Karte 
Die Erde in Karten und Bildern : Handatlas in 63 Karten nebst 125 Bogen Text mit 1000 Illustrationen / unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner herausgegeben von der Verlagshandlung ; Karten-Gravure und -Druck von G. Freytag & Berndt
Entstehung
Seite
373
JPEG-Download
 

Afrika. — Allgemeine Uebersicht.

373

siedeln in dem Rau-me zwischen DarFür im Westen undden Heimsitzen derBedschastämme imOsten, dem 5. 0 Süd-breite im Süden undAssuan im Norden.

Hierzu gehörenauch die eigentli-chen Nubier.

Die dritte Familieder Semiten bildendie Juden. Sie sindüber ganz Nordafri-ka vertheilt und be-sonders zahlreich inMarokko. Von denFalascha in Abes-sinien war schonoben die Rede.

Die den äusserstenNordosten von Afrika ein-nehmenden Galla und So-mali sind wahrscheinlichhamito - nigritische Misch-völker. Die ersteren siedelnim Osten und Süden vonAbessinien und sind einstolzes und kriegerisches,allenthalben von den be-nachbarten Somali nieder-gehaltenes Volk. Am be-kanntesten sind die Da-

Beduinen auf der Wanderschaft.

W;

Mm

fttl

HÄ

* l \ h

jHKi

iii

ISSIM

n akil, welche an der Küste

des Rothen Meeres südlich von Massaua siedeln. — Die Galla waren immer ein arbeits-scheues, nur dem Kriege ergebenes Volk, welches sich jeder friedlichen Beschäftigung,selbst dem Ackerbau, abhold zeigte. — Die Somali sind in zahlreiche Stämme zer-splittert. Sie besiedeln jenen Theil von Nordostafrika, welcher sich halbinselartig vomStamme des Continents gegen Osten dehnt und mit dem Cap Guardafui endet. DasInnere dieser sogenannten Somalihalbinsel ist noch gar nicht erforscht. Auch die Somalisind ein kriegerisches Volk.

II. Die äthiopische Basse.

Zu ihr gehören die Negerstämme des Sudan und Mittel-afrikas bis etwa zum Aequator — Nigritier genannt — unddie Bantuvölker, südlich von den Vorgenannten, den weitenRaum Hochafrikas zwischen dem Congo und dem Capgebietbesiedelnd. Die Bantuvölker, von den Nigritiern (oder „Negern”im engeren Sinne) äusserlich nur wenig verschieden, bildensprachlich ein Ganzes. Hierzu zählen: die Congovölker, dieSuaheli, die Raffern und die Betschuanen. Die südwest-liche Gruppe der Bantuvölker (Herero, Owampo) fasst man,auf Grund der herrschenden Sprache, mit dem Namen Bunda-völker zusammen.

Sowohl die Neger als die Bantuvölker (A-Bantu) zerfallen in eine grosse Zahl von Stämmen. Diecharakteristischen Merkmale des Negertypus sind das in die Länge gezogene, mit stark hervortretendemUnterkiefer und niederer, schmaler Stirne versehene Haupt, der weite Mund mit seinen wulstigen, dunkel-rothen Lippen, die kleinen, enggeschlitzten Augen und die breite, eingedrückte, mit grossen Löchern ver-sehene Nase. Das Haar ist kraus, schwarz und kurz und wächst fast nur auf dem Haupte. Die Hautfarbeläuft durch alle Nuancen vom tiefen Schwarz bis ins schmutzige Hellbraun; auch weichen selbst die hellstenFarben allemal merklich von jenen ab, wie sie die Haut der den Negern benachbarten dunkelfarbigenVölker (Bantu, Fullah) aufweist.

„Der Neger ist im Ganzen ein sinnlicher Mensch, bei dem die Phantasie überwiegt. Der Grundzugseines Temperaments ist daher heitere Ausgelassenheit. Der ungezügelten Phantasie des Negers ent-springen vor Allem seine Putzsucht und Eitelkeit, sowie seine Neigungen zu lärmenden Schaustellungen.Der Neger ist, gleich dem Kinde, ein Mensch des reinen Augenblicks. Am liebsten verbringt er den Tagim Nichtsthum unter Tändeleien und sinnlosem Gespräch oder Gesang. Die im Ganzen geringe geistigeEnergie des Negers hat eine gewisse natürliche Gutmüthigkeit, ja Sanftmuth zur Folge. So gutmüthig undfreundlich der Neger dem Freunde gegenüber sich zu betragen pflegt, ein ebenso rücksichtsloses undgrausames Betragen übt er gegen den Feind. So bewegt sich das Leben des Negers in steten Gegensätzenund finden in seinem Herzen die widersprechendsten Gefühle und Gedanken Platz.” (Fr. Müller.)

Unter den Bantuvölkern ragen die Kaffern besonders hervor. Sie sind vorwiegend ein Nomaden-volk, welches zwischen dem Sambesi und der Küste von Natal siedelt, doch bilden einige Kaffernvölkerim Inneren von Südafrika auch festgefügte und ausgedehnte Staaten, auf welche wir noch zu sprechenkommen. Alle Kaffern zeichnen sich aus durch Tapferkeit und Energie, durch eine gewisse Ritterlichkeitim Kampfe und gegenüber dem überwundenen Feinde. Sie sind selbstbewusster als die Neger, mit regeremRechts- und Freiheitsgefühl ausgestattet. Die Kaffern kennen weder die Sklaverei noch die unerhörtedespotische Vergewaltigung, die so schwer auf den meisten Negerreichen des Sudans lastet. Unter denKaffern ragen in Bezug auf kriegerische Eigenschaften besonders die Zulu hervor; ihre Macht ist indessjetzt gebrochen und ihr Land dem britischen Besitz in Südafrika einverleibt.

III. Die südafrikanische Basse.

haarigen Rassen.—Die Hottentotten siedeln in der Westhälftevon Südafrika, von der Walfischbai bis zur äussersten Südwest-spitze des Continents. Unvermischt treten sie vorwiegend nörd-lich des Oranjeflusses auf. Landeinwärts reicht das Verbreitungs-gebiet der Hottentotten bis in die Kalahariwüste.

Die Buschmänner siedeln zu beiden Seiten des mittlerenOranje, in der Capcolonie mit Kaffern, in der Kalahari mitHottentotten vermengt. Im Uebrigen sind die Buschmänner nurals ein Zweigstamm der Hottentotten anzusehen.

Neben der Büschelhaarigkeit unterscheidet den Hottentotten und Buschmannnichts so sehr vom Kaffern als die Hautfarbe. Dieselbe ist nämlich bei den erstereneine gelblich-braune, mit einem röthlichen Anfluge im Gesicht. Das Haar ist rauh,grob und stark gekräuselt; es wächst in getrennten Büscheln auf dem Kopfe, welcherdadurch das Aussehen einer zerzausten Bürste hat. Der Buschmann unterscheidetsich vom Hottentotten durch seine kleine, geradezu zwerghafte Gestalt, seinen un-förmigen, stark nach hinten verlängerten Kopf. Die grossen Ohren, die kleinen tiefin den Höhlen liegenden Augen verleihen dem Gesichte einen affenartigen Ausdruck.

Hottentotten und Buschmänner sind seit Langem im Aussterben begriffen. Siesind der Rest einer Rasse, über deren Rolle im afrikanischen Völkerleben der Vor-zeit wir keine Kenntniss haben. Auf der tiefsten Stufe der menschlichen Gesittungstehend, ist an ihnen eigenthümlich — was vielleicht mit der thierischen Natur dieserRasse im Zusammenhänge stehen mag — dass sie äusserst scharfe Sinne besitzen.

wie sie

Zu dieser Rasse gehören die Hottentotten (oder „Khoikhoin #sich selber nennen) und die Buschmänner (San). Die südafrikanische Rasseist scharf geschieden von der schwarzen Rasse Afrikas und bildet mit den ' liPapua die Abtheilung der sogenannten „büschelhaarigen” Rasse, der woll-

Abessinier

94