Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
369
JPEG-Download
 

Afrika. Allgemeine Uebersiclit.

369

und Südostrande des Congobeckens und im Inneren hinter derSuaheliküste. Den oberen Lauf des zum Tanganjikasee strömen-den Malagaraziflusses (im Lande Unyamwesi) hat Capitän SpekedenGarten des tropischen Afrika genannt. Für das eigentlicheCong*obecken gilt alles das, was weiter oben von den Wäldernder ostafrikanischen Subregion, von der Flora Guineas, von denSavannen, von dem üppigen Graswuchse derselben u. s. w. ge-sagt wurde. Verdichtet man diese Vegetationsbilder zu riesigenComplexen, wie sie eben die grosse räumliche Ausdehnung desCongobeckens bedingt, so gewinnt man ungefähr den Maass-stab für das Pflanzenleben in diesem Theile von Afrika.

Auch das Sambesigebiet ist ausgezeichnet durch grosse Ueppigkeit. Das Sumpf-land des Sambesideltas ist von ungeheuren Beständen von Mangrovebäumen be-deckt. Höher im Thale treten die Schraubenpalmen auf, welche so hoch wieKirchthürme werden. Dazu gesellen sich prachtvolle Limonenbäume. Alsdanngelangt man in die Region der Ebenen von fettem, schwarzem Boden, welche mithohem Graswuchse bedeckt sind. Viele Hütten liegen unter Bananen und Kokos-palmen, der Boden ist ausserordent-lich fruchtbar. Die Gärten enthaltenausser unseren Gemüsearten auchZuckerrohr und Baumwolle. Amnördlichen Ende der Schiresümpfetritt die Delebpalme in grossenMassen auf.

Zum tropischen Afrika gehörenin pflanzengeographischem Sinne auchnoch Natal und Transvaal. Inbeiden Gebieten kommen geschlossene"Wälder nicht mehr vor. Auffallendsind einige Arten, welche ein mehroder minder kräftiges Aroma besitzen,als: das Niessholz und das Stink-holz. Besonders reich ist dieses Ge-biet an Blumen. In den Küsten-strichen gedeihen Kaffee, Zucker-rohr, Pi sang und Ananas. Nebeneuropäischen Gemüsearten finden sichBataten und Durrah. Von euro-päischen Getreidearten wären Weizenund Hafer, ferner Mais zu nennen.

Grosse Strecken sind nur Weideland,auf welchen sich die vorher erwähnteBlumenpracht mit Eintritt der Regen-zeit entfaltet. In den Thälern sindWälder selten, häufiger in den Berg-landschaften; sie haben entweder dasAussehen vonHainen oder sind Bus ch-wald; der letztere überwiegt.

4. Das Capgebiet. Esumfasst die Südspitze vonAfrika südlich vom Oranj e-fluss ein Gebiet von kaum350.000 Quadratkilometer,aber eines der reichstenFlorengebiete, welches mankennt. Dieser Reichthum istweder durch Vortheile desBodens noch durch solchedes Klimas bedingt, sonderndas Ergebniss der geschicht-lichen Entwickelung diesesGebietes. Vorwaltend ist dieGesträuchform; Zwiebelge-wächse kommen in grossenMengen vor und entfaltennach Beginn der Regenzeiteinen zauberhaften Blumen-flor. Anderen Schmuck bildenHeidekräuter und Immor-tellen.Im ganzen Capge-biete, namentlich aber in der Karr00, wird die Vegetationdurch die Niederschläge aus dem Ruhezustände gewecktund durch eintretende Dürre unterbrochen. Nur bei gewissen,aus Europa eingeführten Gewächsen wie bei der Eiche

fällt der Winterschlaf mit der kälteren Jahreszeit zusam-men, indem ihre Belaubung sich der südhemisphärischen Pe-riode fügt.

5. Das Kalaharigebiet. Es schliesst nordwärts an das Cap-gebiet an und bildet vermöge seiner geologischen Verhältnisse

nicht aber aus klimatischen Ursachen ein Vegetations-gebiet für sich. Es ist, das Küstenland am Atlantischen Oceanabgerechnet, nicht regenlos; doch giebt die Kalahari im Grossenund Ganzen ein Abbild der Sahara im Kleinen, und erzeugtnur eine äusserst dürftige, aus ärmlichen Gräsern und grau-grünem Gebüsch bestehende Vegetation. Vorwaltend sindDornengewächse, welche so dicht wuchern, dass sie ein Be-wegungshinderniss bilden.

Am gefürchtetsten unter den Dornengewäclisen ist derHaakedorn (Acaciadetinens ), der mit scharfen Widerhaken bewehrt ist. So nebensächlich dies erscheinenmag, kommt es gleichwohl vor, dass vom Haakedorn Gefangene (vorausgesetzt, dass sieKleidertragen) nur durch Hilfe Anderer aus ihrer Umgarnung befreit werden können.Unter den Baumgewächsen der Kalahari zeichnet sich durch ihre Höhe die Giraffen-akazie aus. Die seltsamste Pflanze dieses Wüstengebietes aber ist die Welwitschie(Wehvitschia mirabilis), die übrigens weniger in der Kalahari, um so häufiger aberim Damaralande auftritt. Sie ist eine flachwachsende Pflanze, welche zur EntwickelungderSpindel (des Blätterträgers) viele Jahrzehnte benöthigt, alsdann einen Umfangvon mehreren Metern, bei einer Höhe von nur wenigen Centimetern erreicht. An derSpindel haften zwei ungemein lange Blätter (2 bis 4 Meter), welche zugleich Samen-lappen sind. Die Spindel ist ungemein hart, ein ungeheuerlicher Holzklotz. DieBlätter ragen nicht auf, sondern liegen am Boden, meist durch Stürme in mehrereTheile zerschlitzt. Aehnlich dieser merkwürdigsten unter allen afrikanischen Gewächsenist der Elephantenfuss, der im Capland vorkommt.

6. Die madagassische Subregion. Unter dieser Be-zeichnung bildet die Insel Madagaskar ein Vegetationsgebietfür sich. Der früheren Theorie, dass diese Insel einst zu demhypothetischen ContinenteLemuria gehörte, theilweise ent-sprechend, besitzen vieleder Organismen Madagaskarseinen von denen Afrikas ab-weichenden Typus. MancheFormen sind afrikanisch. Soerinnern die Akazien an dieMimosen des Sudan, die Pan-danusform und die Casuari-nen dagegen an Indien. InderPalmenvegetation sindafrikanische und indischeFormen, dann eine dem Landeeigenthümliche Rohrpalmevertreten. Vorwaltend ist eineArt Sagopalme, die gleich-falls zu einem indischen Ty-pus gehört. Dazu gesellensich indische Favo und ge-waltige Lianen, welche na-mentlich die Bergwälderüberwuchern. Im sumpfigenDickicht tritt mit VorliebeeineRavenala derBaumder Reisenden auf, einPisang, der nur Madagaskareigenthümlich ist; dann diesogenannteGitterpflanze,deren Blätter netzartig, wieein feines Gewebe, durch-brochen sind.

Die übrigen Inseln des Indischen

Oceans weisen Vegetationstypen auf,welche ihnen durchaus eigenthümlichsind. Einige Formen weisen auf Indien,andere auf Afrika. Den Seychellenist die merkwürdige Seekokospalmeeigenthümlich, eine Palmenart, welchedie einst für mythisch gehalteneMeer-nuss hervorbringt. Diese Frucht fandman früher nur als Angespüle derSee, oder schwimmend, und kannteihre Heimat nicht. Ungeheure Preisewurden dafür gezahlt. Seitdem man dieHeimat dieser Frucht kennt, ist letzterewerthlos geworden.

Von den Inseln des AtlantischenOceans gehören die Canarien undMadeira einem gemeinsamen Vegeta-tionsgebiete an, welches sich in seinenFormen dem Mittelmeergebiete nähert;doch sind manche Formen nur diesenInseln eigenthümlich. Tropische Pflanzen walten vor. Für Madeira ist der merk-würdige Drachenbaum typisch; er gehört zur Sippe der Lilienbäume. Lorbeer-undKastanienwälder erinnern an die Mittelmeerregion. Die Palme tritt nur in einzelnenExemplaren in Gärten auf, während sie auf den Canarien häufig ist. Von denCapverdischen Inseln ist zu bemerken, dass sie in Bezug auf die einheimischenPflanzen dem Vegetationsgebiete der vorstehend behandelten Inseln angehören, hin-sichtlich der eingewanderten Pflanzen aber mit Afrika verknüpft sind.Was schliesslichdie oceanische Insel St. Helena anbetrifft, besass sie vor Zeiten eine durchauseigenthümliche Flora, von der nur mehr wenig vorhanden ist.

Faunenreiche. Man macht sich keiner Uebertreibungschuldig, wenn man Afrika mit einem ungeheuren Thiergartenvergleicht. In den Forschungsreisen spielt die Jagd fast immereine hervorragende Rolle; manche Gebiete Algier, Nubien,der östliche Sudan, Abessinien sind die Ausflugsziele euro-päischer Nimrode von Rang und Stand, und die letzteren Ge-biete sind der unerschöpfliche Wildpark, aus denen europäischeThiergärten und Arrangeure von zoologischen Schaustellungenä la Hagenbeck ihren Bedarf bestreiten. Hierbei handelt es sich

93

Urwald in Centralafrika (Region des Njassasees).

iflP,