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Amerika. — Allgemeine Uebersieht.
trifft. Im Nordosten tritt derGolf mittelst der von Labradorund der Insel Neufundland ge-bildeten Belle-Islestrassemit dem Atlantischen Oceanin Verbindung. — In südwest-licher Richtung von Neufund-land erstreckt sich die GrosseNeufundlandbank, meist vonNebeln umlagert und bemer-kenswerth wegen ihres unge-heuren Reich thums an Ga-d i d e n (Kab elj aus, „ Sto ck-fischen”), an dessen Fang sichganze Flotten betheiligen.
_Der^Grosse Ocean. Die
pacifischen Küsten Amerikasbeginnen am Cap Hoorn. Diereichste Gliederung tritt dortauf, wo vom westlichen Aus-gange der Magalhaesstrassean in einer Erstreckung vonmehr als 15 Breitengraden derKüste zahlreiche Inseln vorge-lagert sind und die Küste von
vielen fjordartigen Einbuchtungen durchrissen ist. Die nörd-lichste dieser Inseln und zugleich die wichtigste (wenn auchnicht die grösste) ist das zu Chile gehörende Chiloe. Nördlichvon diesem Eilande erstreckt sich die pacifische Küste von Süd-amerika in einer fast schnurgeraden Linie bis etwa 21*5° Süd-breite. Ihrem Charakter nach vorwiegend Steilküste, gehört siebis 2i° südlicher Breite zu Chile, dann zu den FreistaatenPeru, Ecuador und Columbia. Von der peruanischen HafenstadtArica an beginnt die grosse Beuge der Küste nach Nordwesten,Norden und zurück nach Nordosten. Es sind hier zahlreicheBuchten vorhanden, doch ist nur der sogenannte Golf vonGuayaquil von einiger Bedeutung.
An der pacifischen Küste von Südamerika lassen sich verschiedene inter-essante Thatsachen für die sogenannten säeularen Hebungs- und Senkungserschei-nungen nachweisen. Charles Darwin hatte als Erster die Beobachtung gemacht, dassein grosser Theil dieses Landgebietes in einem ununterbrochenen Hebungsprocesse be-griffen sei. In erster Linie ist es die Küste von Chile, welche die Merkmale diesesAufsteigens an sich trägt. An der Oberfläche eines jeden Küstenvorsprunges, an denseeseitigen Ausgängen fast aller Thäler findet man Spuren alten Meeresstrandes:Conchylienlager, von der Beschaffenheit derjenigen Schalthiere, welche derzeit imbenachbarten Meere leben. Die früheren Gestadelinien, welche durch schroffe Fels-wände und Böschungen von einander geschieden sind, gleichen den Stufen einergigantischen Treppe. Bei genauer Betrachtung stellt sich heraus, dass diese Gestade-linien nicht auf demselben Niveau liegen, woraus gefolgert werden darf, dass ihreHebung eine ungleich starke war; ebenso er-kennt man unter ihnen eine gewisse Zusammen-gehörigkeit und schliesst daraus auf gesonderteZeitepochen ihres Entstehens. Auf den Hügelnder Insel Chiloe fand Darwin einige, auffrüheren Meeresgrund deutende Conchylienlagerin einer Höhe von 100 Metern. Nördlich vonConcepcion entdeckte derselbe Forscher Ni-veauunterschiede im früheren Meeresstrande umcirca 300 Meter, unweit von Valparaiso vollendsum 400 Meter über dem jetzigen Niveau desMeeres. Die chilenischen Niveauunterschiede zeigen— wie die norwegischen — eine geneigte Lage,so zwar, dass sie sich zum Meere hinab undzum Gebirge hinauf neigen. Die Kraft der He-bung war daher in den Anden viel intensiver alsin den benachbarten Ländern, wo — wie bei-spielsweise in Bolivia — Hebungsmerkmale nie-mals die Höhe von circa 70 Metern überschreiten.
Auf Grund dieser Thatsachen ist der Rück-schluss erlaubt, dass die Westküste von Südamerikanoch weiteren Umgestaltungen oder (nach O. Pe-schel’s Ausdrucksweise) „Modellirungen” entgegen-geht. Schon derzeit sind alte, einst vielbesuchteHafenplätze unzugänglich geworden; ja einigesind derart verseichtet, dass sie gar nicht mehran ihre ursprüngliche Bestimmung erinnern. Diezahlreichen Inseln, welche früher den indianischenNamen Huapi trugen, sind jetzt mit dem Fest-lande vollständig verwachsen. Ein anderes inter-essantes Beispiel hat Darwin an der Küste vonCallao constatirt. Dort liegt die Insel SanLorenzo und auf ihr entdeckte der genannteForscher in einer Höhe von 25 Metern ein Lagervon Conchylien auf einem mit Algenwurzeln, Vogel-knochen, Maisähren und Rohrgeflechten unter-mischten Boden. Diese Reste menschlicher Thätig-keit gleichen genau denen, welche man auf denBegräbnissplätzen der alten Peruaner gefundenhat. Es ist demgemäss der Rückschluss gestattet,dass seit der Zeit, als diese Gegend noch aus-
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'Auf dem Hudson.
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Küste des nördlichen Labrador.
schliesslich von der Urbevölkerung be-siedelt war, die Insel San Lorenzo sichum 25 Meter emporgehoben habe.
Aber ebenso nachweisbar sindauch die Senkungsmerkmale. Im Hafenvon Callao liegen bereits mehrere Punkteunter dem Wasserspiegel, die in frühererZeit sich über demselben befanden. Willman daher den Senkungsbezirk von Callaoals die nördliche Grenze des südamerika-nischen Erhebungsgebietes ansehen, somisst das letztere in seiner Länge etwa3700 Kilometer, eine Entfernung, diederjenigen zwischen Paris und Tobolskgleichkommt.
Welchen Einfluss die grossartigevulcanische Thätigkeit im südamerikani-schen Küstengebiete der Anden auf dieUmgestaltungen der Gestadezone hat, wirdweiter unten zur Sprache gebracht werden.
Bei der Landenge vonPanama beginnt die pacifischeKüstewon Central-, beziehungs-weise Nordamerika. Auch sieist wenig gegliedert. TiefereEinschnitte an der Küste Cen-tralamerikas sind die Golfevon Panama und von Tehuan-tepec. Das auffälligste Detail an der Küstenlinie Nordamerikasist die Halbinsel Californien mit dem Golf von Cali-fornien, der vom Festlande und der vorgenannten Halbinseleingeschlossen wird und in Bezug auf Gestalt, Klima und Ufer-beschaffenheit auffällig dem Rothen Meere gleicht. Auf dereinen Seite vom offenen Ocean bespült, der, bis zum ArktischenOcean reichend, bald warme, bald kalte Winde zuführt, aufder anderen Seite der allseits vom Land umschlossene Golf,der stets lau ist, vereinigt Californien dem Anscheine nach alleBedingungen eines feuchten Landes. Gleichwohl ist das Klimaaussergewöhnlich trocken, der Boden über die Maassen dürr.Regen sind fast unbekannt, da die aus dem Ocean aufsteigen-den Wolken über die Halbinsel hinwegziehen und sich erst ammexicanischen Küstengebirge stauen und hierbei Niederschlägeausscheiden. Im Süden endet die Halbinsel Californien mit denVorgebirgen Palmas und St. Lucas, deren sandige, mitFelstrümmern bedeckte Ausläufer die Fundorte herrlicherMuscheln sind. Das Meer ist im Bereiche der Halbinsel über-aus fischreich; es giebt riesige Tintenfische (Kraken), Haie vonerstaunlicher Grösse, Schwertfische und andere Seeungethüme.An den völlig öden pacifischen Gestaden sonnen sich Massenvon Seelöwen. Ausserordentlich endlich ist der Reichthum der
Küste an prächtigen Muscheln. DiePerlmuschel findet sich an vielenStellen, ausserdem die Purpurmuschel.
Im Norden von Californienstreicht ein mässig hohes Küsten-gebirge — CoastRange — parallelzum Gestade. Bedeutend höher istdie dahinter und parallel zu der vor-genannten Kette streichende SierraNevada. Die Küstenkette ist beiSan Francisco durch die gleich-namige Bucht auseinandergerissen.Nördlich derselben tritt der Haupt-kamm landeinwärts zurück, steigtaber immer höher an. Als Fortsetzungerstreckt sich weiter nördlich dasCascadengebirge, welches vondem wasserreichen Columbiastromedurchbrochen wird. Noch nördlicherstreicht die Küstenkette bis zum Pu-getsund und setzt sich insularischfort, indem sie die Vancouver-Inselund andere Eilande erfüllt.
Die 20 Kilometer breite Strasse Juan deFuca trennt die Vancouver-Insel vom nordameri-kanischen Territorium Washington. Vom Wasser-spiegel bis hoch hinauf an der majestätischenOlympus kette giebt es herrliche Bestände vonFichten und Tannen, welche die Flotten derganzen Welt mit Masten versehen könnten. Diebeste Ankerstelle ist der prächtige Esquimalt-hafen. Felsen, mit Moos und Laubwerk bedeckt,umschliessen ihn, während ihnen gegenüber Hainemit lieblichen Landhäuschen liegen. Esquimalt istdie wichtigste englische Flottenstation an derpacifischen Küste Nordamerikas und ausserdem