374
Afrika. — Allgemeine Uebersicht.
Die Spur eines verirrten Pferdes oderOchsen aufzufinden, ist ihnen eineKleinigkeit. Doch besitzt der Hotten-totte einen hochentwickelten Sinn fürMusik, Malerei und Plastik und einbesonderes Sprachtalent. — Der Nameder Buschmänner rührt von den ersten(holländischen) Colonisten her, welchejenes Völkchen Bosjesman, Bos-maneken (Bosusman, Buschman), auch„Bos en land Stroogers”, d. h. Strolcheoder Gaudiebe, nannten. Die Busch-männer selber nennen sich „San” (oderSaan), während ihnen die Kaffern denNamen Abatoa — „Bogenmänner” —gegeben haben. Da der Buschmannein herumstreifender Jäger ist, hat erin den seltensten Fällen einen festenWohnsitz. Als Waffe bedient sich derBuschmann des Speeres (Assagais) odervergifteter Pfeile. Der Buschmann stehtauf einer noch tieferen Stufe der Ge-sittung als der Hottentotte; ei* hat keinHaus und keinen Hof, keinen Königund kein Vaterland, er hat kein Viehund hat ausser dem Hunde nie einHausthier besessen. Mit solchen halb-wilden Hunden streift der Buschmann im Gefilde umher, selber einem Wilde' des Feldeszu vergleichen. Seinem Charakter nach gleicht der Buschmann einem reissendenThiere. Er ist feige und grausam, und thut so viel Böses als er kann. Er begehtActe, welche der menschlichen Natur unzulässig sind, ohne dass er eine Ahnung vondieser Unzulässigkeit besässe.
IV. Die malayische Rasse.
Die malayische Rasse ist durch die auf der Insel Mada-gaskar siedelnden Howa — auch „Madagassen” oder „Mala-gassen” — vertreten. Zu ihnen gesellt sich das Mischvolk derSakalawen. Die Howa, welche starr an ihren Ueberlieferungenund ihrer Religion hängen, sind im Allgemeinen heimtückisch,zu Gewaltthätigkeiten geneigt und arbeitsscheu. Sie verleugnendas malayische Blut nicht und sind dementsprechend nur danntapfer, wenn die Aussicht auf den Sieg gewiss ist. Entgegenihren Stammesbrüdern im ostindischen Archipel haben die Howaauf dem Meere nie eine Rolle gespielt.
Von den Sakalawen, bei welchen das afrikanische Blutvorwaltet, ist noch weniger Gutes als von den Howa zu be-richten. Sie werden als boshaft, abergläubisch, unverlässlichund gewaltthätig geschildert. Noch vor wenigen Jahrzehntenwaren die Sakalawen gefürchtete Piraten, welche nach Thunlich-keit jedes Schiff in einem von Sakalawen bewohnten Hafen aufMadagaskar ausplünderten. In den „königlichen Geschlechtern” derMaruseranaen und Andrewulen sind noch Menschenopferim Schwange. Grausam ist die Sitte junger Könige, wenn siesich zum erstenmale rasiren; sie lassen einen als muthig be-kannten alten Mann schlachten und bestreichen mit seinem Blutedas Rasirmesser.
Religionen. Im Grossen und Ganzen ist Nordafrika, einschliesslich desSudan, ferner Nordostafrika vom Galla-Somaligebiete bis über Sansibar hinaus,mohammedanisch, Mittelafrika und ein grosser Theil von Südafrika heidnisch;das Capgebiet christlich. Auf Madagaskar sind die Howa vielfach Christen,die Sakalawen Heiden. Indess fällt die Trennungslinie zwischen Mohammedanernund Heiden nicht völlig mit der geographischen Abgrenzung des Sudan zusammen.Die erstere verläuft vom Gambianach den Nigerquellen, von hier ge-rade nach Osten bis in die Nähedes Benue, fällt dann von hier gegenOsten mit der Südgrenze von Baghirmizusammen, von wo sie ziemlich geradegegen Sannaar verläuft. An der Süd-seite von Abessinien fällt die Scheide-linie fasst meridional nach Süden ab,zuletzt mit der Küstenlinie von Sansi-bar einen schmalen Streifen Landeseinschliessend. *
Die Mohammedaner Afrikas,besonders jene am Nordrande desContinents, erhalten ihre Anfeuerungzu regem Glaubenseifer und unent-wegter Proselytenmacherei unter dennoch heidnischen Stämmen von zahl-reichen geheimen Ordensgesellschaften,unter welchen die religiöse Bruderschaftdes Es Senusi die mächtigste undeinflussreichste ist. Ihren Sitz hat siein Tripolitanien. Die zum KaiserreicheMarokko gehörigen Mohammedaneranerkennen, im Gegensätze zu denübrigen sunnitischen Mohammedanern,
in ihrem Staatsoberhaupte den selbst-ständigen Khalifen, doch ruht allegeistliche Gewalt in den Händen desScherifs von Qu es an, des Ordens-generals der Mulei Taieb, dessen Ein-fluss häufig den des Khalifen über-wiegt. Ueberhaupt nimmt Marokko,vermöge des Fanatismus seiner Bevöl-kerung und der jeder Gewaltthat oderScheusslichkeit fähigen Ordensbruder-schaften, von welchen die schlangen-fressenden „Issauah” die abstossend-sten sind, eine besondere Stellung inder Welt des Islams ein. — Geringist die Zahl der Juden in Afrika.
Länderbestand. Der Erd-theil Afrika (ohne die Inseln)nimmt, wie bereits S. 358erwähnt, einen Flächenraumvon 29,197.311 Quadratkilo-meter ein.
Die geographisch-po-litische Eintheilung ist dienachfolgende:
Nordafrika.
I. Die Mittelmeerländer:
1. Das Kaiserreich Marokko.
2. Die französische Besitzung Algerien.
3. Der französische Schutzstaat Tunisien.
4. Aegypten.
II. Das Saharagebiet.
1. Die östliche Sahara (Tibesti — Borku — die Oasen vonKufra).
2. Die westliche Sahara (die Oasen von Tuat — die Oasenvon Tafilet — die Oase Asben — der Staat Sidi Hascham).
B. Mittelafrika.
I. Abessinien. — Die Galla- und Somaliländer.
(Ausserdem die europäischen Besitzungen am RothenMeere und am Golfe von Aden.)
II. Die Länder des Sudan.
1. Der östliche Sudan (das Reich des Mahdi — die Länderam Oberen Nil).
2. Der mittlere Sudan (Wadai — Baghirmi — Bornu —Kanem — Adamaua).
3. Der westliche Sudan (die Haussastaaten und die Fellata-staaten).
4. Senegambien.
III. Aequatorialafrika.
1. Oberguinea (die europäischen Colonien, der NegerfreistaatLiberia — Eingeborenenreiche [Aschanti, Dahome etc.]).
2. Niederguinea (das deutsche Kamerungebiet — Eranzösisch-Niederguinea — Portugiesisch-Niederguinea).
3. Der Congostaat.
4. Ostafrika (Deutsch-Ostafrika — Britisch-Ostafrika — dieportugiesische Colonie Mogambique — das Sultanat San-sibar — Eingeborenenreiche).
C. Südafrika.
1. Deutsch-Südafrika.
2. Inner-Südafrika (die südafrikanische Republik [Transvaal]
— der Oranje-E reistaat —Englisches Schutzgebiet— Eingeborenenreiche).
3. Das Capgebiet (Englisch-Südafrika mit Ausschlussder vorgenannten Ge-biete).
D. Die Inseln.
1. Die Inseln des IndischenOceans (Madagaskar —die Mascarenen — dieComoren — die Seychel-len — die Amiranten —Sokotora).
2. Die Inseln des Atlan-tischen Oceans (die Gui-nea-Inseln — die Cap-verdischen Inseln — dieCanarischen Inseln —St. Helena und Ascen-sion — Madeira — dieAzoren).
Typen der Wolofneger.
Eingeborene von Urua (Congovölker).
SÜI®
— £t<-