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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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C. Südamerika. 9 . Guyana. Der Atlantische Ocean.

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Das Gesammtgebiet von Guyana umfasst einen Flächenraum voncirca 460.000 Quadratkilometer; die Bewohner zahl wird auf circa 350.000Seelen geschätzt.

Obwohl die Karten den europäischen Besitzungen eine Ausdehnungbis zu den südlichen und südwestlichen Randgebirgen des guyanesischenPlateaus anweisen, befindet sich thatsächlich nur das Küstenland, diesogenannteWilde Küste, im Besitze der Europäer.

Der Colonialbesitz zerfällt in:

1. Britisch-Guyana [circa 220.000 Quadratkilometer, 274.000 Ein-wohner], vom Atlantischen Ocean, Venezuela, Niederländisch-Guyana undBrasilien umschlossen. Die Colonie bildet ein Gouvernement und zerfälltin die beiden vereinigten Grafschaften Demarara und Essequibo und indie Grafschaft Berbice.

Hauptort der ganzen Colonie und der beiden vereinigten Grafschaften ist Georgetown (49.000Einwohner), mit gutem Hafen und lebhaftem Handel. In der Grafschaft Berbice ist Neu-Amsterdam (8000 Einwohner) der Hauptort.

2. Niederländisch-Guyana [circa 119 .000 Quadratkilometer, 74.000Einwohner], vom Atlantischen Ocean, Britisch-Guyana, Französisch-Guyanaund Brasilien umschlossen. In administrativer Hinsicht bildet die Coloniedas Gouvernement Paramaribo (oder Surinam), das in acht Districte zer-fällt. Es ist kaum der hundertste Theil des Gesammtg*ebietes ang*ebaut. ImTieflande gewinnt man an Nahrungspflanzen: Bananen, Reis, Yams,Bataten. Die Kaffee- und Baumwollenplantagen sind grösstentheils einge-gangen; Zuckerrohr ist das Hauptculturgewächs. Die Waldungen, welche90"/o der Fläche Surinams bedecken, liefern über 300 kostbare Holzarten;aber der Mangel an Communicationen hemmt die Ausbeute.

Hauptort der Colonie ist Paramaribo (25.000 Einwohner), am linken Ufer des hier 1660 Meterbreiten Surinam, 38 Kilometer vor seiner Mündung, trotz seiner Binnenlage ein Seestapelplatz, dader breite Strom der oceanischen Schifffahrt kein Hinderniss entgegensetzt. Paramaribo ist die schönsteStadt in Gesammt-Guyana. Die Strassen sind mit Alleen von Orangen-, Citronen- und Tamarinden-bäumen geschmückt. Das Klima ist verhältnissmässig gesund. Ein Fort schützt den Hafen. Neu-Rotterdam, befestigte Ortschaft an der Mündung des Grenzflusses Correntyne.

3. Französisch-Guyana [circa 120.000 Quadratkilometer, 26.000 Ein-wohner], vom Atlantischen Ocean, Niederländisch-Guyana und Brasilienumschlossen. Die Colonie wird von einem Gouverneur verwaltet, der demMinisterium der Marine und der Colonien untersteht. Es bestehtnur Plantagenwirthschaft, welche von circa 3000 Negern, in-dischen und chinesischen Kulis besorgt wird. Die Colonie dientals Deportationsort für Verbrecher und steht als solchenament-lich ihres ungesunden Klimas wegen in schlechtestem Rufe.

Kariben.

Hauptort der Colonie ist Cayenne (8000 Einwohner), auf der gleichnamigenInsel gelegen, mit grosser, bequemer Rhede. Die Neustadt ist hübsch gebaut. Zu denPlagen der Bewohner zählen die Menge vorhandener Insecten und blutsaugenderFledermäuse.Westlich von Cayenne liegen die Salut-Inseln, welche als Accli-matisationsorte für Deportirte dienen. La Mana, am Manaflusse, ist eine Acker-baucolonie, Oyapok, am gleichnamigen Flusse, eine Station für das Einsammeln derFarbhölzer. I11 der Nähe der niederländischen Grenze liegen die Straforte St. Louisund St. Laurent.

Mit dem Uebergang von Amerika aut Afrika erscheint esam Platze, einige Bemerkungen über das Becken des AtlantischenOceans einzuschalten. An der Begrenzung des AtlantischenOceans, der ungefähr den vierten Theil des Weltmeeres ein-nimmt und von den Packeismassen der arktischen Region biszu denen der antarktischen Region reicht, haben Antheil:Amerika mit seiner ganzen Ostküste von Labrador bis Feuer-land; Afrika mit seiner ganzen Westküste von Cap Spartetbis zum Nadelcap und Europa mit seinen westlichen undnordwestlichen Küsten. Ueber die Umgrenzung*slinien des AtlantischenOceans haben wir hier weiter nichts zu sagen. Dagegen erheischendie Tiefseeverhältnisse dieses oceanischen Beckens einige Er-läuterungen.

Wenn die innerhalb der letzten zwanzig Jahre stattgehabte Erforschung der Tiefsee und derBodenplastik der Oceane unsere Kenntniss von den diesbezüglichen Verhältnissen im Grossen Oceanund im Indischen Ocean erst begründeten, muss hinsichtlich des Atlantischen Oceans behauptetwerden, dass die gleichen Forschungen hier veraltete Voraussetzungen und irrige Folgerungenwesentlich berichtigt haben. Die Behauptung Maurys, das atlantische Tiefseebecken sei im Grossenund Ganzen eine zwischen der Alten und Neuen W 7 elt eingerissene riesige Rinneeine Ocean-furche, in die harte Rinde unseres Planeten eingekerbt von der Hand des Allmächtigen hat sichals vollständig irrig erwiesen. Es handelt sich hier vielmehr um einen zusammenhängenden, dieganze Nordsüdrichtung des Oceanbodens innehabenden Erhebungsrücken von verhältnissmässig ge-ringer Breite, aber beträchtlicher Höhe. Dieser Rücken hält so ziemlich die Mitte der beiden atlantischenMeeresbecken ein und wiederholt unterseeisch die gewundene Gestalt des Oceans.

Ueber diesen Rücken erheben sich als höchste Gipfel die Inseln desAzoren-Archipels, der St. Paulfelsen, die Insel Ascension (nicht aberSt. Helena) und die Tristan dAcunhagruppe. Es ist bemerkenswert!^dass alle diese Inseln vulcanischen Ursprungs sind und überdies auf demPlateaurücken des nördlichen atlantischen Beckens vulcanische Trümmer-gesteine liegen: Thatsachen, die für eine Bodenanschwellung durch vulca-nische Kräfte sprechen.

Dass der Atlantische Ocean speciell in seinem nördlichen Becken keinetiefe Oceanfurche sei, hatten schon die Voruntersuchungen gelegentlichder atlantischen Kabelarbeiten ergeben. Grosse Niveaudifferenzen desMeeresbodens wurden nicht vorgefunden, und wenn der Abfall der conti-nentalen Stufe speciell auf der Westseite von Irland auch ein beträchtlicherist, gestaltet sich dieses Oceanbecken gleichwohl zu einer fast ebenenMulde. Die einzige Unterbrechung bildet die vorerwähnte axiale Boden-anschwellung. Sie geht von jenem ausgedehnten, bis auf 250 Faden Tiefeansteigenden Plateau aus, das sich zwischen Grönland und Schottlanderstreckt und dessen Gipfelmasse die ungefähr in der Mitte dieses Plateausgelegene Insel Island ist.

In südwestlicher Richtung geht dieses Plateau in das durch-schnittlich um 1000 Faden tiefer liegende sogenannteTelegraphen-plateau über, verschmälert sich dann rasch und nimmt als axiale

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Am Essequibo.