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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Australien und Oceanien. — Allgemeine Uebersicht.

Gilbert-Archipel.

unter mit einem Stich ins Blaue. Uebri-gens werden die Haare mit Korallenkalkgefärbt und sie werden dann röthlich odergar flachsgelb. DasTätowiren ist nochhie und da im Schwange.

Nach der Anschauung derEthnologen soll die InselweltOceaniens durch Einwande-rung der mal ayi sehen Rassebesiedelt worden sein. Dafürspräche derUmstand, dass Floraund Fauna jener Inseln durch-aus auf Asien hinweisen. Uebri-gens deuten auch die Rassen-mischungen in gewissen Insel-gebieten der Südsee darauf hin,dass schon in sehr früher Zeitkühne Stämme die See auf weiteEntfernungen gekreuzt habenmüssen, oder dass in vorhistori-scher Zeit räumliche Zusammen-hänge zwischen einzelnen In-seln, Inselgruppen und Ländern

bestanden, die heute nicht mehr vorhanden sind. Durch Wal-lace wissen wir, dass Australien während eines Zeitabschnittesder Tertiärperiode eine weit grössere Ausdehnung als derzeitbesass, eine Verbindung dieses Continents mit Asien aber nichtbestand, wie sich dies aus der Verschiedenheit der Flora undE'auna zwischen den vormals zu Asien und jenen vormals zuAustralien gehörigen Inseln des ostindischen Archipels nach-weisen lässt. Als Scheidelinie ist die tiefe Depression desMeeresbodens ermittelt wor-den, welche zwischen denInseln Bali, Lombok, Celebesund Borneo, den Philippinenund Molukken hinzieht. Da-gegen scheint, entgegen derWallace’schen Annahme, dieDoppelinsel N euseelandniemals mit Australien zu-sammengehangen zu haben,sondern vielmehr der Restjenes Continents zu sein, derim Bereiche der Südsee un-ter dem Meeresspiegel ver-sunken ist.

Von hohem Interesse ist dieweitere Wahrnehmung, dass die Poly-nesier einen gemeinen kosmogoni-schen Culturkreis aufweisen, wasauf gemeinsame geistige Beziehungenall der über einen ungeheuren Bereichverstreuten Inselvölker hinweist. A. Ba-stian hat in der „heiligen Sageder Polynesier” diesen Zusammen-hang aufgeklärt. Das höchste Wesen der Polynesier („Tangaro” oder „Kanaloa”),tritt allerorts in verwandter Gestalt auf. Auf Raiatea weilt seine Schöpferkraftin einer Muschel, andernorts tritt es als Schildkröte auf und erneuert sich durchAbwerfen der Schale, oder es schwebt in einem vom Winde umhergetriebenen Ei.Die Schiffszimmerleute von Tonga, deren Schutzgott dieses höchste Wesen war (solange die Insulaner noch nicht christianisirt waren), übertrugen auf ihren Seefahrtenseinen Dienst an andere Küsten; in Neuseeland schreitet es als Spukgespenst überdie Wogen. Seine schöpferische Thätigkeit auf den Marquesas weist gleichfallsverwandte Züge auf. In allen diesen kosmogonischen Formen handelt es sich immerum dieselbe Verkörperung des höchsten Wesens in einer Meeresgottheit.

Die Bewohner der oceanischen Inselwelt führen — wiedies in der Natur der Sache liegt — vorwiegend ein Schiffer-leben, das sich namentlich in Bezug aufden Bau der Seefahrzeuge und deren Ge-brauch zu Friedens- und Kriegszweckenin charakteristischen Formen bewegt. Dawären zunächst die Doppelkähne derViti-Insulaner. Sie sind gedeckt, damitdie Wellen nicht eindringen können undmit einer gemeinschaftlichen Bodenzim-merung bedeckt, welche über sämmtlichevier Borde der beiden Boote hinausgreift.

Ueber dem Boden erhebt sich ein Deck-haus. Ein besonderer Vortheil dieserKähne, welche unter Segel gehen, ist,dass jedes der beiden Fahrzeuge an bei-den Enden in Schnäbel ausläuft, so dasssich der Doppelkahn vor- oder rückwärts

Neucaledonien.Typen aus der Südsee.

VitiTnseln.

Gepanzertes Boot der Samoaken.

bewegen kann, ohne dass mannöthig hätte, ihn zu wenden.Kleinere Fahrzeuge werden inder Regel durch Aushöhlungeines entsprechendgrossenBau-mes hergestellt. Die Erbauerder grossen Kriegspiroguenbilden eine besondere Zunft.Die Viti-Insulaner machen ausihrer Fertigkeit im Schiffbauein Geschäft, indem sie ihrenNachbarn Masten, Segel undTauwerk und wohl auch voll-ständig ausgerüstete Piroguenliefern und dafür Walzähne,Muscheln und Waffen und an-dere Gegenstände eintauschen.

Einen besonderen Ruf alsausgezeichnete Seeleute ge-messen die Bewohner derTonga-Inseln, ebenso jenederSamoagruppe. Ein samoa-kisches „Manono” ist ein grosses, mit Holzwänden mannshochgepanzertes doppelschnäbeliges Boot, das indess weittragendenGewehren gegenüber keinen Schutz gewährt. — In gewisserBeziehung berühmt waren in früherer Zeit die grossen Kriegs-kähne der Tahiti er. Sie wurden aus Stämmen des Spondiasdulcis, die kleineren Boote aus den Stämmen des Brotfrucht-baumes hergestellt. Ein Kahn von mittlerer Grösse hatte eineLänge von circa 15 Meter, war aber nur 1 Meter breit und

tauchte selten über 1 Meter.Wegen der geringen Breiteder Fahrzeuge vereinigteman sie in der Regel zuDoppelkähnen. Ueber demgemeinsamen Verdeck erhobsich ein Castell — der Ver-sammlungsort der Krieger-—■während die Ruderer dasVerdeck einnahmen.

Die meisten einkähnigenFahrzeuge der Südsee-Insu-laner bedienen sich der so-genannten „Ausleger”, umdas Boot im Gleichgewichtezu erhalten. Die Auslegerwerden entweder nur auf dereinen Seite oder auf beidenSeiten des Kahnes (der indiesem Falle immer ein Se-gelfahrzeug ist) angebracht.Die Segel bestehen aus Ma-sten, welche auf einen Holz-rahmen aufgespannt sind. Ihre Form ist verschieden. Manchesind oben spitz, andere laufen zu übermässiger Breite aus undhaben die Spitze des Segels nach unten, auf das Verdeck, ge-richtet. Die Viti-Insulaner befestigen das Segel der Quere nach,so dass das breite Ende nach hinten, das spitze Ende nachvorne zu stehen kommt.

Am primitivsten ist es mit dem Schiffbau an den nörd-lichen Küsten von Australien, beziehungsweise auf den diesenKüsten benachbarten Inseln bestellt. Vor Einführung derpapuanischen Piroguen bedienten sich die Stämme der

Carpentaria-Halbinsel äusserst primitiverRindenkähne. Die meisten australi-schen Seefahrzeuge bestehen noch heuteaus einem Stück Baumrinde von circa4 bis 5 Meter Länge, dessen Enden zu-sammengezogen und gebunden werden.Andere Stämme an der australischenNordküste bedienen sich roh zusammen-gestellter blösse. Wir wollen noch be-merken, dass man an der Südküste vonAustralien niemals Eingeborene zur Seegetroffen hat. Die Westaustralier sollendes Schwimmens unkundig sein. Da-gegen sind die Nordaustralier vorzüg-liche Taucher.

Segelboot von Wanikoro.