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Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
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Der Atlantische Ocean.

submarine Bodenanschwellung seineRichtung südwärts über die Azorenbis in die Nähe der Küste vonGuyana. Die nordatlantische Erhe-bung führt südsüdwestlich von denAzoren denNamenDolphinrücken.

Nordöstlich von der Küste Guyanassetzt sich die Erhebung als „Ver-bindungsrücken” in südöstlicherRichtung über den St. Paulfelsenfort, schneidet hier den Aequatorund wendet circa 1000 Kilometersüdwestlich vom Cap Palmas wiedersüdlich, um über die Insel Ascensionzur Tristan d'Acunhagruppe undvon hier (wahrscheinlich) nach demPlateau des südlichen Polarmeereszu verlaufen .... Der axiale atlan-tische Rücken hängt übrigens .nichtnur an der Küste von Guyana mitdem Festlande von Amerika zusam-men; unweit der Tristan d’Acunha-gruppe geht ein zweiter, viel länge-rer Verbindungsrücken in nordöst-licher Richtung ab, um mit der sub-marinen Küstenstufe Afrikas zwi-schen der Mündung des Cunene undjener des Oranje zu verschmelzen.

Aus dieser Gestalt der atlantischen Tief-see-Erhebung ergiebt sich, dass der AtlantischeOcean in drei Tiefbecken zerfällt. Das grosseHauptbecken nimmt die Bodenfläche des öst-lichen Randes ein; es verläuft von Irland mit an-sehnlicher Breite parallel zu dem axialen Rücken,begleitet die ganze Westküste von Afrika, wobeijene continentale Stufe, über welche die Cana-rischen Inseln und die Capverdischen Inseln emporragen, die östliche Begrenzungbildet, und endet am südatlantischen transversalen Verbindungsrücken. In dieses Tief-becken von 2000 bis 3000 Faden sind stellenweise noch tiefere Mulden eingesenkt,und zwar westlich von den Capverdischen Inseln mit der bisher gelotlieten Maximal-tiefe von 3188 Faden; ferner zwischen der Congomündung und der Insel St. Helenamit der bisher gelotheten Maximaltiefe von 3048 Faden.

Ausser diesem langgestreckten östlichen Tiefseebecken besitzt der AtlantischeOcean noch zwei bedeutendere Einmuldungen: das nordwestliche Beckenzwischen dem axialen Rücken und Nordamerika, mit der grössten, bisher im ganzenBereiche des Atlantischen Ocean gelotheten Tiefe von 4561 Faden. Diese Stelle be-findet sich nördlich von der Insel St. Thomas in 22° 2' 44" Nordbreite und in 65°5' 58" Westlänge (von Greenwich); sie befindet sich in der südlichen der beidenunter 3000 Faden herabsinkenden Mulden des nordwestlichen Beckens. Die nörd-liche Mulde nimmt den Raum südlich von der Neufundlandbank ein, die südlicheMulde den Raum östlich von den Bahamainseln und nördlich von den KleinenAntillen.

Das dritte Tiefseebecken erstreckt sich südlich vom Aequator zwischender axialen Erhebung und dem Festlande von Südamerika. Es hat seine Maximal-depression in einer langgestreckten, mit der axialen Erhebung parallel laufenden

Mulde, deren grösste Tiefe mit 3284 Faden(unweit der Martin Yaz-Inseln in 20° Süd-breite und ungefähr in 25 0 Westlänge von Green-wich) gelöthet wurde. Das Caribische Meerund das Antillenmeer haben eine durchschnitt-liche Tiefe von 1200 Faden, der Golf vonMexico ist im Mittel 2000 Faden tief. Dasnordwestliche Becken erhebt sich nordöstlich vomTelegraphenplateau rasch und in. breiter Aus-dehnung, indem es einerseits zum submarinenPlateau von Island, anderseits zu der seichtenDavisstrasse des Arktischen Oceans ansteigt.Zwischen Labrador und der Südspitze von Grön-land sinkt der Meeresboden noch bis zur 2000Fadenstufe, im Süden der Baffinbai nur mehrbis zur 1000 Fadenstufe.

Die seichtesten Stellen imAtlantischen Ocean sind die sub-marinen Küstenstufen im Bereicheder grossbritannischen Inselnund am Ostgestade von Patagonien.Denkt man sich den Meeresbodenim Bereiche der grossbritannischenInseln, der Nordsee (mit Einschlussder Ostsee) nur um 100 Faden höherliegend, so erhielte das KartenbildEuropas an dieser Stelle eine so aus-giebige Umgestaltung, wie sie inanderen Oceanen selbst durch idealeNiveauverschiebungen von mehrerentausend Faden nicht zu erzielen ist.Es träte an Stelle der grossbritan-nischen Inseln, der Nordsee, Däne-marks, der Ostsee und eines be-trächtlichen Theiles des dermaligenOceans von der Westküste von Ir-land bis zum Golf von Biscaya, festesLand. Schon im Bereiche des vSkager Rak hinge vSkandinavienmit dem neuen Lande zusammen; zwischen diesem und derKüste von Norwegen bei Bergen bliebe nur ein grosser Fjordzurück; nordwärts würde sich das Festland weit über die Shet-landsinseln hinaus erstrecken; im Südwesten läge die Hälftedes Golfes von Biscaya trocken, im Osten die Ostsee in ihrerganzen Ausdehnung vom deutschen bis zum finnisch-schwedi-schen Gestade.

Minder ausgedehnt ist die seichte submarine Stufe an derWestküste von Patagonien. Immerhin würde hier das Tiefer-sinken des Meeresspiegels um nur 100 Faden den südlichenTheil von Südamerika stellenweise um das Doppelte, auf derHöhe der Falklandsinseln sogar um das Dreifache verbreitern.Der seichte submarine Uferstreifen zieht sich nordwärts bis zumRio de la Plata, worauf er als schmale Küstenstufe längs desGestades von Brasilien verläuft.

Jagd auf Seekühe (Lamantine) an der Südostküste von Guyana.