn, Zink, vorzügliche Steinkohlen, Schwefel, Steinsalz,Erdöl, Salpeter; auf Java: Diamanten, Edelmetalle, Kohlen, Salz; auf SumatraKohlen.

Klima. Die nördliche Hälfte der Inseln liegt in dem Monsun, der von Octoberbis März aus Nordost, die übrige Zeit in entgegengesetzter Richtung weht und beimUmsetzen von Wirbelstürmen (Taifunen) begleitet ist; die südöstliche Hälfte gekörtdem Gebiete des australischen Nordwest-Monsuns an. Er streicht von April bisOctober über Australien hinweg und erreicht einen hohen Grad von Hitze undTrockenheit, welche wohl geeignet sind, die Vegetation der von ihm getroffenenInseln jener Australiens ähnlich zu machen.

Bevölkerung. Im ostindischen Archipel sind zwei Rassen ver-treten: die malayische und die Papuarasse. Erstere ist diehöher stehende, zahlreichere und wichtigere. Als seefahrendesVolk hatten die Malayen zu Zeiten fast den ganzen Archipel be-herrscht, und selbst nach Gründung der europäischen Colonial-reiche noch einen unerhörten Terrorismus als Piraten ausgeübt.Ihr Hauptsitz war ursprünglich Java, wo sie die Hindureligionannahmen und eine Blüthe der Cultur durchmachten, wofürnoch die vielen Denkmalreste auf der Insel sprechen. VonJava drangen sie erobernd nach Malakka vor, wo sie denIslam annahmen und unter allen malayischen Stämmen dieFührerrolle antraten. Sie waren bis zur Ankunft der Portu-giesen und Holländer (Anfang des 16. Jahrhunderts) die „Nor-mannen des Ostens”. — Von geringerer Bedeutung ist die

Strasse in Bhamo.

WWM

Saigon.